Diabetes Typ 2 nicht mit mir

Diagnose Diabetes-Typ-2! Was nun?

Schock. Vom Arzt die Mitteilung zu bekommen, dass die chronische Krankheit Diabetes-Typ-2 vorliegt, ist wie ein Schlag mit der dicken Keule, der einen unerwartet von hinten KO haut und man hofft zu erwachen mit der Erkenntnis, dass alles nur ein böser Traum war.

Betti

Betti

Mich hat die Diagnose als Zufallsbefund ereilt, denn ich war aus anderem Grund in einer Rehaeinrichtung, als mich der Eingangscheck der Klinik auf den Boden der Tatsachen warf. Wie ich mit der Krankheit umgegangen bin, also meinen Weg ohne Medikamente, kannst du etwas später mehr lesen. Erst einmal will ich einige generelle Dinge zum Thema sagen, die dir etwas Druck aus der Leitung nehmen sollen.

Sei dankbar, denn du weißt, dass du Diabetes hast.

Diabetes ist ein lautloser Killer und ganz viele Menschen unter uns haben keine Ahnung, welche Zeitbombe da im Körper schlummert. Etwa 2 Millionen unentdeckte Typ-2-Diabetiker sind da draußen, die nicht wie du die Chance haben sich der Krankheit zu stellen, sei es über eine Anpassung der Lebensweise/Ernährung oder eine Versorgung mit blutzuckersenkenden Medikamenten. Die ungesundeste Art Diabetes zu haben ist die, es nicht zu wissen. Du bist da also einen wichtigen Schritt voraus, auch wenn das erst einmal schmerzlich ist.

Nimm die Krankheit an und hadere nicht mit dir selbst.

Über die eigene Schuld denkt jeder Diabetiker früher oder später nach. Was glaubst du, was ich mir für Vorwürfe gemacht habe, weil ich über viele Jahre Raubbau mit mir und meinem Körper betrieben habe. Alle klassischen begünstigenden Faktoren habe ich in vollem Umfang abgeräumt.

  • Viel zu dick
  • Wenig Bewegung
  • Sehr kohlenhydratreiche und zuckerlastige Ernährung
  • Und dazu das Sahnehäubchen, eine familiäre Vorbelastung

Gleichzeitig ist es aber auch so, dass auch sehr schlanke Menschen Typ-2-Diabetes bekommen können und ich kenne sehr viele übergewichtige Menschen mit gesunden Blutzuckerwerten. Also, sich mit Schuld aufzuhalten, ist nicht wirklich zielführend. Lass es. Es sei denn, du hast eine Zeitmaschine irgendwo bei dir stehen und kannst nochmal viele Jahre in die Vergangenheit reisen und die eine oder andere Weiche anders stellen.

Gestern ist vorbei. Ab jetzt zählt es doppelt.

Worauf du Einfluss nehmen kannst, ist das, was du ab sofort machst, denn damit beeinflusst du ganz signifikant die Entwicklung deiner Erkrankung. Du kannst dein Leben so gestalten, dass die Diabetes Erkrankung zügig voranschreitet oder du kannst die Bremse reinhauen und den Diabetes-Typ-2 in die Schranken weisen. Bitte jetzt nicht sagen: Oooooch, ist doch nur ein wenig Zucker. Haben doch so viele und ist nicht schlimm. Diabetes ist eine, in der Bevölkerung krass unterschätze Erkrankung und bringt nachweislich Menschen um. Also, nicht Kille-Kille-Kuschelzucker, sondern ein gemeiner und gefährlicher Killer hat sich an deine Fersen geheftet.

