53 ist wie 18 – mit 35 Jahren Wiederholung

Tagebuch

53 ist wie 18 – mit 35 Jahren Wiederholung

Und jährlich grüßt das Murmeltier…

Irgendwas läuft hier gehörig schief, denn wir feiern schon wieder meinen Geburtstag und ich bin nun stolze 53 Jahre alt. Ich blase hier gerade ungläubig die Backen auf. OK, nicht ungläubig, sondern ich versuche meine Falten zu straffen, indem ich mein Gesicht aufblase wie ein Kugelfisch. Ob das was bringt? Ich glaube nicht, aber ich habe schon immer eine Schwäche für lustigen Unsinn und die Backen aufblasen macht Spaß. Toll ist ja, dass ich heute Dinge tun kann, ohne mir dabei Gedanken zu machen, wie ich dabei aussehe und was andere Leute über mich denken. Freiheit für die Brüste und meinen Strubbelkopf, denke ich oft, wenn ich dem Paketboten ohne BH die Tür öffne und vorher noch keinen Kamm gesehen habe. Ich gehe es heute lockerer an, als noch mit knackigen 18. Schließlich muss ich ja irgendwas gelernt haben, in all den Wiederholungsschleifen der letzten 35 Jahre. Meine Prioritäten sind heute andere und ich fühle mich dabei eigentlich ziemlich gut.

Die Geister scheiden sich an grauen Haaren

Wie ein guter Käse reife auch ich und was beim Käse der Schimmel ist, sind bei mir die ersten grauen Haare an den Schläfen. Für mich habe ich erst einmal entschieden, dass ich die grauen Haare als Zeichen einer gandalfschen Weisheit und mit einer gelassenen Lebenseinstellung angehen will. Klar gibt es Menschen, die schon mit Mitte 30 aus genetischen Gründen komplett grau sind. In diesem Fall ist Haare färben wirklich ein Segen, aber mit 53 dürfen ruhig einige Zeichen der Zeit sichtbar sein. Ich finde auch immer, dass Haarfarbe und die Falten im Gesicht in einem passenden Verhältnis zueinander stehen sollten. Aber am Ende muss jeder für sich entscheiden, wie man sich wohlfühlt.

Ich bin ein großer Fan der Serie „Sex and the city“ und hatte mich sehr auf die Serienfortsetzung „And Just Like That“ gefreut. Schließlich sind die Hauptprotagonistinnen genau wie ich die letzten 20 Jahre älter geworden. Klar wird da mit Styling und Kosmetik aus allen Rohren geschossen, aber trotzdem waren die Zeichen der Zeit zu erkennen. Zumindest ein Teil der Darstellerinnen hat darauf verzichtet, sich die Haut hinter die Ohren klemmen zu lassen. Aber in den Medien habe ich dann doch mit Verwunderung festgestellt, dass egal wie es eine Frau in den 50ern es macht, immer gemeckert wird. Die eine Schauspielerin hat es doch etwas übertrieben und kam etwas maskenhaft rüber. was einen Shitstorm zur Folge hatte und als dann tatsächlich eine andere Darstellerin mit grauen Haaren und ganz ohne Aufspachtelei fotografiert wurde, war das Geschrei und Gehetze schon wieder riesengroß. Und gerade Frauen sind da häufig so unbarmherzig und niederträchtig zu ihren Geschlechtsgenossinnen. Wie sich Frauen in den Kommentarspalten auf Social Media an grauen Haaren einer Mittfünfzigerin abarbeiten können, war wirklich gruselig. Warum kann man jeden Menschen nicht einfach so sein lassen, wie er will. So lange niemand anderes zu Schaden kommt oder beeinträchtigt wird, ist doch alles gut. Also Mädels, lasst uns doch nett zueinander sein und nicht rumzicken, sonst nehmen uns die Männer nie für voll.

