Haferkleie – Blutzucker, Cholesterin und Gewicht im Griff

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Haferkleie – Blutzucker, Cholesterin und Gewicht im Griff

Haferkleie! Superfood vom heimischen Acker. Lecker, vielseitig verwendbar und voller gesundheitlicher Vorteile.

Ich gebe zu, der Name Haferkleie klingt zugegebenermaßen erst mal total langweilig und wenig reizvoll. Bei dem Begriff Hafer fällt mir spontan ein futterndes, und dann schwer ackerndes Pferd ein, und bei Kleie, schießt mir das Stichwort „Verstopfung“ in den Kopf.

Beides Gedankenblitze, die kein wohltuendes Prickeln hervorrufen und Lust auf mehr erzeugen

Aber Haferkleie ist ein Lebensmittel, wo sich ein zweiter Blick wirklich lohnt. Das unscheinbare Äußere und der langweilige Name verstecken gekonnt einige toller Inhaltsstoffe und Wirkweisen, wegen derer es Sinn macht, es häufiger mit in den Speiseplan einzubauen.

Dazu finde ich es auch angenehm, ein heimisches Superfood auf dem Teller zu haben, was nicht um die halbe Welt geflogen ist und nicht in Asien oder Südamerika den Ursprung hat. Warum immer in die Ferne schweifen, wenn es auch ganz tolle heimische Lebensmittel gibt, die aber etwas altbacken anmuten und nicht so wirklich trendy sind. Es lohnt sich, diese Denke bei der Haferkleie hinter sich zu lassen und neu zu entdecken.

Was ist Haferkleie eigentlich?

Haferkleie besteht aus dem Keimling und den Randschichten des Haferkorns. Das klingt nach einem Abfallprodukt, aber in Wirklichkeit enthält die tolle Haferkleie einen Großteil der Vitamine (85%) und Mineralstoffe (80%) des Haferkorns und wie zu erwarten war, jede Menge gesunder Ballaststoffe. Wenn du Haferflocken und Haferkleie vom Ballaststoffgehalt her vergleicht, dann punktet die Haferkleie mit 50% mehr Ballaststoffen.

Der Punktsieg zwischen Haferkleie und Haferflocken geht also klar an die Haferkleie!

Lass uns einen Blick auf die enthaltenen Ballaststoffe werfen, wo wir gerade schon mal dabei sind. Denn die Haferkleie enthält nicht nur die nichtlöslichen Ballaststoffe (nicht verdauliche Füll- und Faserstoffe), die uns so gut satt machen, den Blutzuckeranstieg verzögern und für ein schönes regelmäßiges Häufchen sorgen. Nein, Haferkleie enthält auch noch jede Menge eines wasserlöslichen Ballaststoffes, nämlich das:

Beta-Glucan.

Und das hat es in sich…

Was das in der Haferkleie enthaltene Beta-Glucan für dich tun kann.

Das Beta-Glucan senkt deinen Cholesterinspiegel, indem es im Darm cholesterinhaltige Gallensäure bindet und ausscheidet. Dieser Umstand aktiviert wiederum die Neubildung von Gallensäure, die – wie du vielleicht weißt – aus Cholesterin in der Leber produziert wird. Durch die Neuproduktion von Gallensäure verbleibt somit weniger Cholesterin im Blut und in der Folge sinkt der Cholesterinspiegel.

Doppeltes Halleluja für alle Menschen, deren Arzt regelmäßig mit einem Cholesterinsenker droht.

Dabei profitiert besonders der Wert des „schlechten“ Cholesterins, also das LDL, was im Ruf steht Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen. Haferkleie essen ist demnach auch hilfreich bei der Vermeidung von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Ich erinnere da gerne an Hippokrates und seinen schlauen Spruch:

Eure Nahrung soll eure Medizin, und eure Medizin soll eure Nahrung sein“

Diabetiker profitieren von der gesunden Haferkleie ganz besonders.

