Hochsensibel durchs Leben

Tagebuch

Hochsensibel durchs Leben

„Bin ich sonderbar?“, beschäftigte mich lange, bis ich mich mit dem Thema „Hochsensibilität“ befasst habe.

Ach ja, wo fange ich an. Gleich schon ein Problem, was ich als hochsensible Person immer wieder habe. Ein Thema liegt mir am Herzen und ich habe mich sehr umfassend und tiefgehend damit beschäftigt. Es brodelt regelrecht, alles was da an Informationen aufgestaut ist, endlich rauszulassen und dann kommt Angst auf, dass ich dem Anspruch, der sich innerlich entwickelt hat, nicht gerecht werden kann. Unmöglich. Wie sicherstellen, dass ich nichts vergesse, wie den Beitrag so schreiben, dass meine Leser/innen alles verstehen und nicht denken, was die arme Irre da eigentlich für einen Unsinn verzapft hat?

Den übersprudelnden Kopf sortieren macht mir immer wieder Probleme, weil einfach viel zu viel Zeug geordnet werden muss. Dazu der Wunsch, alles bis in kleinste Detail perfekt zu machen mit dem Gefühl, dem eigenen Anspruch nie gerecht werden zu können.

Erschöpfung ist das Ergebnis dieses Prozesses und der Grund darin, liegt in mir.

Das Thema Hochsensibilität beschäftigt mich schon länger. Mein erstes Buch zum Thema Wenn die Haut zu dünn ist: Hochsensibilität – vom Manko zum Plus von Rolf Sellin habe ich bereits im Januar 2012 gekauft – wie schön, dass man das auf Amazon noch angezeigt bekommt – um damals meiner gefühlten Andersartigkeit auf den Grund zu gehen. Ich hatte keinen Leidensdruck – fühlte mich also nicht schlecht – und doch war das Bedürfnis da, dieses Gefühl irgendwie einordnen zu wollen.

Schon als ich noch keinen Namen für meine überdurchschnittliche Empfindsamkeit und Wahrnehmung hatte, wusste ich, oder der Umstand wurde auch von Menschen um mich rum bemerkt, dass meine Antennen sehr scharf auf Empfang gestellt sind. Ich nehme Dinge und Schwingungen wahr, die an vielen anderen Menschen unbemerkt vorbeigleiten. Von der Menge an Reizen, fühle ich mich häufig regelrecht überwältigt und je nach Umfang und Intensität der Signale die auf mich einströmen, auch schnell überfordert und anschließend erschöpft, was nicht selten zum Rückzug in meine eigene überschaubare innere Welt führt. Dieser Umstand führte dazu, dass ich mich früher selbst immer für wenig belastbar, unflexibel und auch introvertiert gehalten habe. Etwas schräg und anders halt, was kein schönes Gefühl ist.

Etwas später werde ich das auch in Beispielen erklären.

Gelegentlich wird hochsensibel zu sein als Gabe tituliert, was immer so nach Esoterik und Superkraft klingt. Das ist aber Quatsch. Ich bin nicht X-Betti und habe keine Superkräfte, die irgendwie spooky sind.

Deshalb gleich mal vorweg die Information, dass etwa 15-20 % der Menschen mit dieser überdurchschnittlichen Wahrnehmungsfähigkeit ausgestattet ist. Es gibt also mehr Hochsensible als Linkshänder. Das ist doch beruhigend und ich bin mir sicher, dass ich unter meinen Lesern sowohl Linkshänder, also auch hochsensible Menschen habe. Ich bin also nicht alleine.

Was bedeutet überhaupt, hochsensibel zu sein?

Zur Erläuterung möchte ich aus dem Buch „Wenn die Haut zu dünn ist“ von Rolf Sellin zitieren:

Hohe Sensibilität bedeutet zunächst nur, dass ein Mensch mehr Reize aufnimmt als andere und das intensiver. Es sagt nichts darüber aus, ob jemand stark oder schwach ist, introvertiert oder extrovertiert, über welche andere Begabungen er sonst noch verfügt oder wie intelligent ein Mensch ist.

Ein bekannter Name, wenn das Thema Hochsensibilität genannt wird, ist der der amerikanischen Psychotherapeutin Dr. Elaine N. Aron die Hochsensibilität 1996 erstmals benannt und auch erforscht hat. Im englischsprachigen Raum, wo die Erkenntnisse herkommen, spricht man übrigens von einer Highly Sensitive Person = HSP und im Deutschen wurde „hochsensibel“ daraus.

Schon früher war Hochsensibilität in der Forschung ein Thema. Bereits der Schweizer Psychiater C. G. Jung befasste sich damit. Er nannte die Phänomene zu seiner Zeit „Sensibilität“ und „Introversion“.

Was sind die Ursachen für Hochsensibilität?

Wirklich umfassende wissenschaftlich belegbare Forschungen gibt es bisher wenige, die sich mit den Ursachen für das Phänomen beschäftigen. Am wahrscheinlichsten ist ein Unterschied der neurologischen Konstitution des Gehirns, was zu einer intensiveren Wahrnehmung der äußeren Eindrücke führt. Die Forscher vermuten erbliche und auch entwicklungspsychologische Faktoren für die Ausbildung dieser speziellen neuronalen Situation im Kopf. Da hüpfen also scheinbar einige Neurotransmitter mehr oder wilder durch meinen kleinen Kopf und so gelangen viele Reize aus meiner Umgebung in mein Bewusstsein, denn der Filter, der bei nicht hochsensibel veranlagten Menschen bestimmte Dinge einfach nicht durchlässt, steht bei mir auf offen und mein Kopf nimmt alles auf wie ein Schwamm.

Ich bin ein Staubsauger und sauge alles um mich herum in meinen Kopf. Nur ist das normale Chaos in der Welt ist für mich manchmal zu viel, denn alles was in meinem Kopf landet, arbeitet in mir und will sortiert und bewertet werden. Eine Riesenleistung, die da von Hochsensiblen erbracht werden muss.