Niemand hat die Weisheit mit Löffeln gefressen, auch wenn der Löffel quer im Mund steckt

Sehr im Trend liegt ja aktuell die Selbstbeweihräucherung. Ich kann es nicht mehr hören. Permanent wird geblubbert, wie korrekt und moralisch, ethisch toll manche Menschen selbst sind. Da wird um Aufmerksamkeit gegendert, dass die Ohren Hilfe schreien, auf dieses und jenes auf dem Teller verzichtet und der eigene Lebensentwurf ist ja sooo supernachhaltig und alle, die es anders machen, sind ganz schlechte Menschen und Versager. Das Ross, auf dem manche die Leute teilweise sitzen, ist unerträglich. Jeder meint jeden belehren zu müssen, am Ende nur, um sich selbst besser und größer zu fühlen, als die Personen auf der Gegenseite. Ich werde ja hier auch gerne mal von solchen Menschen angeschrieben, die meinen auf mich einwirken zu müssen. Aber am Ende sind das dann doch die häufig am wenigsten toleranten Menschen, die total verbissen und frustriert einen Kampf führen, der nicht zu gewinnen ist. Andere Menschen sind anders als man selbst und das ist total OK. Weniger bewerten, mehr reflektieren und vor allen Dingen Andersartigkeit respektieren und wertschätzen, ist der richtige Weg für das harmonische zwischenmenschliche Miteinander.

Häufig ist es einfach so, dass sich manche Diskussion einfach nicht lohnt und der Verlust an eigener Energie in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht. Dann lass ich es einfach, da bin ich ehrlich. Ich bin über 50 und der gereifte Käse, um die Metapher nochmal aufzugreifen, bekommt hier und da schon Löcher und da fällt auch mal was durch. Ein Vorgeschmack dessen, was da noch kommt. Denn alter Käse stinkt und irgendwann kippt er und ist ruckzuck vergammelt. Bäääh, nein ich bin doch kein Käse, aber es ist schon etwas Wehmut dabei, dass die Lebenszeit so schnell vergeht. Wo ist das halbe Leben eigentlich geblieben und was will ich mit den nächsten Jahren anfangen? Immer daran denken: das Leben ist endlich und mit zunehmendem Alter neigt die Überlebenschance bei mir und bei dir gegen Null. Wir kommen aus der Nummer nicht lebend raus und diese Erkenntnis macht Zeit und Lebensenergie kostbar.

Irre Zeiten, die keiner will

Ich mag Harmonie, mag es, wenn ich meine Ruhe habe und die Dinge ihren gewohnten Gang gehen. Jaaa, ich bin total langweilig und durchschnittlich könnte man sagen. Empfinde ich selbst bloß nicht so, weil nach meinem Gefühl ich ein aufregendes Innenleben habe, bei dem ganz viel Abenteuerliches im Kopf passiert. Deshalb verbringe ich ja auch so gerne viel Zeit mit mir selbst, weil dann selbst Nichtstun spannend ist. In meiner kleinen lustigen Bettiblase bin ich sehr störungsanfällig und ich reagiere stark auf Dinge, die von Außen kommen. Da bin ich bei Corona schon etwas unter die Räder gekommen, denn die Pandemie hat meine schöne selbstgewählte Ruhe gestört. Etwas strapaziert von Corona und dem ganzen Murks drumherum, wäre ich jetzt wirklich reif gewesen für einige krisenfreie Jahre. Ich finde, wir hätten uns das echt verdient gehabt. Einfach mal Ruhe und stressfrei das Leben genießen. Aber kaum ist wieder fast Normalität und Corona hat den superfiesen Schrecken verloren, kommt die nächste Krise und es gibt Krieg in Europa.