Hoher Blutzucker tut nicht weh, und wenn es weh tut, dann ist es häufig zu spät und es haben sich bereits irreparable Schäden eingestellt. Also bitte die Erkrankung ernst nehmen. Blutzuckerzickzack und häufig zu hohe Blutzuckerwerte schädigen die großen und kleine Blutgefäße in unserem Körper. Im großen Finale der Diabetes-Folgeerkrankungen bedeutet das: Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung, Amputationen, Nierenversagen. Natürlich ist der Weg dahin weit und das sind die Worst-Case-Szenarien, aber glaub mir, die Zwischenstationen machen auch nur wenig Spaß. Eine gute Bekannte arbeitet in einer Dialyseeinrichtung, und wie sie mir berichtet hat, ist ein nicht unerheblicher Teil ihrer Patienten Diabetiker, die in der Folge ihrer Erkrankung mit kaputten Nieren zu kämpfen haben. Auch ein wirklich ergreifendes Mail möchte ich erwähnen, wo ein langjähriger Diabetiker sich gewünscht hat, ich hätte ihn doch schon vor 20 Jahren aufrütteln sollen, denn dann würde er jetzt nicht Teile seines Fußes verlieren. Gut, jetzt nicht dramatisieren, aber sich bitte bewusst machen, dass da im Körper etwas abläuft, was nicht ignoriert werden darf.

Womit haben wir Diabetes-Typ-2 Patienten es überhaupt zu tun.

Um zu verstehen, was die logische Schlussfolgerung für die Zukunft sein muss und um auch das, was Ärzte und Diabetesberater berichten besser einordnen zu können, braucht es einige grundlegende Informationen.

Wenn du an einer manifesten Typ-2-Diabetes-Erkrankung leidest, dann hast du in der Regel ein zweifaches Problem. Eins heißt Insulinresistenz. Das bedeutet, das vorhandene Insulin schafft es nicht, den im Blut befindlichen Zucker in die Zellen zu schleusen. Das Problem ist, dass die Körperzellen weniger empfindlich reagieren auf das Insulin. Besonders die Muskulatur, die Leber und das Fettgewebe zieren sich und wenn der Zucker aus dem Blut nicht in den Zellen verschwinden kann, steigt der Blutzuckerspiegel ungesund an. Dieser Prozess der Insulinresistenz ist ein eher langwieriger und ist schon lange da, bevor eine Diabetes-Typ-2 Erkrankung festgestellt wird.

Das führt mich direkt zum zweiten Problem, was im Rahmen der manifestierten Diabetes-Typ-2-Erkrankung auftaucht. Unsere Bauchspeicheldrüse produziert in den Langerhanssche Inseln das körpereigene und überlebenswichtige Insulin. Durch die Insulinresistenz steigt der Blutzuckerspiegel an und die Bauchspeicheldrüse schickt mehr Insulin ins Rennen um diesen ungesunden Zustand zu beheben. Unser Körper weiß ja, das hohe Blutzuckerwerte schlecht für ihn sind und große Schäden zu erwarten sind. Also strengt sich die Bauchspeicheldrüse an und arbeitet wie ein Berserker, um die Gefahr zu minimieren. Aber in unserer modernen Ernährung kippen wir sehr viele Kohlenhydrate in uns hinein. Ob Brot, Brötchen, Nudeln, Kartoffeln, Pasta, Reis, Limonaden, Süßigkeiten. Da bricht in einem insulinresistenten Stoffwechsel Dauerpanik aus, denn in der Verzweiflung versucht der Körper das Problem, mit immer höherer Produktion an Insulin zu lösen.

Ein fataler Zustand und der Anfang vom Ende.