Es ist sicher so, dass das Thema in den vergangenen Jahren mehr Aufmerksamkeit bekommt, aber ich denke, letztendlich gibt es Hochsensibilität, so lange es Menschen gibt. Nur in unseren heutigen Zeiten erreicht uns ein vielfaches an Reizen aus der Umgebung, als noch vor 50 oder 100 Jahren. Die Geschwindigkeit der Weiterleitung von Informationen hat sich vervielfacht und damit auch der Input, der uns permanent erreicht. Diese Menge an Krempel, der auf uns Menschen tagtäglich einstürmt, bringt dann heutzutage die empfänglicheren Modelle Mensch ans Limit und gelegentlich ins Schleudern.

Hochsensibilität, nur ein anderer Begriff für neurotisch?

Immer wenn etwas neu entdeckt wird und noch in der Entwicklung ist, gibt es auch kritische Stimmen, die das Phänomen Hochsensibilität mit psychischen Störungen wie ADHS, Depressionen, Borderline, Autismus oder auch Hochbegabung in Verbindung bringen oder auch komplett anzweifeln, dass es Hochsensibilität überhaupt gibt.

Interessanterweise sind übrigens fast alle Hochbegabten gleichzeitig hochsensibel. Aber nur ein kleiner Prozentsatz der Hochsensiblen sind ebenfalls hochbegabt. Sind wir ehrlich, wenn wir 15% -20% hochbegabte Menschen unter uns hätten, dann wäre das Leben glaube ich noch anstrengender. Ich koche auf jeden Fall nur mit Wasser, und das ist auch ganz gut so.

Persönlich glaube ich, auch aus eigener Erfahrung, dass hochsensible Menschen ein höheres Risiko haben mit Erschöpfungsdepressionen und Co zu kämpfen, denn der Sturm der manchmal im Kopf herrscht, kostet geistige Energie. Wenn dann noch andere Faktoren hinzukommen, läuft das Fass beim hochsensiblen Menschen einfach schneller über. Aber ich halte hochsensibel zu sein für keinen pathologischen, also krankhaften Zustand, der behandlungsbedürftig ist, zumindest wenn kein Leidensdruck besteht.

Hochsensibilität ist keine Einbildung, und jeder hochsensible Mensch weiß das.

Zum Glück gibt es durchaus wissenschaftliche Versuche, bei denen sich deutlich messbar zeigte, dass ein Teil der Menschen – nennen wir sie hochsensibel – auf Reize wie Lärm, intensiver reagieren als andere. Iwan Pawlow – ja der mit dem sabbernden Hund – hat entsprechende Versuche gemacht und auch dokumentiert.

Dr. Elaine Aron hat neben vielen Informationen, die sie in Interviews mit Menschen gesammelt hat, auch nachgewiesen, dass bestimmte Teile des hochsensiblen Gehirns stärker durchblutet sind, wenn die Personen mit Reizen die Gefühlsregungen auslösen, konfrontiert werden. Also, es kann zusammenfassend festgestellt werden, dass es höchstwahrscheinlich Hochsensibilität gibt, auch wenn noch viele Fragen offen sind und die Forschung in den Kinderschuhen steckt.

Übrigens betrifft Hochsensibilität sowohl Männer und Frauen gleich häufig. Für Männer ist es sicher weit schwieriger das auch nach außen zu zeigen, denn das Rollenbild in unserer Gesellschaft ist geprägt von dem starken Mann, der als Macher und Beschützer seine Aufgabe zu erfüllen hat und da hat eine ausgeprägte männliche Sensibilität leider wenig Raum.

Wie sich die Hochsensibilität bei mir bemerkbar macht.

Lärm und laute Geräusche sind mir unangenehm. Ich bin sehr geräuschempfindlich und höre dazu jeden Floh über das Parkett laufen. Spaß beiseite, der Rasenmäher des Nachbarn, Geräusche in Verkehrsmitteln, Hundegebell, Telefon, laute Musik. Geräusche, die laut sind oder von meiner normalen Geräuschkulisse abweichen, strengen mich an und je nach Hartnäckigkeit, kann ich da sehr schnell gereizt reagieren. Übrigens habe ich es auch mit Licht und Lampen nicht so gerne. Zu grell oder flackernd sind Lichtreize, die mich immer schon stark irritieren. In der Disco kam ich mir früher bei dem verrückten Licht immer vor, als würde der Kopf versuchen dicht zu machen und ich fühlte mich, als hätte ich einen Schutzhelm an. So gerne ich in jungen Jahren unterwegs war, empfand ich den Spaß stets unglaublich anstrengend. Laut, wildes Licht und viele Menschen. Ein Reizoverkill für mich seit jeher.

Was andere Frauen freut, ist für mich eine eher unliebsame Sache. Einkaufsbummel in Städten sind für mich fast Höchststrafe. Viele Menschen, bunte Schaufenster, tausende von Produkten, die in meinen Kopf wollen. Jeder neue Laden strengt mich an, da ich alles in mich aufnehme. Mein Mann sucht ein paar Schuhe? Kein Problem, ich finde das passende Paar, selbst wenn er schon 3x daran vorbeigelaufen ist. Als würde ich jedes Regal im Laden scannen, so empfinde ich das manchmal. Das ist wirklich energieraubend und ich gehe deshalb selten in einer Stadt einkaufen. Da fällt es mir im Internet wesentlich leichter zu shoppen, denn da habe ich Ruhe und muss neben den Produkten nicht noch 100 andere Außenreize aufnehmen. Auch ein Grund, weshalb ich mich im Discounter relativ wohl fühle. Die begrenzte Anzahl an Produkten im Sortiment macht es mir persönlich leichter. Ansonsten kaufe ich gerne in Geschäften ein, die mir vertraut sind und bin daher eine echt treue Kundin.