Da sitze ich nun, schüttele den Kopf und würde diese hässliche Kröte Putin, die sich scheinbar das Botox bis ins Hirn hat spritzen lassen, gerne auf einen Planeten weit hinter dem Mars schicken. Alle Menschen auf der Welt sollten friedlich leben dürfen und keiner will doch vor der Zeit sterben für irgendwelche Großmachtsphantasien einer Person. Sorry, wenn jeder meint, einen früheren Stand der Weltkarte wieder herstellen zu wollen, dann bin ich gespannt, wenn die Italiener auf den Trichter kommen und sich wieder das Römische Reich erkämpfen. Der Mensch ist doch eigentlich intelligent, aber leider offensichtlich nicht schlau genug, um sich nicht selbst zu zerstören. All die fürchterlichen Nachrichten jeden Tag und da will ich von den Seiteneffekten, die die ganze Welt betreffen und noch mehr Hunger und Elend bringen werden, nicht anfangen. Es wird sicher auch bei uns noch rumpeliger und wir werden alle in verschiedenen Bereichen mal einen oder zwei Schritte rückwärts gehen müssen. Dabei hätte die Welt viel größere Probleme, wie die Umweltzerstörung und den Klimawandel, gemeinschaftlich zu lösen, als Raketen durch die Luft zu jagen. Es ist ein Trauerspiel und sowas von unnötig und dumm. Dazu tut es richtig weh, durch die Medien so dicht dran zu sein und den Schrecken fast in Echtzeit zu verfolgen. Hoffen wir, dass der kleine Mann – er ist angeblich 1,70 m groß, aber das ist sicher auch um 5 cm gelogen, denn er wirkt viel kleiner – nicht noch endgültig die Nerven verliert und das komplette Waffensortiment auspackt und Richtung Europa schickt. Wenn so viel zerstörerisches Potential in der Hand eines Wahnsinnigen liegt, dann kann und muss einem das Angst machen, denn er kann unsere Welt aus den Angeln heben. Hoffen wir auf ein Ende der Eskalation und Frieden für alle Menschen auf der Welt!

Ich stelle mir häufig die Frage, was und wie viel muss und will ich eigentlich wissen. Für mich ist die Entscheidung klar, dass mir eine Nachrichtendiät ganz gut tut und ich meinen Kopf lieber in Bücher stecke. Da weiß ich, dass mich nicht irgendwelche Eilmeldungen aus dem Konzept bringen und ich kann das Gehirn konsequent nur mit einer Sache befüllen, die ich durch den Inhalt des Buches vorweg festlege. Eine schöne Geschichte als Roman oder neue Erkenntnisse aus einem Sachbuch füllen den Kopf mit positiven Inhalten und schützen vor der deprimierenden Dauerberieselung unserer Medienlandschaft.

Wie gehst du mit dem Schwall an negativen Nachrichten und dem Dauer-Krisenmodus um? Vielleicht hast du ja noch Tipps für mich, jenseits von Sport, Freunde treffen, Entspannung und Nachrichtendiät?

Ohne Gesundheit ist alles nichts

Das Leben läuft weiter und der Alltag und alles, was daran hängt, bleibt bestehen. Gesundheitlich bin ich leider immer noch angeschlagen und muss mich wohl damit abfinden, dass es schwierig bleibt. Meine Hämatologin/Onkologin überwacht meine Blutwerte, die beständig außerhalb der Norm sind und wir warten ab, was weiter passiert. Inzwischen konnten wir noch genetische Mutationen der Stammzelle im Knochenmark finden, die meine krankhafte Überproduktion von Blutzellen zur Folge haben können. Ob die in meinem Blut deutlich vorhandenen erhöhten verschiedenen Blutzellen schon teil einer bösartigen Neoplasie sind, oder in Zusammenhang mit meinen überaktivierten Mastzellen (MCAS) steht, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt ohne Knochenmarksuntersuchung nicht sagen. Meine Ärztin und ich werden im Herbst besprechen, ob eine Knochenmarksuntersuchung gemacht wird und dazu steht im Raum, dass ich in Mannheim in der Uniklinik vorstellig werde, denn da gibt es ein Exzellenzzentrum für myeloproliferative Neoplasien. Leider sind das alles nicht so super Neuigkeiten, denn diese Art von Knochenmarkserkrankungen sind nicht heilbar und verlaufen in Schüben, die sogar häufig in eine Leukämie münden. Das musste ich alles für mich erst einmal verarbeiten und im Kopf sortieren. Ich konzentriere mich daher erst mal auf das jetzt und heute, denn was weiß ich, was vielleicht in einigen Jahren kommt. Jeder hat irgendwann sein Päckchen zu tragen und ob und wann meine Erkrankung den nächsten Schub zündet, weiß niemand und das kann sogar Jahrzehnte dauern. Ich will mir diese Zeit nicht mit Ängsten und Sorgen zerstören, sondern mit dem Wissen um meine Situation, das Leben noch bewusster genießen und mit mir und meinen Mitmenschen freundlich umgehen.