Aber damit noch nicht genug. Die in der Haferkleie enthaltenen Ballaststoffe haben eine bremsende Wirkung auf den Blutzucker. Der Blutzucker geht nach dem Verzehr von Haferkleie nicht schnell in die Höhe, denn die Kohlenhydrate die im Blut ankommen, stolpern langsam hinein und kommen nicht raketenartig angeschossen. Die Gefahr von Blutzuckerspitzen ist damit reduziert und Schäden, die durch hohe Blutzuckerwerte entstehen könnten, werden wirksam vorgebeugt.

Es reicht immer noch nicht, denn die Haferkleie kann noch mehr. Das Beta-Glucan, also der wasserlösliche Ballaststoff in der Haferkleie, hat nämlich, in größerer Menge aufgenommen, sogar die Fähigkeit den Blutzuckerspiegel zu senken und in der Folge die notwendige Insulinantwort zu verbessern. Diesen Umstand verdanken wir dem kleisterartigen Nahrungsbrei (erhöhte Viskosität in Doktordeutsch), der langsamer durch den Verdauungsapparat geschleust wird und wenn er dann endlich im Darm angekommen, wird die gebildete Glucose – ja, auch aus den Kohlenhydraten der Haferkleie wird Glucose, also Traubenzucker – verzögert aufgenommen.

Die Kombination aus löslichen und nichtlöslichen Ballaststoffen ist also ein echtes Haferkleie-Dreamteam mit vielfältigen positiven gesundheitlichen Auswirkungen.

3-fach geadelt per Health-Claims-Verordnung

Wenn ein verzehrfertiges Lebensmittel gesundheitliche Vorteile für sich beanspruchen und vor allen Dingen öffentlichkeitswirksam bewerben will, dann braucht es dazu die Erlaubnis gemäß der EU-Verordnung zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben (Heath-Claims-Verordnung), die genau festlegt, unter welchen Voraussetzungen und ganz wichtig, mit welchen gesundheitlichen Vorteilen geworben werden darf.

Und für die Haferkleie gibt es seit 2012 direkt gleich 3 mögliche Health-Claims, die ich dir nicht vorenthalten will:

  • Beta-Glucane tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei
  • Die Aufnahme von Beta-Glucanen aus Hafer als Bestandteil einer Mahlzeit trägt dazu bei, dass der Blutzuckerspiegel nach der Mahlzeit weniger stark ansteigt
  • Haferkorn-Ballaststoffe tragen zur Erhöhung des Stuhlvolumens bei

Wie ich gelesen habe, ist ein weiterer Health-Claim beantragt, der von der zuständigen EU-Behörde geprüft wird. Da geht es dann mit der Blutzuckerwirkung nochmal einen Schritt weiter:

  • Der Verzehr von Beta-Glucanen aus Hafer als Teil einer Mahlzeit trägt zur Reduktion des Blutzuckerspiegels nach dem Essen bei

Wir können also gespannt sein, ob die EU-Behörde auch diesen gesundheitlichen Vorteil der Haferkleie amtlich macht. Aber selbst wenn nicht, ist die Haferkleie mit dem umfangreich enthaltenen Beta-Glucan ein echtes Superfood.

Wie viel Haferkleie braucht es denn nun, um die gesunde Wirkung wirklich zu entfalten?

Um von der Haferkleie in Sachen Cholesterin und Blutzucker zu profitieren, reicht es nicht einmal pro Woche ein Löffelchen Haferkleie in den Speiseplan zu integrieren. Nein, es braucht etwas mehr und ich will das auch gleich konkretisieren, damit du abschätzen kannst, in welchem Umfang du mehr Haferkleie-Gerichte in deinen Speiseplan einbauen willst:

Um die positiven Wirkungen auf das Cholesterin ausschöpfen zu können, bedarf es einer täglichen Aufnahme von 3 g Beta-Glucan aus Hafer. Diese 3 g Beta-Glucan Tagesdosis sind bereits in 40 g Haferkleie (3-4 Esslöffel) enthalten. Um die gleiche Menge Beta-Glucan in Form von Haferflocken auf den Tisch zu bekommen braucht es schon die doppelte Menge, nämlich 80 g Haferflocken. Da bewegen wir uns dann auch schnell im Rahmen der Low-Carb-Ernährung auf gefährlichem Terrain, denn 80 g Haferflocken bringen ordentliche 47 g Kohlenhydrate mit, und die 40 g Haferkleie im Gegenzug nur überschaubare 22 g Kohlenhydrate. Bei meinem maximalen Kohlenhydratbudget von 100 g pro Tag, ist doppelt klar, weshalb ich ein Fan der Haferkleie bin.

Eine Sache will ich noch ergänzen, denn es ist nicht zielführend, die 40 g Haferkleie bei einer Mahlzeit auf einen Schlag zu verzehren, sondern es wird empfohlen, dass Mahlzeiten optimalerweise 1 g Beta-Glucan enthalten sollen. Also falls jemand gezielt Haferkleie futtert, um den Cholesterinspiegel zu senken, sollte diese Person den Speiseplan entsprechend gestalten. Wenn mal Mahlzeiten anstehen ohne Haferkleie, dann einfach einen Esslöffel Haferkleie in ausreichend Wasser anrühren und dies dann direkt vor der Mahlzeit trinken. Nicht schön, aber erfüllt seinen Zweck.

Um die positiven Wirkungen auf den Blutzucker nutzen zu können, braucht es etwas mehr Beta-Glucan, denn die Vorgabe, die ich gefunden habe, liegt bei 4 g pro Tag. Den blutzuckerbegünstigenden Health-Claim dürfen übrigens nur Lebensmittel verwenden, die mindestens 4 g Beta-Glucan aus Hafer pro 30 g verfügbare Kohlenhydrate in der angegebenen Portion enthalten. Was Haferkleie ohne Probleme erfüllt. Dazu müssen die Verbraucher jedoch unterrichtet werden, dass sich die positive Wirkung einstellt, wenn Beta-Glucane als Bestandteil einer Mahlzeit aufgenommen werden.

Das klingt doch so richtig EU-beamtendeutsch, aber sei es drum.

Ich sehe das nicht päpstlicher als der Papst. Denn selbst wenn man die Verzehrvorgaben nicht immer erreicht, wirkt jede Mahlzeit mit Haferkleie positiv auf Cholesterin und Blutzucker. Und schmecken tut es dazu. Also weg mit dem Perfektionismus und einfach rein ins Haferkleie-Schlaraffenland. Nicht nur die gesundheitlichen Vorteile im Blick behalten, sondern vergiss bitte nie den Genuss.

Haferkleie ist für Low Carb und die schlanke Linie so interessant!

Die moderaten Auswirkungen auf den Blutzucker und der daraus resultierende geringe Insulinausstoß führt dazu, dass die Haferkleie in der Low-Carb-Küche weit verbreitet und gerne gesehen ist.

Lass uns nochmal einen kurz Blick darauf werfen, was die Haferkleie da in unserem Bauch anstellt. Wenn wir Haferkleie essen, tun wir dies ja nie alleine. Egal wie gesund die Haferkleie ist, wenn du mal einen Esslöffel trockene Haferkleie im Mund hattest, dann weißt du, dass das keine gute Idee ist.

Also der erste Vorteil ist, dass sich das Beta-Glucan im Magen mit anderen Nahrungsmitteln verbindet und es so zu einer verzögerten Magenentleerung kommt. Das macht schon mal länger satt und einen wohlig gefüllten Bauch für einige Stunden.

Das freut gefräßige Menschen wie mich ehrlicherweise ungemein.