Mein Blick fürs Detail ist ausgeprägt und ich bin ein richtiger Fehlersuchhund. Manchmal nervt es, aber ich sehe in der Regel Dinge ganz schnell, die nicht passen oder wo sich ein Fehler versteckt hat. Oft ist das Gefühl schon da und bimmelt in mir drin, da kann ich es noch nicht mal artikulieren, weil der Reiz noch nicht in Sprache übersetzt ist. Damit habe ich sicher schon oft meine früheren Mitarbeiter, aktuell meine Grafikerin und auch meinen Mann halb in den Wahnsinn getrieben. Aber vor lauter Konzentration auf winzige Details, die auf mich einströmen, kann dann doch manchmal etwas total Offensichtliches von mir übersehen werden. Ich halte mich nicht gerne mit der Oberfläche auf, sondern es zieht mich gleich in die Tiefe. Meine Fehlertoleranz gegenüber mir selbst und auch Menschen um mich rum ist gering und das macht es nicht immer einfach mit mir. Sorry an alle, die ich damit nerve.

Du kannst auch Frau Schreckhaft zu mir sagen, denn ich erschrecke schneller als andere Menschen und brauche nach einem Schreck auch einige Zeit um wieder auf Normalpuls zu kommen. Ich war mit 17 Jahren einmal auf der Burg Frankenstein in Darmstadt/Eberstadt zu Halloween und der Abend war einer der schlimmsten meines Lebens. Dort waren lauter Profi-Erschrecker und nach kurzer Zeit habe ich weinend gebettelt wieder heimgehen zu dürfen. Obwohl die Veranstaltung hier in der Region immer sehr beliebt ist und jedes Jahr an Halloween stattfindet, war ich nie wieder dort und noch heute fühle ich bei dem Gedanken an den Abend die Schrecken von damals. Leider verflüchtigen sich unangenehme Gefühle und Erlebnisse bei mir nur extrem langsam oder bleiben immer sehr präsent im Gedächtnis.

Unter Druck arbeiten zu müssen, macht mich nervös. Wenn viel auf einmal bewältigt werden muss, und/oder Termindruck herrscht, dann bekomme ich das Flattern und muss aufpassen, dass ich alles auf die Reihe bekomme. Seit jeher war mir deshalb immer wichtig, dass alles was geht, weggearbeitet war und nichts liegenbleibt. Immer Puffer schaffen für Unvorhergesehenes, damit ich dann nicht in Hektik gerate. Das war und ist typisch für meine Arbeitsweise. Toll, weil der Schreibtisch immer aufgearbeitet war, aber auch zu Stoßzeiten extrem stressend. Jetzt, seit ich selbstständig bin und die Arbeitsmenge selbst regulieren kann, ist dieser Zustand wesentlich entspannter geworden. Durch den Wegfall der Fremdsteuerung, hat sich auch der Arbeitsdruck erheblich reduziert und das tut mir gut.

Ich rieche jeden Scheiß. Tschuldigung. Also ich meine, ich rieche echt alles, was in der Luft liegt und reagiere auch da extrem sensibel. In ein Parfümgeschäft gehe ich höchst ungern. Aufdringliche süße Parfums machen mir Kopfschmerzen, als wäre ein Raum frisch gestrichen mit giftiger Farbe. Wenn am anderen Ende des Tischs ein Glas Rotwein steht, dann rieche ich das und empfinde das aufdringlich. Eine ausgespülte Fischdose im Abfalleimer und ich kann den Geruch kaum aushalten. Auf der Kirmes – auch ein Reizüberflutungssupergau – stürze ich fluchtartig an Ständen mit den Anis- und Kräuterbonbons vorbei, so unangenehm empfinde ich die Duftwelt, die den Stand umgibt. Es gibt Gerüche, die kann ich wirklich nur schwer ertragen. Wie heißt nochmal diese penetrante Stinkeblume? Aaaaah die Hyazinthe. Ein Horror für mich, da hätte ich lieber einen Misthaufen vor der Tür.

Übrigens habe ich auch einen sehr guten und aufmerksamen Geschmackssinn, was mir natürlich total in die Happy-Carb-Karten spielt.

Nichts ist so schlecht, dass es nicht auch etwas Gutes hat. Das gilt für die Hochsensibilität in meinen Augen ganz besonders, die gleichzeitig eine Erweiterung und auch eine Einschränkung der persönlichen Möglichkeiten darstellt. Zumindest bei mir ist das so.

Reizstoffe wie Koffein und Alkohol triggern mich stark. Kleine Mengen Kaffee pushen mich bereits ordentlich, denn das enthaltene Koffein schubst mich heftig an. Ich mag Kaffee, aber halte die Menge sehr überschaubar. Auch bekommt mir nicht jeder Kaffee und die Tücke liegt wie immer bei mir, im Detail. Auch Alkohol spüre ich sehr schnell, da braucht es nur wenige Schluck, und ich fühle mich blümerant. Wahrscheinlich ein Grund, weshalb ich so gut wie keinen trinke und eigentlich nur zum Kochen verwende.

Wie ich gelesen habe, sind Hochsensible auch überdurchschnittlich häufig betroffen von Unverträglichkeiten und Allergien. Wirklich valide Daten habe ich dazu nicht gefunden, aber auch ich habe ja mit Histamin (und anderen biogenen Aminen), Laktose, Fruktose und Sorbit meine – heute zum Glück nur noch kleineren – Probleme. Auch Heuschnupfen, Haustaub, Katzenhaare und eine Allergie gegen Lokalanästhetika stehen auf der Liste der Dinge, die mich immer wieder mal beeinträchtigen, weil ich auf deren Reize reagiere.