Durch die jetzt schon spürbaren Veränderungen bin ich leider häufig sehr erschöpft, habe immer wieder Knochenschmerzen und eine ganze Reihe weiterer Beschwerden, die meine Lebensqualität zumindest zeitweise einschränken. Nachdem ich die Info bekommen habe, dass in dieser Konstellation mein Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen deutlich erhöht ist, habe ich auch begonnen einige Nährstoffe zu supplementieren und merke schon eine deutliche Verbesserung. Die dauernde Mastzellaktivierung und die übersteigerte Produktion von Blutzellen verbraucht viel mehr an Nährstoffen, als das bei einem gesunden Menschen der Fall ist und dieser Umstand hat mich wohl auch besonders müde gemacht. In diesem Zusammenhang bin ich tief eingetaucht in den Bereich der Nährstofftherapie und das sogar unter Berücksichtigung der eigenen genetischen Veranlagung, denn ich habe mir eine umfassende genetische Auswertung geleistet und habe viele spannende Informationen erhalten, die mir viele AHA-Erlebnisse beschert haben und mich gesundheitlich deutlich weiter gebracht haben.

Aber ich muss auch ehrlich sein, dass diese Art von Erkrankung viel Energie schluckt und ich manchmal Angst habe, dass mir die Kraft fehlt meinen anderen gesundheitlichen Problemen (Diabetes-Erkrankung und erblich bedingter Bluthochdruck) Paroli zu bieten oder auch auch einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das alles so in Kombination mit den momentan heftigeren Hormonschwankungen lässt mich doch gelegentlich mal denken: 53 ist irgendwie totaler Mist!

Lebbe geht weider, sagte schon der Eintracht Frankfurt Philosoph Dragoslav Stepanovic

Sei es drum. Du kennst mich und ich lasse mich nicht unterkriegen. Das Leben ist eine kurvige Strecke und momentan bin ich mal wieder auf einer Schotterstraße unterwegs. Aber ich nutze meinen grundlegenden Optimismus und mache das Beste draus. Alleine was ich alles schon wieder gelernt habe, ist der helle Wahnsinn und mein Kopf ist gefüllt mit vielen spannenden Informationen. Nichts ist so schlecht, dass es nicht auch etwas Gutes hat. Davon bin ich fest überzeugt und werde mir mit diesem Gefühl jetzt einen schönen Geburtstag machen. Ich freue mich auf das nächste Lebensjahr und bin gespannt, welche schönen Erlebnisse auf mich warten.

Hoffentlich wird der Sommer wunderbar, denn ich freue mich schon jetzt auf die Schwimmbadbesuche. Neben einem kleinen Urlaub an die Nordsee planen wir in diesem Jahr auch einen Trip nach Ostwestfalen, wo der Besuch von Studienkollegen meines Mannes auf der Agenda steht. Dann wollen wir im nächsten Jahr unsere Terrasse neu machen lassen und den Garten verschönern. Da geht es nun an die konkrete Planung und Vorfreude ist doch immer noch die schönste Freude. Ich mag es, wenn es daheim schön ist, also lege ich da auch mein Herz in die Gestaltung.

Es ist toll, dass in diesem Jahr wieder Feste stattfinden und unser Leben wieder fast normal geworden ist. Ich hoffe, das bleibt so auch im nächsten Winter und Corona kommt nicht wieder gefährlicher mutiert zurück. Auch hier bin ich optimistisch und lasse mir das auch von Schwarzmalern nicht nehmen. Ich bin geimpft und trage dort, wo es für mich Sinn macht noch Maske und halte Abstand. Dazu gehört für mich auch weiterhin die Maske im Supermarkt. Aber damit ist für mich das Thema Corona für heute erst mal durch.

Das Leben ist schön und alles ist gut, wird mein Mantra für die nächsten 12 Monate

Wenn du mich nun zu meinem heutigen Geburtstag beschenken willst, so freue ich mich, wenn du dir ein Buch von mir gönnst und dir selbst damit etwas Gutes tust. Oder du nutzt – wenn du magst und momentan die Gelegenheit dazu hast – die Unterstützungsmöglichkeit für Happy Carb via Paypal für ein kleines Geldgeschenk.

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Tausend Dank für deine Wertschätzung meiner Arbeit hier.

Bleib gesund und denke positiv.

Ganz liebe Grüße, Betti


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