Happy Carb Bücher

Haferkleie – Nicht sexy, aber dafür sehr gesund

Happy-Food

Haferkleie – Nicht sexy, aber dafür sehr gesund

Haferkleie! Superfood vom heimischen Acker. Lecker, vielseitig verwendbar und voller gesundheitlicher Vorteile.

Ich gebe zu, der Name Haferkleie klingt zugegebenermaßen erst mal total langweilig und wenig reizvoll. Bei Hafer fällt mir spontan ein futterndes Pferd ein und bei Kleie schießt mir das Stichwort Verstopfung in den Kopf.

Beides Gedankenblitze, die kein wohltuendes Prickeln hervorrufen.

Aber Haferkleie ist ein Lebensmittel, wo sich ein zweiter Blick wirklich lohnt. Das unscheinbare Äußere und der langweilige Name verstecken gekonnt einige toller Inhaltsstoffe und Wirkweisen, wegen derer es Sinn macht, Haferkleie immer häufiger mit in den Speiseplan einzubauen.

Was ist Haferkleie eigentlich?

Haferkleie besteht aus dem Keimling und den Randschichten des Haferkorns. Das klingt nach einem Abfallprodukt, aber in Wirklichkeit enthält die tolle Haferkleie einen Großteil der Vitamine (85%) und Mineralstoffe (80%) des Haferkorns und wie zu erwarten war, jede Menge gesunder Ballaststoffe. Wenn du Haferflocken und Haferkleie vom Ballaststoffgehalt her vergleicht, dann punktet die Haferkleie mit 50% mehr Ballaststoffen.

Der Punktsieg zwischen Haferkleie und Haferflocken geht also klar an die Haferkleie!

Lass uns einen Blick auf die enthaltenen Ballaststoffe werfen, wo wir gerade schon mal dabei sind. Denn die Haferkleie enthält nicht nur die nichtlöslichen Ballaststoffe (nicht verdauliche Füll- und Faserstoffe), die uns so gut satt machen, den Blutzuckeranstieg verzögern und für ein schönes regelmäßiges Häufchen sorgen. Nein, Haferkleie enthält auch noch jede Menge eines wasserlöslichen Ballaststoffes, nämlich das:

Beta-Glucan.

Und das hat es in sich…

Was das in der Haferkleie enthaltene Beta-Glucan für dich tun kann.

Beta-Glucan senkt deinen Cholesterinspiegel, indem es im Darm cholesterinhaltige Gallensäure bindet und dann ausscheidet. Dadurch wird weniger Cholesterin von Körper aufgenommen und die Werte werden gesenkt. Dabei profitiert besonders der Wert des „schlechten“ Cholesterins, also das LDL, was im Ruf steht Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen. Haferkleie essen ist demnach auch hilfreich bei der Vermeidung von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Ich erinnere da gerne an Hippokrates und seinen schlauen Spruch:

Eure Nahrung soll eure Medizin und eure Medizin soll eure Nahrung sein“

Diabetiker profitieren von der gesunden Haferkleie ganz besonders.

Aber damit noch nicht genug. Die in der Haferkleie enthaltenen nichtlöslichen Ballaststoffe haben eine bremsende Wirkung auf den Blutzucker. Der Blutzucker geht nicht schnell in die Höhe, denn die Kohlenhydrate die im Blut ankommen, stolpern langsam hinein und kommen nicht raketenartig angeschossen. Die Gefahr von Blutzuckerspitzen ist damit gebannt und Schäden, die durch hohe Blutzuckerwerte entstehen könnten, werden wirksam vorgebeugt.

Es reicht immer noch nicht, denn die Haferkleie kann noch mehr. Das Beta-Glucan, also der wasserlösliche Ballaststoff in der Haferkleie, hat nämlich dazu die Fähigkeit den Blutzuckerspiegel zu senken und in der Folge die Insulinantwort zu verbessern. Weniger Zucker im Blut braucht weniger Insulin als Stoffwechselantwort. Du siehst, Haferkleie ist perfekt für alle insulinresistenten Typ-2- Diabetiker, die genau damit ihre Probleme haben.

Das macht Haferkleie für Low Carb und die schlanke Linie so interessant.

Die moderaten Auswirkungen auf den Blutzucker und der daraus resultierende geringe Insulinausstoß führt dazu, dass die Haferkleie in der Low-Carb-Küche weit verbreitet und gerne gesehen ist.