Reisen kostet mich Energie. Am liebsten bin ich daheim und da wohne ich zum Glück ruhig in einer sehr überschaubaren Kleinstadt. Bahnhöfe, große Städte, neue Hotels. Alles Reizüberfluter, die ich vorsichtig dosieren muss. Wegen der Reize, die beim Reisen auf mich eintrommeln, verlaufe ich mich gerne und habe Probleme mit der Orientierung. Ab einer gewissen Reizüberflutung fühle ich mich fast zittrig und desorientiert und würde am liebsten einfach stehen bleiben. Ich war schon früher ein Kind, was gerne auf Veranstaltungen mit der Schule verloren gegangen ist. Da gab es einige peinliche Momente, die ich jetzt aber nicht vortragen werde. Auch Autofahren auf Straßen, die ich nicht kenne, finde ich wahnsinnig anstrengend. Die Schilder, der Verkehr, alles stürmt gleichzeitig auf mich ein. Die Erfindung des Navis ist für mich ein echter Segen, denn damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mein Ziel erreiche sehr viel höher. Früher kapitulierte ich an der Vielzahl der Informationen, die ich gerade im Stadtverkehr bewältigen musste und bin Stadtfahrten generell ausgewichen. Auf jeden Fall bin ich durch die Vielzahl der aufzunehmenden Dinge im Straßenverkehr eine Langsamfahrerin und eher eine Verkehrsbehinderung. Also, wenn da mal ein Auto mit Erbacher Autonummer vor dir rumgurkt, bin vielleicht ich das.

Der Kontakt mit Menschen strengt mich an. Ich nehme Menschen, mit denen ich zu tun habe, irgendwie vollständig in mich auf. Dadurch nehme ich auch stets Dinge wahr, die nicht gesagt wurden und nur unterschwellig im Raum schweben. Spüren, wie es einem Menschen geht, ohne auch nur ein Wort gehört zu haben ist mein Spezialgebiet, dafür nehme ich aber auch jede Freude und jedes Leid der Person gegenüber auf. Das kostet Kraft, denn selbst wenn der Kontakt positiv war, kostet das Aufnehmen und Verarbeiten Energie und wenn der Kontakt negativ war und/oder mit Ärger verbunden, ist die Energierechnung sogar noch höher. Ich meine damit übrigens nicht nur den direkten Kontakt, sondern darunter fällt auch die geschriebene Interaktion. Auch da nehme ich die Schwingungen, die mit den Worten gemeinsam übertragen werden, intensiv wahr und kann mir so ein gutes Bild über die Verfasser machen. So kann ich mich auch in einem tollen Roman komplett verlieren und bin im Gegensatz bei manchem Bestseller ernüchtert, wenn neben den auf Papier geschriebenen Worten nichts transportiert wird, was mich berührt.

Gerade diese Fähigkeit, mehr wahrnehmen zu können, war mir als Personalleiterin natürlich dienlich. Denn mehr zu wissen, als das was Mitarbeiter oder Bewerber laut sagen, ist da überaus praktisch. Ich kann mich gut erinnern, dass mein früherer Chef immer die Vermutung hatte, ich könnte hellsehen und hat mich damit aufgezogen. Damals wusste ich ja noch nicht, dass ich einfach einige Schwingungen mehr wahrnehme und daraus dann nur schneller und besser als andere, die richtigen Schlüsse ziehen kann. Nichts Gespenstisches, sondern ich habe immer nur das bewertet, was ich wahrgenommen habe. Es findet ja, neben den gesprochenen Worten, noch so viel mehr an Kommunikation statt. Das nicht gesprochene Wort, die Körpersprache und die Mimik spielen mit rein und machen aus einem Puzzle erst das vollständige Bild. Dass es da Unterschiede gibt, und eben nicht jeder Mensch die gleichen Puzzleteile vorliegen hat, war mir damals nicht bewusst. Das weiß ich erst seit einigen Jahren. Da ich immer sehr viel mit Menschen in der Arbeit zu tun hatte und daran auch große Freude hatte, führte der doch umfangreiche tägliche Energieverlust dazu, dass ich als Ausgleich am Abend immer viel Ruhe und Zeit für mich brauchte.

Ich kann Überraschungen nicht wirklich leiden. Es ist einfach so, dass ich Dinge lieber plane und mich auf Unternehmungen und Aktivitäten vom Kopf her vorbereite. Meine Freundinnen wissen auch, dass spontan bei mir an der Haustüre stehen auf einen Plausch reinschauen, keine gute Idee ist. Mein Gesicht spricht dann Bände, denn ich würde am liebsten die Tür zuschlagen. Gerade wenn ich in eine Sache vertieft bin, lasse ich mich nur ungern stören und ignoriere Telefon und Haustüre. Manchmal werde ich anschließend gefragt, wo ich war und wenn ich dann sage, ich war daheim und wollte nicht gestört werden, ernte ich durchaus Unverständnis. Aber ich weiß ja, dass auch durch eine positive Störung, gleich wieder ganz viel in meinem Kopf landet. Wenn ich vertieft bin, habe ich eine überschaubare Zeit einen relativ reizarmen geordneten Zustand im Kopf. Ich schütze dann diesen Moment und kappe den Kontakt zur Außenwelt. Auch was Mail, Internet und Co angeht. Alles zu seiner Zeit, wenn ich die Energie die ich brauche, dafür bereitstellen kann. Selbst Essen und Trinken gerät in den Hintergrund, wenn ich konzentriert an einer Sache arbeite.

Ungerechtigkeit und Leid sind mir zuwider. Auch eine Sache, die sich im Berufsleben schwierig gestaltet hat. Es geht in Betrieben meist höchst ungerecht zu und dann auf der Seite des „Unterdrückers“ zu stehen, hat mich häufig in einen inneren Konflikt gebracht. Warum Dinge durchsetzen, die ich doch als total falsch und ungerecht erkenne? Ich habe schon immer ein gutes Gefühl für Dinge, die in Ordnung sind und was eben nicht geht. Eine Sache, die mich auch heute immer wieder um den Verstand bringt. Zu sehen, wie die Welt teilweise funktioniert, macht mich oft traurig und wütend.