Dann entwickelt sich im Verdauungsprozess ein geleeartiger Nahrungsbrei, von dem nicht alle Bestandteile im Darm aufgenommen werden können. Diese teilweise Resorption (Verwertung) führt dazu, dass ein Teil der Nahrungsbestandteile – nicht zu vergessen das gebundene Cholesterin – einfach so ausgeschieden wird. Es ist nur logisch, dass alles was unverwertet aus unserem Körper herauswandert, unseren Blutzucker nicht erhöht und uns nicht dick macht. So verschwinden Kalorien nämlich ganz praktisch in der Kloschüssel und den Blutzucker und die Figur freut es.

Wenn du dich jetzt verrückt machst, weil da auch einige Nährstoffe ausgeschie… werden, dann mach dich locker. Bei einer nährstoffreichen und gut zusammengesetzten Ernährung bleibt dem Körper immer noch genug übrig und ein Nährstoffdefizit ist nicht zu erwarten.

Die Haferkleie hat durch diesen Umstand, trotz des eigentlich sehr hohen Kohlenhydratanteils auf dem Papier von etwa 50 g, laut meiner Internetrecherche lediglich einen Glykämischen Index von nur 15 (Montignac). Das entspricht übrigens dem gleichen Glykämischen Index, wie dem von Weizenkleie oder Dinkelkleie, die aber beide interessanterweise nur etwa 18 g Kohlenhydrate auf 100 g haben. Für den recherchierten GI der Haferkleie würde ich zwar jetzt nicht die Hand ins Feuer legen, aber wer nach einer Mahlzeit mit Haferkleie mal den Blutzucker misst, wird überrascht sein, wie wenig sich da bewegt.

Und das soll Low Carb sein?

Low Carb hat viele unterschiedliche Variationen, die sich jeweils in der Zufuhr der Kohlenhydrate unterscheiden. Für alle moderaten Low-Carb-Formen, die Getreide nicht kategorisch ausschließen, passt die Haferkleie perfekt in den Speiseplan. Eher strenge Low-Carb-Varianten, wie die ketogene Ernährung oder auch streng LCHF, bieten keinen Platz für Haferkleie, da die enthaltenen Kohlenhydrate zu umfangreich sind und der Verzehr den gewünschten Stoffwechselzustand der Ketose gefährden würde.

Also, Haferkleie kann Low Carb sein, kann es eben auch nicht. Das zur Info, falls du mal in eine entsprechende Diskussion schlitterst und etwas mit Verstand dazu sagen willst.

Wo wir gerade schon bei „Schlank mit Haferkleie“ sind. Denn die nichtlöslichen Ballaststoffe in der Haferkleie sättigen unglaublich gut. Die Haferkleie verfügt über ein tolles Quellvermögen. So bekommst du mit wenig Einsatz den Bauch schön voll und bleibst lange satt. Echte Schlankheitskost! Wichtig ist dabei: Immer schön viel zur Haferkleie trinken, denn es braucht Flüssigkeit um die Haferkleie im Bauch quellen zu lassen. Dann kann sie ihren gesundheitlichen Zauber voll entfalten.

Haferkleie freut den Darm.

Darm ist im Trend. Jahrelang ignoriert, wurde aus dem wichtigen Organ ein Gesprächsthema für die Mittagspause und das ist doch prima so. Und Haferkleie tut dem Darm richtig gut. Neben den nichtlöslichen Ballaststoffen, die für einen regelmäßigen Stuhlgang sorgen, gibt es nämlich noch eine Reihe von Bestandteilen, die ich als gesundes Darmfutter titulieren möchte. Unser Darm braucht gutes Futter, damit sich in ihm die guten und gesunden Darmbakterien ausbreiten und vermehren können. Jede Mahlzeit verändert die Darmflora und mit regelmäßig etwas Haferkleie dabei, tust du schon viel zur Gesundhaltung deines Darms.