Lass uns mal einen Blick darauf werfen, was die Haferkleie da in unserem Bauch anstellt. Wenn wir Haferkleie essen, tun wir dies ja nie alleine. Egal wie gesund die Haferkleie ist, wenn du mal einen Esslöffel trockene Haferkleie im Mund hattest, dann weißt du, dass das keine gute Idee ist.

Also der erste Vorteil ist, dass sich das Beta-Glucan im Magen mit anderen Nahrungsmitteln verbindet und es so zu einer verzögerten Magenentleerung kommt. Das macht schon mal länger satt und einen wohlig gefüllten Bauch für einige Stunden.

Das freut gefräßige Menschen wie mich ehrlicherweise ungemein.

Dann entwickelt sich im Verdauungsprozess ein geleeartiger Nahrungsbrei, von dem nicht alle Bestandteile im Darm aufgenommen werden können. Diese teilweise Resorption (Verwertung) führt dazu, dass ein Teil der Nahrungsbestandteile – nicht zu vergessen das gebundene Cholesterin – einfach so ausgeschieden wird. Es ist nur logisch, dass alles was unverwertet aus unserem Körper herauswandert, unseren Blutzucker nicht erhöht und uns nicht dick macht. So verschwinden Kalorien nämlich ganz praktisch in der Kloschüssel und den Blutzucker und die Figur freut es.

Die Haferkleie hat durch diesen Umstand, trotz des eigentlich sehr hohen Kohlenhydratanteils auf dem Papier von etwa 50 g, laut meiner Internetrecherche lediglich einen Glykämischen Index von nur 15 (Montignac). Das entspricht übrigens dem gleichen Glykämischen Index, wie dem von Weizenkleie oder Dinkelkleie, die aber beide interessanterweise nur etwa 18 g Kohlenhydrate auf 100 g haben. Dafür würde ich zwar jetzt nicht die Hand ins Feuer legen, aber wer nach einer Mahlzeit mit Haferkleie mal den Blutzucker misst, wird überrascht sein, wie wenig sich da bewegt.

Und das soll Low Carb sein?

Low Carb hat viele unterschiedliche Variantionen, die sich jeweils in der Zufuhr der Kohlenhydrate unterscheiden. Für alle moderaten Low-Carb-Formen, die Getreide nicht kategorisch ausschließen, passt die Haferkleie perfekt in den Speiseplan. Eher strenge Low-Carb-Varianten, wie die ketogene Ernährung oder auch streng LCHF, bieten keinen Platz für Haferkleie, da die enthaltenen Kohlenhydrate zu umfangreich sind und der Verzehr den gewünschten Stoffwechselzustand der Ketose gefährden würde. Also Haferkleie kann Low Carb sein, kann es eben auch nicht. Das zur Info, falls du mal in eine entsprechende Diskussion schlitterst und etwas mit Verstand dazu sagen willst.

Wo wir gerade schon bei „Schlank mit Haferkleie“ sind. Denn die nichtlöslichen Ballaststoffe in der Haferkleie sättigen unglaublich gut. Die Haferkleie verfügt über ein tolles Quellvermögen. So bekommst du mit wenig Einsatz den Bauch schön voll und bleibst lange satt. Echte Schlankheitskost! Wichtig ist dabei: Immer schön viel zur Haferkleie trinken, denn es braucht Flüssigkeit um die Haferkleie im Bauch quellen zu lassen. Dann kann sie ihren gesundheitlichen Zauber voll entfalten.

Haferkleie freut den Darm.

Darm ist im Trend. Jahrelang ignoriert, wurde aus dem wichtigen Organ ein Gesprächsthema für die Mittagspause und das ist doch prima so. Und Haferkleie tut dem Darm richtig gut. Neben den nichtlöslichen Ballaststoffen, die für einen regelmäßigen Stuhlgang sorgen, gibt es nämlich noch eine Reihe von Bestandteilen, die ich als gesundes Darmfutter titulieren möchte. Unser Darm braucht gutes Futter, damit sich in ihm die guten und gesunden Darmbakterien ausbreiten und vermehren können. Jede Mahlzeit verändert die Darmflora und mit regelmäßig etwas Haferkleie dabei, tust du schon viel zur Gesundhaltung deines Darms.

Als erstes präbiotisches Darmfutter enthält die Haferkleie einen guten Teil resistente Stärke. Die heißt so, weil sie der Verdauung in den oberen Darmabschnitten gut widerstehen kann und dann als Bakterienfutter im Dickdarm zur Verfügung steht. Resistente Stärke in Lebensmitteln reduziert die Blutzuckerwirkung, denn der besondere Ballaststoff ist nicht zur Glukosegewinnung verwertbar und erfreut im Gegenzug die fleißigen Helfer im Darm.