Meine Intuition ist unglaublich gut und ein fester Bestandteil meiner Entscheidungen, die mir sonst nämlich nicht leicht fallen, weil ich zu schnell die Komplexität von Problemen oder auch direkt die Konsequenzen, bis zu dem Sack Reis, der in China umfällt, bedenke. Vernetzt denken und alle Eventualitäten im Blick haben ist meine Spezialdisziplin mit der Nebenwirkung eines massiven Ratterkopfs, der mich schon die eine oder andere Nacht wachgehalten hat. Ich bin eine Grübeltante und ein Wiederkäuer der Probleme, die mich tagtäglich beschäftigen.

Mir gehen oft Kleinigkeiten nach, die ich selbst gesagt habe oder auch die mir gesagt oder geschrieben wurden. Das wirft natürlich ein Problem auf, wenn man als öffentlich schreibende Person mit Menschen zu tun hat, die einem wenig nette Dinge schreiben und sich dessen nicht bewusst sind.

Gewaltszenen oder Spannung im Fernsehen oder Kino kann ich schlecht aushalten und manches hängt mir ewig nach. Auch eine Sache, die schon in jungem Alter auffällig war, da war ja Horrorfilme schauen ein Gruppending und mich hat das dann ewig beeinträchtigt. Generell versuche ich mich heute, bei meinem TV Programm, an der Altersfreigabe von 12 Jahren zu orientieren. Ab 16 Jahren brauche ich mein Kuschelkissen zum Verstecken und bei Filmen ab 18 Jahren, bin ich eigentlich raus. Auch Liebesfilme mit Happy End oder ergreifende Szenen wie zum Abschied oder Krankheits- und Todesszenen nehmen mich immer sehr mit. Früher habe ich sehr gerne Emergency Room geschaut, aber bei fast jeder Folge hatte ich Wasser in den Augen, da ich jedes Schicksal der kranken Schauspieler aufgesaugt und mitgefühlt habe. Damit ich im Kino und auf dem Sofa nicht immer auffällig wie ein Schlosshund losheule, habe ich mir schon vor Jahren die Taktik angeeignet, dass wenn es peinlich werden könnte und der Kloß im Hals größer wird, ich anfange im Kopf Rechenaufgaben zu lösen. Der Hauptprotagonist liegt im Sterben und ich überlege mir, wie viel 34 weniger 16 ist, und multipliziere dann mit drei.

Alles nur, um nicht zur peinlichen Heulsuse zu werden.

Ich brauche viel Zeit für mich alleine und genieße den Rückzug. Langweile kenne ich nicht. Ich war mir selbst schon immer genug und freue mich über Zeit mit mir selbst. Meine Gedanken sind mir dann auch Beschäftigung genug. Es war schon als Kind so, dass ich mir selbst genügt habe und die Zeit, auch mal alleine zu spielen, gesucht und genossen habe.

Schon immer ist mir Harmonie sehr wichtig und ich gehe Konflikten gerne aus dem Weg. Das geht leider nicht immer und ich kann auch Zähne zeigen, aber bissig sein kostet mich sehr viel Energie und zieht eine zwingende Erholungszeit nach sich. Daher überlege ich mir heute gut, in welchen Krieg ich ziehe. Aber wenn ich kämpfe, dann bin ich eine Gegnerin, mit der wahrlich nicht gut Kirschen essen ist. Da werfe ich dann auch die Vorteile der Hochsensibilität in die Waagschale, denn mehr wahrnehmen zu können, ist auch eine Waffe, die bei Auseinandersetzungen eingesetzt werden kann. Um erkennen zu können, welcher Hieb richtig schmerzhaft sitzt oder welche manipulative Stellschraube gedreht werden muss, ist eine erhöhte Wahrnehmung sehr vorteilhaft. Das ist dann extrem energieraubend, weil so ein Verhalten, natürlich dem eigenen Grundbedürfnis nach Harmonie und Fairness widerspricht, aber leider sind Menschen, denen man gelegentlich begegnet, einem selbst nicht immer wohlgesonnen. Ich bin in meinem Berufsleben immer wieder unter Druck gesetzt worden – im Management begegnen einem nämlich überdurchschnittlich viele egoistische Soziopathen – und musste dann auch manchmal alles, was ich dem entgegensetzen kann, nutzen. Gut zu wissen, welchen Knopf man bei einem Arschloch drücken muss, um sein Ego zu vernebeln und so die eigene Position durchzusetzen.

Schon als Kind war ich eine Fühlerin des großen Weltschmerzes und wollte mich nicht mit oberflächlichen Dingen abgeben. Das Leid der Welt, der Menschen, der Tiere, ja selbst der Sachen, die ich besitze und mal wegwerfen muss, berühren mein Innerstes. Schon als kleines Kind lag ich in der Nacht wach und habe über den Tod nachgedacht, und dass ich irgendwann auf einmal nicht mehr da bin und nie wiederkomme. Schon früh wurde ich eine Suchende und hechelte mich durch die großen Philosophen, die Weltreligonen, machte eine Stippvisite in der Esoterik und wollte eigentlich immer nur das große Ganze unserer Welt und unseres Daseins verstehen. Total verrückt, aber auch toll, denn so habe ich viele viele interessante Bücher gelesen, habe anregende und anstrengende Menschen kennengelernt und bin die geworden, die ich heute bin. Weiter oben im Text habe ich schon C.G. Jung erwähnt, der sich mit dem Thema Hochsensibilität beschäftigt hat, so ist er einer der schlauen Menschen, die mich schon früh sehr nachhaltig beeindruckt und beeinflusst haben.