Was passiert mit einer Maschine, die permanent auf Höchststufe läuft? Genau, die geht kaputt und fängt an zu streiken. Genau das passiert mit der Bauchspeicheldrüse, denn unter dem Dauerbetrieb und vor Erschöpfung stellen die Zellen nach und nach die Produktion von Insulin ein. Die Blutzuckerwerte steigen in der Folge dauerhaft in ungesunde Höhen an und voilá, Diabetes-Typ-2 ist da. Natürlich passiert das nicht von heute auf morgen, aber je nachdem, wie lange du schon unerkannt Diabestes hast, sind noch mehr oder eben auch weniger aktive, also noch Insulin produzierende Zellen da. Im Gegensatz zur Diabetes-Typ-1-Erkrankung (Autoimmunerkrankung mit Totalausfall der Insulinproduktion) sind diese Zellen aber nicht tot, sondern ich sage immer, die sind ins tiefe Koma gefallen. Leider ist es aber bisher nicht möglich, diese komatösen Zellen wiederzuerwecken, auch wenn die Wissenschaft intensiv daran arbeitet. Kein Medikament oder eine andere Option schafft es, nicht mehr funktionsfähige Inselzellen zu reaktivieren. So viel zum Thema Heilung und Diabetes, was häufig im Raume herumgeistert.

So weit sind wir noch nicht und auch ich habe meine Diabetes-Erkrankung nicht geheilt. Aber ich habe eine für mich gesunde und wenig einschränkende Co-Existenz gefunden, mit im Ergebnis stoffwechselgesunden Werten, bei maximaler Lebensqualität und echt leckerem Essen.

Diabetes-Typ-2 – nicht mit mir!

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Wenn du mal verstanden hast, was das Problem ist. Nämlich, dass du zum einen, mit den restlichen aktiven Inselzellen nicht mehr genug Insulin produzieren kannst und zum anderen, deine Körperzellen auch noch störrisch sind und es dem Insulin schwer machen die Zellentüren zu öffnen, um den Blutzucker da hineinzuschaffen, dann ist der logische Schluss doch ganz einfach.

Iss nur noch so viele Kohlenhydrate, wie dein Stoffwechsel vertragen kann und schaffe Voraussetzungen, damit deine Körperzellen wieder besser auf das vorhandene Insulin reagieren. Dazu gehört dann eben auch, dass das Körpergewicht auf ein gesundes Maß gebracht wird – und da rede ich nicht von einem Modell Hungerhaken – und natürlich mehr Bewegung, was die Körperzellen ebenfalls empfänglicher macht für das knappe Insulin.

Auf diesem zweigleisigen Weg ist es mir gelungen, nach meiner Diagnose mit einem Langzeitwert von 9.2 und anfänglicher Medikamenteneinnahme, heute, meine Krankheit ohne Tabletten oder Insulin, auf einem gesunden Niveau halten zu können, und dazu der ganze Stress des dauernden Blutzuckermessens für mich ein Gespenst der Vergangenheit ist.

Was sonst noch wichtig ist.

Such dir einen Arzt des Vertrauens. Es gibt nicht nur einen Weg mit Diabetes umzugehen und es braucht eine gute Unterstützung, gerade wenn du dich der Krankheit beherzt entgegenstellen willst.

Mach unbedingt eine Diabetes-Schulung, denn Wissen ist Macht. Nur glaube nicht allem, was da erzählt wird. Die Empfehlungen, was die Ernährung für Diabetiker angehen verändern sich gerade grundlegend. Wurden Diabetiker früher förmlich mit Kohlenhydraten gefüttert und angehalten, zu jeder Mahlzeit davon zu verzehren, wandelt sich das Blatt und die neusten Pamphlete der Schulungsunterlagen für Diabetiker sind da zurückhaltender und empfehlen sogar Low Carb als geeignete Ernährungsform. Selbst das Nahrungsfett, was jahrzehntelang als Übeltäter und Dickmacher verschrien war, ist inzwischen rehabilitiert. Fettarm für Diabetiker war gestern. Nur bis sich das bis zur letzten Diabetesberaterin durchgesprochen hat, wird wahrscheinlich lange dauern. Daher immer das eigene Hirn eingeschalten lassen und nicht wegnicken, in der so wichtigen Schulung für Diabetiker.