Als zweites Darmfutter aus der Haferkleie will ich noch die Oligofruktose benennen, die es ebenfalls bis in den Dickdarm zur Raubtierfütterung schafft. Haferkleie enthält ordentlich von diesen beiden präbiotischen unverdaulichen Ballaststoffen, die im Darm für ein gutes Bakterienklima sorgen. Dazu hat die Oligofruktose die Fähigkeit durch die Fütterung der Bakterien die Durchlässigkeit der Darmwand zu vermindern und damit den Darm in seiner Barrierefunktion zu stabilisieren. Die Gesundheit eines Menschen sitzt im Darm. Denk daran, wenn du demnächst Haferkleie futterst.

Was drin ist, in der Haferkleie!

Die Arzneipflanze des Jahres 2017 war, ich fand es auch überraschend, der Hafer.

Aber nach allem, was ich bisher aufgeschrieben habe, wundert das jetzt nicht mehr. Neben den bereits benannten Vorteilen punktet das Superfood-Getreide, jetzt auch noch mit überragenden Inhaltsstoffen, insbesondere dann, wenn man zur gesunden Haferkleie greift.

Die Nährwerte von Haferkleie

100 Gramm Haferkleie haben 357 Kalorien

  • 48,4 g Kohlenhydrate
  • 8,6 g Fett
  • 15,1 g Protein

Neben den Makronährstoffen bietet die Haferkleie einen Nährstoffmix an Vitaminen und Mineralstoffen, mit dem kein anderes Getreideprodukt mithalten kann. Kalium, Magnesium, Eisen, Calcium, Zink, Eisen etc. und natürlich die ganze Klaviatur der Vitamine der B-Gruppe und das Vitamin E sind reichlich vorhanden.

Dazu bekommst du bei der Haferkleie noch hochwertiges Eiweiß frei Haus geliefert, was aus überwiegend essentiellen Aminosäuren besteht, die unser Körper nicht selbst aufbauen kann. Gerade wer sich fleischlos ernährt, kann seinen Eiweißbedarf, zumindest teilweise, aus Haferkleie bestreiten.

Auch Antioxidantien liefert die Haferkleie. Lange dachte man, dass Getreide da nicht wirklich etwas auf den Teller bringt. Verständlich, denn der Nachteil beim Weißmehl ist ja, das ein Großteil des antioxidativen Potentials in den äußeren Kornschichten liegt und das dann bei der Verarbeitung verloren geht. Das sieht dementsprechend bei der Haferkleie besser aus, denn die besteht ja größtenteils aus den wertvollen Randschichten und ein gesunder Darm schafft es auch, diese Antioxidantien zu lösen und dem Körper zur Verfügung zu stellen. Das in der Haferkleie enthaltene Avenanthramid aus der Gruppe der Polyphenole hilft dabei die Oxidation des LDL-Cholesterins zu verhindern und schützt so vor Ablagerungen in den Blutgefäßen. Haferkleie ist günstig für das Herz-Kreislaufsystem, auch wenn ich mich da jetzt mit dem Hinweis wiederhole und langsam öde werde.

Also, nicht ohne Grund gilt Hafer als das ernährungsphysiologisch wertvollste Getreide.

Dazu kommt noch ein weiterer Vorteil. Hafer(kleie) enthält von sich aus wenig Gluten und ist auch bei einer Weizensensitivität gut verträglich. Bei Zöliakie ist jedoch Vorsicht angesagt, denn Haferprodukte sind meist durch andere Getreidesorten verunreinigt. Da ist eben auch mal ein Haferfeld in der Nähe eines Weizenfeldes, und die Natur lässt sich nicht einsperren. Dazu werden in den meisten Getreidemühlen verschiedene Getreide verarbeitet und bei einem Zöliakie-Patienten machen bereits kleinste Kontaminationen schwerwiegende gesundheitliche Probleme. Da bitte kein Risiko eingehen und vorsichtig sein. Aus diesem Grund gibt es inzwischen auch nachweislich glutenfreie Haferprodukte extra für Patienten mit Glutenunverträglichkeit.

Was ich an Haferkleie mag.

Kommen wir zum angenehmen Teil. Haferkleie ist sensationell, was du jetzt sicher ebenfalls durch mein penetrantes Werben zur Kenntnis genommen hast. Aber das Beste ist doch, Haferkleie schmeckt auch noch sehr lecker. Besser als jede andere Getreideart, die ich kenne.