Als erstes präbiotisches Darmfutter enthält die Haferkleie einen guten Teil resistente Stärke. Die heißt so, weil sie der Verdauung in den oberen Darmabschnitten gut widerstehen kann und dann als Bakterienfutter im Dickdarm zur Verfügung steht. Resistente Stärke in Lebensmitteln reduziert die Blutzuckerwirkung, denn der besondere Ballaststoff ist nicht zur Glukosegewinnung verwertbar und erfreut im Gegenzug die fleißigen Helfer im Darm.

Als zweites Darmfutter aus der Haferkleie will ich noch die Oligofruktose benennen, die es ebenfalls bis in den Dickdarm zur Raubtierfütterung schafft. Haferkleie enthält ordentlich von diesen beiden präbiotischen unverdaulichen Ballaststoffen, die im Darm für ein gutes Bakterienklima sorgen. Dazu hat die Oligofruktose die Fähigkeit durch die Fütterung der Bakterien die Durchlässigkeit der Darmwand zu vermindern und damit den Darm in seiner Barrierefunktion zu stabilisieren. Die Gesundheit eines Menschen sitzt im Darm. Denk daran, wenn du demnächst Haferkleie futterst.

Was drin ist, in der Haferkleie!

Die Arzneipflanze des Jahres 2017 war, ich fand es auch überraschend, der Hafer.

Aber nach allem, was ich bisher aufgeschrieben habe, wundert das jetzt nicht mehr. Neben den bereits benannten Vorteilen punktet das Superfood-Getreide, jetzt auch noch mit überragenden Inhaltsstoffen, insbesondere dann, wenn man zur gesunden Haferkleie greift.

Die Nährwerte von Haferkleie

100 Gramm Haferkleie haben 357 Kilokalorien

  • 48,4 g Kohlenhydrate
  • 8,6 g Fett
  • 15,1 g Protein

Neben den Makronährstoffen bietet die Haferkleie einen Mikronährstoffmix an Vitaminen und Mineralstoffen, mit dem kein anderes Getreideprodukt mithalten kann. Kalium, viel Magnesium, Eisen, Calcium, Zink, Mangan etc. und natürlich die ganze Klaviatur der Vitamine der B-Gruppe und das wichtige Vitamin E sind reichlich vorhanden.

Dazu bekommst du bei der Haferkleie noch hochwertiges Eiweiß frei Haus geliefert, was aus überwiegend essentiellen Aminosäuren besteht, die unser Körper nicht selbst aufbauen kann. Im Vergleich zu anderen Getreiden punktet Hafer mit dem Gehalt an Lysin, wo Hafer bei der essentiellen Aminosäure unter Getreiden ein Alleinstellungsmerkmal hat. Gerade wer sich fleischlos ernährt, kann seinen Eiweißbedarf, zumindest teilweise, auch aus Haferkleie bestreiten.

Für ein Getreide enthält Hafer überdurchschnittlich viel Fett. Ich bin ja mit der Pferdefütterung eingestiegen, und es ist so, dass Pferde, die körperlich etwas leisten müssen, als Kraftfutter Hafer erhalten. Hafer ist ein echter Energiespender und gerade als Basis für sportliche Aktivitäten, eine tolle und nährende Basis. Nicht nur für Pferde! Das Fett des Hafers ist übrigens ein Öl, was zu 70% aus ungesättigten Fettsäuren (40% Linolsäure) besteht und damit einen wertvollen Beitrag zur Ernährung leistet.

Auch Antioxidantien liefert die Haferkleie. Lange dachte man, dass Getreide da nicht wirklich etwas auf den Teller bringt. Verständlich, denn der Nachteil beim Weißmehl ist ja, das ein Großteil des antioxidativen Potentials in den äußeren Kornschichten liegt und das dann bei der Verarbeitung verloren geht. Das sieht dementsprechend bei der Haferkleie besser aus, denn die besteht ja größtenteils aus den wertvollen Randschichten und ein gesunder Darm schafft es auch, diese Antioxidantien zu lösen und dem Körper zur Verfügung zu stellen. Das in der Haferkleie enthaltene Avenanthramid aus der Gruppe der Polyphenole hilft dabei die Oxidation des LDL-Cholesterins zu verhindern und schützt so vor Ablagerungen in den Blutgefäßen. Haferkleie ist günstig für das Herz-Kreislaufsystem, auch wenn ich mich da jetzt mit dem Hinweis wiederhole und langsam öde werde.