Nimm die zur Verfügung stehenden Untersuchungstermine regelmäßig wahr. Als Diabetiker ist man häufiger beim Arzt, als einem lieb ist. Ich kenne das und mag das nicht, aber es ist wichtig. Die quartalsweise Untersuchung des Langzeitzeitwertes, Augenuntersuchung, Kontrolle der Füße, Blutbild etc.. Die Möglichkeiten sind alle gegeben und es ist gut, diese zu nutzen. Da weiß man dann auch immer, wo man gerade steht und ob der Weg noch der richtige ist.

Diabetes als Weckruf nutzen und das Leben wertvoller machen.

Die Diagnose Diabetes-Typ-2 bietet auch richtig tolle Chancen. Die Prioritäten verschieben sich, wenn man es denn zulässt und auch gerne möchte. Gesünder leben, mehr Bewegung und blutzuckerschonende Küche wirken auf den ersten Blick als Einschränkung oder werden als Anstrengung wahrgenommen. Aber dem ist nicht so, und dazu gibt es ja auch viel mehr zurück. Es ist eben nur so, dass du erst mal in Vorlage gehen musst, um die Saat später zu ernten.

Gesundheit ist allererste Lebensqualität, oder willst du nicht auch ohne Diabetes-Folgererkrankungen gesund und fit alt werden? Die Grundlage das hinzubekommen, kannst du ab heute an jedem weiteren Tag deines Lebens legen. Und bitte keine Angst, dass jetzt auf einmal Schmalhans der Küchenmeister wird, denn mit dem Drehen an einigen Stellschraube wirst du besser essen als jemals zuvor, nur eben mit dem Ergebnis, dass deine Blutzuckerwerte dir signalisieren werden, dass es gut ist, was du da tust. Der Erfolg ist messbar, dieses Feedback habe ich inzwischen von ganz vielen Leser/innen erhalten und bin nicht mehr nur auf meine eigenen Erfahrungen angewiesen.

Mehr über meine persönliche Erfahrung im Umgang mit der Krankheit findest du hier im Blog und in meinem Diabetes-Buch.

Betti

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4 Kommentare auf "Diagnose Diabetes-Typ-2! Was nun?"

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birgit
birgit

Hallo Betty!
Ich lese hier schon eine zeitlang und 2 Bücher habe ich auch schon. Kann mich kaum entscheiden, welches Rezept ich nun nachkoche. Ich mag gern deine flüssige Schreibe, liest sich locker!
Ach ja, es geht gar nicht um mich sondern um meinen GöGa. Er hat schon seit Jahren einen erhöhten Blutzuckerwert, Schwankend zwischen 5,9 bis 7,3, vierteljährliche Messung. Es gibt zuviel außer Haus und Urlaubs Gelegenheiten, welche die Schankungen ausmachen.
Zu Hause sind wir schon konsequent. Die Mittagsrezepte übernehme ich, alles schmeckt und ist super.
Aber das Abendessen gestaltet sich so schwierig. Scheibe Brot mit Käse, der deutche Standard, taucht bei dir nie auf. Kochst du denn am Abend tatsächlich auch Suppen und Aufläufe wie unter den Abendessenrezepten zu finden?
Mein Mann haut sich ein Stück Käse rein, dazu noch ein Stück Paprika, Gurke oder Kohlrabi auf die Hand und fertig ist (isst) er. Kann das denn gesund sein? Ist das vielleicht kontraproduktiv, Schuld an den Schwankungen?
Aber abends auch noch kochen, ich schaff das nicht.
Die Ausnahmen in Hotels: Wir bestellen schon meist Fisch/ Fleisch und Salat. Aber in Italien gibt’s leckere Pasta, die verlocken. Brot zur Suppe.
Irgendwie fühlt man sich allein und wenn ich deine Seite lese bin ich motiviert, aber überfordert zu starten.
Ist eigentlich etwas gegen ein Weinchen am Abend zu sagen? Also am Wochenende?
Ach, irgendwie hätte ich jetzt gern einen Arm um meine Schulter und einen Kurs zum Starten.
Lieben Gruß birgit