Oberflächlichkeit nervt mich schnell, weshalb ich mich manchmal in dem Bloggerzirkus nicht wirklich wohlfühle. Ich habe ja nie begonnen zu bloggen, weil es Trend ist, sondern weil ich eine Geschichte zu berichten hatte, mit Höhen und Tiefen. Gerade bei den typischen reinen Foodblogs, oder Beauty- und Modezeugs auf Instagram und Co, gibt es viele supertolle – den Hochglanzmagazinen nachgeäffte – Bilder und meist wenig interessante Inhalte. Von daher lese ich nur ganz wenige Blogs und da dann Seiten, die mir mehr bieten, als schöne Bilder und gesponserte Werbebeiträge. Die Mischung muss stimmen und mir Anregung im Kopf bieten. Aber es gibt auch da echt unglaublich inspirierende Blogger und ich freue mich über jede Seite, wo tolle Menschen etwas zu berichten und zu sagen hat. Das hat auch nichts mit dem Alter zu tun, denn schon mit 20 Jahren war ich da nicht viel anders getaktet. Ich lerne immer gerne dazu und befasse mich dazu mit vielen unterschiedlichen Themen, die meine Sicht der Dinge und meinen Blick auf die Welt verändern.

Was für ein Seelenstriptease heute. Aber so bin ich. Manchmal etwas schräg, dazu hochsensibel, und eben auch total OK.

Was macht das Wissen um die Hochsensibilität mit mir.

Vielleicht bist du ja auch so eine wie ich und wusstest bisher nicht, dass es dafür einen Namen gibt. Dann bist du jetzt schlauer und vielleicht geht es dir wie mir, dass du jetzt einfach beruhigt und entspannter mit deinen kleinen Besonderheiten umgehen kannst. Wir haben nämlich keinen an der Klatsche, sondern sind einfach etwas mehr auf Empfang gestellt, als viele andere Menschen.

Was ich nämlich nicht mache, ist, mich komplett in Watte zu packen. Ich gehe einkaufen, ich reise und ich treffe Menschen, auch wenn ich weiß, dass mich das anstrengt und ich gelegentlich auch mal stöhne und denke, wärst du doch nur daheim geblieben. Hochsensibel zu sein soll nicht bedeuten, dem Leben aus dem Weg zu gehen, sondern mit dem Wissen um die Situation gelingt es, einige Stellschrauben so zu drehen, damit Reize besser dosiert werden und eben für mich ganz wichtig, dass ich mir immer wieder reizfreie Ruhephasen einbaue, um dem Kopf die Gelegenheit zu geben sich zu sortieren. Man kann Reize auch drosseln, wenn man denn mal weiß, dass man ein Problem mit zu viel davon hat.

Ich bin halt eine, die auf der Feier nicht bis zum Schluss auf die Kacke haut, sondern zeitiger heimgeht und lieber nochmal eine ruhige Zeit daheim genießt. Dann reise ich gerade bei Geschäftsreisen eben lieber mit etwas mehr Zeit und Ruhe schon am Vortag an, damit nicht alles an neuen Dingen sich auf einen Tag konzentrieren. In neuen Städten oder beim Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln vertraue ich meinem Mann und laufe dem einfach hinterher, oder bereite mich sehr gut vor, wenn ich alleine unterwegs bin.

Und dazu gehört eben auch wieder, dass ich die Menschen aus meinem Leben verbanne, die mich mit negativer Energie überfrachten. Wenn man die positiven Dinge schon als anstrengend empfindet – aber auf die natürlich nicht verzichten will – dann müssen die Energievampire weichen.

Wahrscheinlich bin ich die einzige Bloggerin, die kein Smartphone besitzt. Whatsapp? Kenne ich nicht mal und das Leben klappt trotzdem. Gerade das Internet, mit allen Informationen, die über X-Kanäle und Seiten auf mich einströmen, muss ich stärker dosieren. Das erfordert richtig Disziplin und ich übe gerade, wie ich das, was tagtäglich da über Happy Carb auf mich einstürmt, besser kanalisieren kann. Also, wenn die Beantwortung eines Kommentars jetzt mal einen Tag dauert, dann liegt das auch daran, dass ich nur noch zu festen Zeiten meine unterschiedlichen Kanäle anschaue. Ich neige durch die erhöhte Informationsaufname zur Ablenkung und muss mich selbst erziehen, um nicht durch die permanente Aufnahme von Nachrichten und Informationen aus dem Internet übermäßig Energie zu verlieren. Gebündelt ist das alles kein Problem, nur fällt mir das echt schwer, mich selbst dahingehend zu disziplinieren.

Weniger ist mehr, gilt für Hochsensible ganz besonders.

Nachdem ich jetzt so viel geschrieben habe, dass man denken könnte, es wäre furchtbar hochsensibel zu sein – was es definitiv nicht ist – will ich noch von Qualitäten berichten. Hochsensible sind sehr gute Zuhörer und werden meist als sehr empathisch wahrgenommen. Ich finde schnell Zugang zu Menschen und die vertrauen sich mir gerne und meist erstaunlich offen an. Manchmal machen das sogar Menschen, die ich fast nicht kenne. Mein Mann wundert sich immer, was ich eigentlich alles in 10 Minuten von einer Person im Bus oder sonst wo erfahre, und wie viel Tiefgang es im Gespräch häufig schon auf die Schnelle gab. Besonders mit anderen Hochsensiblen ist gleich eine gemeinsame Schwingung da und ein gegenseitiges Verständnis, dass man sich ganz automatisch nicht mit unwichtigem Geblubber aufhalten mag. Das Leben ist zu kurz für schwindelige, nichtssagende Gespräche, die keinen Mehrwert für die eigene geistige Entwicklung bringen. Du merkst, Smalltalk ist nicht mein Ding. Kann ich schon, aber strengt mich an. Von daher sind mir seit jeher wenige gute Freunde lieber als eine große Menge an oberflächlichen Kontakten.