Also, nicht ohne Grund gilt Hafer als das ernährungsphysiologisch wertvollste Getreide.

Dazu kommt noch ein weiterer Vorteil. Hafer(kleie) enthält von sich aus wenig Gluten und ist auch bei einer Weizensensitivität gut verträglich. Bei Zöliakie ist jedoch Vorsicht angesagt, denn Haferprodukte sind meist durch andere Getreidesorten verunreinigt. Da ist eben auch mal ein Haferfeld in der Nähe eines Weizenfeldes, und die Natur lässt sich nicht einsperren. Dazu werden in den meisten Getreidemühlen verschiedene Getreide verarbeitet und bei einem Zöliakie-Patienten machen bereits kleinste Kontaminationen schwerwiegende gesundheitliche Probleme. Da bitte kein Risiko eingehen und vorsichtig sein. Aus diesem Grund gibt es inzwischen auch nachweislich glutenfreie Haferprodukte extra für Patienten mit Glutenunverträglichkeit.

Was ich an Haferkleie mag.

Kommen wir zum angenehmen Teil. Haferkleie ist sensationell, was du jetzt sicher ebenfalls durch mein penetrantes Werben zur Kenntnis genommen hast. Aber das Beste ist doch, Haferkleie schmeckt auch noch sehr lecker. Besser als jede andere Getreideart, die ich kenne.

Juhuuuu, gesund und schmausig ist ganz mein Ding.

Auch was den Kaufpreis angeht, überzeugt die Haferkleie auf ganzer Linie. Im Vergleich zu Nussmehlen ist die Haferkleie nämlich sehr viel günstiger und dazu einfacher in der Beschaffung. Im Supermarkt, Biomarkt, Drogeriemarkt und natürlich auch über das Internet ist Haferkleie einfach verfügbar. Auch die längere Haltbarkeit und die unkomplizierteren Aufbewahrungsmöglichkeiten machen die Haferkleie zu einem Alltagsprodukt.

In der Küche ist die Haferkleie total flexibel einsetzbar. Als Bestandteil von Müsli, Porridge, Frikadellen, Spätzle, Pizzateig, Brot und Brötchen, Kekse und Kuchen. Der Phantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. Egal ob Frühstück, Mittagessen oder Abendessen. Ideen gibt es jede Menge, du musst nur loslegen.

Und wenn du jemals den klebrigen Teig eines Haferkleie-Brötchens in Händen hattest, dann kannst du sicher nachvollziehen, dass dieser Kleister im Magen-Darm-Trakt eine besondere Wirkung hat und alles was ich oben geschrieben habe, eindrucksvoll an deinen Fingern klebt. Da schließe ich direkt den kleinen aber wertvollen Tipp an: Haferkleie-Teige lassen sich mit nassen Händen besser formen.

Jetzt aber ran an die Haferkleie. Viel Spaß damit und einen gesunden Hunger wünsche ich.

Rezeptideen mit Haferkleie

 

Aber ich denke, da geht noch viel mehr.

Viele weitere leckere Rezeptideen findest du in meinem Buch Happy Carb to go.
Buch Happy Carb to go
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Petra W.
Petra W.

Hallo Betti,
ich stelle meine Frage mal hier.

Ich möchte gern ein LC-Brot für meine Nichte backen, die am leaky gut-Syndrom leidet. Dafür kaufe ich dann besser glutenfreie Haferkleie, nicht? Sind die Backeigenschaften aber gleichzusetzen mit der „normalen“?
Oder sollte ich lieber ein Brot ganz ohne Haferkleie wählen?