Juhuuuu, gesund und schmausig ist ganz mein Ding.

Auch was den Kaufpreis angeht, überzeugt die Haferkleie auf ganzer Linie. Im Vergleich zu Nussmehlen ist die Haferkleie nämlich sehr viel günstiger und dazu einfacher in der Beschaffung. Im Supermarkt, Biomarkt, Drogeriemarkt und natürlich auch über das Internet ist Haferkleie einfach verfügbar. Auch die längere Haltbarkeit und die unkomplizierteren Aufbewahrungsmöglichkeiten machen die Haferkleie zu einem Alltagsprodukt für wirklich jedermann.

Denn in der Küche ist Haferkleie total flexibel einsetzbar. Als Bestandteil von Müsli, Porridge, Frikadellen, Spätzle, Pizzateig, Brot und Brötchen, Kekse und Kuchen. Der Phantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Genug Anlass also, Haferkleie immer häufiger mit in den Speiseplan einzubauen. Und wenn du jemals den klebrigen Teig eines Haferkleie-Brötchens in Händen hattest, dann kannst du sicher nachvollziehen, dass dieser Kleister im Magen-Darm-Trakt eine besondere Wirkung hat und alles was ich oben geschrieben habe, eindrucksvoll an deinen Fingern klebt.

Jetzt aber ran an die Haferkleie. Viel Spaß damit und einen gesunden Hunger wünsche ich.

Rezeptideen mit Haferkleie

Aber ich denke, da geht noch viel mehr.

Du willst in Zukunft nichts mehr verpassen? Dann abonniere meinen Newsletter kostenlos per Mail.
Oder willst du mir lieber auf Facebook folgen? Hier geht es zur Happy-Carb-Facebook-Seite.

Werbung

Hinterlasse einen Kommentar

90 Kommentare auf "Haferkleie – Nicht sexy, aber dafür sehr gesund"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Deine Bilder.
Bitte keine Personenbilder und nur Bilder mit vorhandenen Urheberrechten hochladen (siehe Datenschutzerklärung).
 
 
Sortiert nach:   neuste | älteste
Camilla
Camilla

Ich finde die Namen deiner Rezepte wirklich herrlich 🙂

Barbara
Barbara

Hallo liebe Betti,
Lieben Dank für deine Antwort! Ich möchte Haferkleie dauerhaft in meine Ernährung einbauen da ich erheblich hohe Cholesterin-Werte habe ( 423 ) und ich muss sagen, sie schmecken mir auch sehr 😊 gut!! Außerdem muß ich an meiner Gewichtsabnahme arbeiten, 78kg bei einer Größe von 162cm.
Irgendwo habe ich ( glaube ich ) gelesen, das man zur Senkung des Cholesterinspiegels 2 x 40 g Haferkleie täglich essen sollte. Hat das einen besonderen Grund? Ich habe es immer so gehandhabt, das ich 1 x 80g Haferkleie mit Mandelmilch oder Haselnuss-Milch gegessen habe. Außerdem versuche ich so weit wie möglich Low Carb zu essen. Dank Deiner beiden Bücher , ich finde sie klasse, komme ich auch immer besser rein.
Nur mit dem abnehmen klappt es noch nicht……daher weiß ich nicht, ob täglich 80g Haferkleie zuviel ist ?
Liebe Grüße
Barbara

Barbara
Barbara

Ist Haferkleie eigentlich gleich zu setzen mit Haferflocken

Anna
Anna

Hallo Betti,
ich habe lange gegoogelt, aber nichts gefunden. Hast Du eine Idee (gerne auch eine Quelle/Link), wieviel KH man tatsächlich anrechnen müsste bei Haferkleie, also wieviel faktisch verstoffwechselt wird?
Ich ernähre mich ketogen und achte darauf, nicht mehr als 30 g KH am Tag zu essen. Mit den „normalen“ KH ginge Haferkleie natürlich nicht, aber da ja offenbar wesentlich weniger genutzt wird – gibt es da eine einigermaßen verlässliche Quelle?

Lieben Dank. 🙂

Anna

ohwielecker
ohwielecker

Ich kaufe meine Haferkleie bei Ro…mann, die schmeckt angenehm und ist nicht so teuer.
Am liebsten esse ich es mit Kokosraspel und ein löffel Honig mit Wasser oder Joghurt untergerührt.
Der Geschmack haut mich jeden morgen um :DDD

wpDiscuz