Wobei ich da noch einwerfen mag, dass mir das aktive Entziehen aus uninteressanten Situationen früher auch schon gelegentlich als Arroganz ausgelegt wurde. Da mangelt es mir manchmal an Diplomatie und ich bin einfach zu ehrlich, stoße in der Situation auch mal jemanden vor den Kopf. Das tut mir dann hinterher immer leid, aber manchmal bin ich einfach entnervt erschöpft, von in meinen Augen unnützem Geschwätz, und dann fällt mir schnell mal der Bock um.

Hochsensible Menschen habe meist ein gutes analytisches Denkvermögen und dazu ein Durchhaltevermögen, was kaum zu schlagen ist. Dazu mit Phantasie und Kreativität ausgestattet, eigenen sich hochsensible Menschen für gestalterische, kreative Tätigkeiten, wo Fleiß gefordert ist und am Ende viele Strippen durch ein Nadelöhr gezogen werden müssen. Da bin ich dann doch mit meinem Happy-Carb-Blog und den Herausforderungen als Autorin wieder ganz passend gelandet. Meinen Fähigkeiten entspricht also schon, was ich hier mache. Auch wenn ich zwischendurch hadere und an der Menge verzweifle, ist das, was rauskommt, meist erstaunlich positiv und Spaß macht mir die Arbeit ja dazu. Es gibt daher eigentlich keine wirklich bessere Alternative als meinen Weg hier weiterzugehen und allen Schwierigkeiten zu trotzen.

Meine innere Antenne meldet sehr schnell Lügen. Ich sage immer spaßeshalber, dass ich ein Lügendetekor auf 2 Beinen bin, denn ich merke Unwahrheiten und Widersprüche sofort und meine Alarmglocke bimmelt dann im Kopf. Und du weißt ja, mit dem Lärm habe ich es nicht so. Mir hat mal jemand gesagt, ich solle doch Pokerspielerin werden, weil ich so ein gutes Gespür habe zu erkennen, wenn geblufft wird. Problem dabei ist jedoch, dass Pokerspieler echte Verschleierungsprofis sind und noch schlimmer ist, dass ich leider jede Gefühlsregung mitten in meinem Gesicht ganz offensichtlich präsentiere und sicher mit Abstand das schlechteste Pokerface der Welt wäre.

Aber es reicht zumindest dazu, eine 100% Gewinnchance beim Schnick-Schnack-Schnuck spielen mit meinem Ehemann zu haben.

Es hat also auch echte Vorteile hochsensibel zu sein, genauso wie es viele Vorteile hat, eben nicht hochsensibel zu sein. Patt, und am Ende sind wir eben so, wie wir sind und deshalb ist das auch ein Thema, was mich nicht dauerhaft beschäftigt. Ständig um das Thema Hochsensibilität zu kreisen, macht mich ja auch nicht weniger sensibel. Wissen, was los ist, war für mich eine echte Erleichterung, denn man merkt ja, wenn 85% der Menschen die Dinge anders empfangen und vertragen. Aber ich bin eben auch kein Freak, keine saftarme Lusche oder gar in einer Dauerdepression gefangen. Das sind alles Gedanken, die einem mal zwischendurch kommen können, wenn man hochsensibel veranlagt ist.

Hochsensible müssen ihre persönlichen Grenzen beachten.

Ich weiß inzwischen so manche Reaktion und Befindlichkeit von mir besser einzuschätzen, weiß, dass ich regelmäßig Ruhe und reizarme Lebensräume brauche, als Ausgleich. Klar braucht die jeder, nur ich eben etwas mehr und ich muss da auch aktiv dafür sorgen, denn sonst bekommt mir das nicht und ich gerate aus dem Gleichgewicht und das schlägt sich dann auch in Krankheit nieder. Flucht in die Krankheit, war schon früher ein Instrument, um mich vor Überfrachtung zu schützen und immer wieder bei Bedarf aus dem Verkehr zu ziehen. Heute mit den neuen Erkenntnissen, ist mir das viel klarer und seit ich meine Bedürfnisse erkenne und ernst nehme, greift mein Körper viel weniger zum Notausstieg Krankheit.

Die richtige Dosierung der Reize ist die Kunst.

Es geht für mich eben immer auch darum, zu entscheiden, ob mir etwas guttut und dann ganz wichtig die Dosierung und die Anerkennung der eigenen Grenzen. Wenn ich Freitag mit Freunden unterwegs war, dann ist mir wichtig Samstag eher ruhig zu verbringen um wieder in einen Ruhezustand zu kommen. So reihe ich keine Geschäftsreise an Geschäftsreise an oder mache Termine ohne ausreichend Zeit dazwischen. Selbstverantwortung und Toleranz gegenüber den eigenen Bedürfnissen hat einen hohen Stellenwert als Hochsensible. Missachtung führt zu Stress, denn die Reizüberflutung stresst so richtig fies, mit allen körperlichen und seelischen Symptomen. Da schließt sich fast schon der Kreis, wenn ich sage, dass der überreizt entstehende Stress unkontrollierbaren Hunger macht. Zumindest bei mir ist das so und damit ist die Hochsensibilität auch Teil meiner langjährigen Gewichtsprobleme.

Ach ja, wie am Ende doch wieder alles zusammenhängt.

Ich hoffe, dir hat der Ritt durch die Hochsensibilität Spaß gemacht. Vielleicht bist du selbst betroffen und empfindest die Erkenntnis als Erleichterung. Wenn du selbst mal testen willst, dann kannst du unter anderem auf Psychologie heute einen Hochsensibel-Test auf Basis von der Psychotherapeutin Elaine Aron machen, der eine Tendenz zeigt, inwieweit du selbst hochsensibel veranlagt bist.

Wenn nicht, kennst du sicher Menschen, die wie ich getaktet sind, wo du dich vielleicht schon manchmal gewundert hast, warum die komisch reagieren oder sich auch mal zurückziehen. Sieh es einfach mal aus der neu gewonnen Perspektive. Hab Verständnis und gib genug Raum, ansonsten sind Hochsensible nämlich sehr pflegeleicht und vor allen Dingen loyal und verlässlich.