Viele Grüße
Petra

Roland
Roland

Hallo liebe Betti,
super, dass Du den Artikel über die tolle Haferkleie wieder mal nach oben gezogen hast und dann noch gleich noch sinnvoll ergänzt. Und ja, ich kann bestätigen, dass die BZ-Reaktion nach einem lecker fruchtigen Haferkleie-Müsli mit nicht zu zuckerhaltigen Beeren wie z.B. Himbeeren absolut moderat ist.
Kleiner Schwank: Ich bin kürzlich beim schwimmen (hab ich schon erwähnt, dass ich ein großer Schwimmer bin, jetzt so im Sommer ? – Esther Williams ist nix gegen mich) fast untergegangen, als meine Begleitung Andrea (die inzwischen 40 kg abgenommen hat, aber mit einer anderen Methode.. so langsam fängt sie aber an, hier auch mal nachzulesen) gefragt hat, ob ich die Haferkleie denn trocken esse und das Obst dazu *hehe*.
Irgendwer hat in einem Kommentar übrigens mal gefragt, welche Art von Kleie Du benützt.. es gibt tatsächlich bei uns im Drogeriemarkt eine feine und eine eher mittelgrobe Haferkleie. Duncan, der ja auch ein Verfechter der Haferkleie ist, schreibt dass die gesundheitlichen Vorteile bei einer bestimmten Größe der Kleie am besten sind – woher er das hat und ob es dafür Belege gibt, keine Ahnung ?
Ich überlege mir vor dem Einsatz immer, was ich bezüglich der Konsistenz bezwecken will, bei eher „feinen“ Dingen nehme ich die ganz kleine, bei Brot mische ich z.B. auch gerne.
Und unbedingt die Hände nass machen, gut dass Du das nochmal erwähnt hast. Ich hab ja schon mal vom unvergesslichen Erlebnis berichtet, als ich mit Haferkleieteig an den Händen versucht habe, ans Telefon zu gehen. Meine nächste Spülmaschine wird übrigens wieder eine mit Besteckkorb… aus der oberen Besteckschublade tropft die Kleide herrlich von den Löffeln nach unten und verbindet sich dann wie Zement mit dem darunter stehenden Porzellan. Das hat zur Folge, dass ich jetzt, bevor ich das benützte, mit Haferkleie verklebte Besteck in die Spülmaschine einräume, dieses erstmal vorher reinige. Wie sagt man hier bei mir im Ort ? Tolle Wurst…
Eine sonniges Wochenende und liebe Grüße!
Roland

Sandra Möllendorf
Sandra Möllendorf

Guten Morgen liebe Betty, dank Dir habe auch ich nun immer Haferkleie im Hause, und ab und an, wenn ich mal ganz faul bin und kein Frühstück machen will, dann mische ich 200ml Milch mit Haferkleie und Eiweißpulver Vanille, bissel Kurkuma rein und ab in Mixer, dann schön in die Flasche umfüllen und mit zur Arbeit nehmen. Sättigt auch ne Weile 🙂

Gabi
Gabi

Hallo Betti,
wieder ein sehr schöner Artikel. Bin wieder etwas schlauer geworden 😉. Ich liebe Haferkleie 💖 – im Backwerk oder nur im Milch gerührt. Also ein großer Daumen hoch 👍🏻👍🏻👍🏻
LG
Gabi

Susanne
Susanne

Liebe Betti,

kennst du die Haferkleie-Fleks von Kölln?
Ich kenn mich da ja leider gar nicht aus, aber da ich ja Haferkleie für allerlei Backwerk verwende, dürfen es da auch mal ein paar der Dinger im Müsli sein? Das Knuspert so schön :o) – und mit all dem anderen Knusperzeug wie Chia, Kokoschips, Kakaonibs etc. kann ich mich nicht so recht anfreunden^^

Liebe Grüße,
Susanne