Ich will mit meinem Beitrag heute informieren und für Toleranz im Bezug auf die Individualität jedes einzelnen Menschen werben. Es gibt kein genormtes „Normal“ und es gibt keinen „Standard-Durchschnittsmenschen“ wo vorgegeben ist, wie wir sein müssen.

Sich selbst annehmen, achtsam mit sich umgehen und das Beste draus machen.

Keine Angst, Happy Carb wird jetzt kein Blog zum Thema Hochsensibilität, aber gerade die Bloggerei, hat im vergangenen Jahr dazu geführt, dass ich häufiger an meine hochsensiblen Grenzen gekommen bin. Das neue Arbeitsumfeld fordert von mir, die alltägliche Reizbeflutung zu justieren. Daran werde ich in diesem Jahr aktiv arbeiten und sicher wieder ganz viele neue spannenden Erfahrungen machen.

Einige Lesetipps habe ich noch für dich, wenn du dich intensiver mit dem Thema befassen willst.

Die Bloggerin Jasmin Schindler von Healthy Habits hat auch relativ frisch ein lesenswertes Buch zum Thema veröffentlicht. Aus Sicht einer Betroffenen mit vielen Tipps im Umgang. Schau doch mal rein in ihr Buch:

Den Blog von Jasmin Schindler findest du hier: Healthy Habits Blog – Hochsensibilität

Ein weiterer guter Beitrag, der mir gefallen hat. Hochsensibilität als Chance vom Verband Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V.

Wie schön, dass ich die Freiheit habe, in meinen Blog Beiträge zu machen, wie es mir gefällt und freue mich, dass so viele Leser/innen auch an informativen Beiträgen jenseits von Low Carb Interesse haben. Ich winke mal ganz sensibel zu dir rüber und freue mich zu lesen, ob du selbst betroffen bist und deine Erfahrungen dazu. Oder vielleicht hast du ja „spürbaren“ Kontakt mit hochsensiblen Menschen und kannst davon berichten. Ich bin gespannt.

Happy Grüße Betti

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Anonym
Anonym

Hallo liebe Betty, auch ich weiß seit langem, daß ich hsp bin und zudem noch misophonisch, ich glaube, das auch diese beiden Dinge untrennbar zusammen gehören. Deshalb gebe ich jetzt meinen Beruf auf, um mich in ruhigere Gewässer zu begeben. Ich danke dir für deinen anschaulichen Bericht.

Uli
Uli

Hallo Betti,

mein Mann und ich fragen uns manchmal was anders bei uns läuft als bei den meisten Menschen, die scheinbar mit vielen Dingen und Problemen auf dieser Welt völlig locker umgehen oder erst gar nicht erkennen oder interessiert, was so passiert. Bis jetzt hatten wir keinen Namen dafür…bis jetzt. Ich kann von mir sagen, dass ich meinen wenigen guten Freundrn aus dem Gesicht „lesen“ kann.
Ich empfinde es aber als belastend, dass sie es bei mir nicht können. Oft werden Fehleinschätzungen angestellt, die mich dann ärgern.
Ja und dieser Lärm… wir sind extra ländlicher gezogen um dem permanenten Stadtlärm zu entkommen, aber leider stört es viele Nachbarn nicht wenn sie uns stunden- und tagelang zwangsbeschallen (dabei stört mich der Rasenmäher oder die Heckenschere aber nicht).
Zusammenfassend empfinde ich den Zustand nicht immer so toll und würde mir eine dickere Haut und mehr Gleichgültigkeit wünschen.
LG
Uli vom Niederrhein
PS: bin Linkshänderin😉

Petra
Petra

Hallo Betti,
auch ich habe mich in Deinem Artikel 1:1 wiedergefunden. Mein größtes Problem sind Geräusche. Für mich ist Lärm schon fast ein körperlicher Angriff. Rummelplatz oder Kneipe, oh Gott, nur noch weg!! Bei mir sind alle Geräusche gleich laut, so kann ich kaum einem Gespräch in einer lauten Umgebung folgen. Die Menschen denken schon das ich schwerhörig bin. Sonst kann ich mit meiner Hochsensibilität ganz gut leben.
Danke für Deinen Blog und Deine tollen Rezepte!
Liebe Grüße
Petra

Leila
Leila

Hallo Betti,
ich bin gerade völlig geflasht. Dein Text könnte von mir sein. Meiner wäre zwar nicht so schön geschrieben aber das was du über HS schreibst erklärt mir Punkt für Punkt was mit mir los ist.
Ich bin wirklich sprachlos. So lange dachte ich ich sei nicht ganz normal weil ich keinen Lärm ertrage (das Klappern der Teller wenn man sie im Schrank aufeinanderstellt tut furchtbar weh in meinen Ohren etc) und ganz viele andere Dinge.
Dieses sich nicht abgrenzen können wenn es emotional wird, das ist manchmal fürchterlich. Denn bevor ich es merke, ist es schon zu spät.
Ich könnte hier noch ganz viel Schreiben. Doch das sprengt den Rahmen.

Danke dass du dich getraut hast diesen Artikel zu schreiben!

Liebe Grüße, aus der Nähe …

Leila

Daniela
Daniela

Hallo Betti,
Eigentlich kommentiere ich nie….sondern bin meist stiller Leser. Aber ich muss dir einfach für diesen Artikel danken. Er ist wirklich toll geschrieben, schön auch, dass du die positiven Seiten von HSPs darstellst. Meine zwölfjährige Tochter ist extrem hochsensibel, was jeden Tag für sie (und uns) zur Herausforderung macht…..nicht zuletzt, weil das Umfeld viele Dinge und Besonderheiten nicht verstehen kann oder will. Ich weiß, dass es eine erbliche Vorbelastung durch mich gab, auch wenn ich nie so stark sensibel war.
Sich in einem solchen Artikel wiederzufinden gibt neue Kraft und Mut. Danke und liebe Grüße
Daniela