2022 – Ein Satz mit X

Tagebuch

2022 – Ein Satz mit X

Das war wohl nix….

Nein, ich kann diesem Jahr nicht viel Gutes abgewinnen und fühle mich jetzt am Ende regelrecht zermürbt und ausgepresst wie eine Zitrone. Ich bewundere es, wenn Menschen trotz aller Katastrophen immer gute Laune und Zuversicht behalten. Leider bin ich nicht mit einer so generell positiven Grundhaltung ausgestattet oder habe mit fortgeschrittenem Alter nicht mehr die wohlig kindliche Naivität mit dem Glauben an rosa Einhörner, mit der man so ein bescheidenes Jahr besser ertragen kann. Es wundert mich nicht, dass so viele esoterische Sprücheklopfer aktuell so großen Zulauf haben. Wenn es von außen schon so übel kommt, dann hilft es durchaus, wenn man sich die Welt selbst schönreden kann und man lieber die Flucht ins Innere antritt.

Genug der Krisen, dachte ich vor einem Jahr.

Also ich bin wirklich optimistisch in das Jahr gestartet. Hallo, wir hatten in den vergangenen Jahren eine der größten weltumspannenden Krisen mit der Corona-Pandemie und wir haben das trotz aller Probleme, Streitigkeiten über den Weg und auch der vielen Verluste insgesamt ganz gut gewuppt. Hinterher ist man immer schlauer und ich wusste sowieso nicht, dass in unserer Bevölkerung so eine große Anzahl verkappter Möchtegern-Wissenschaftler hockt, die bis heute gerne ihren Unsinn zum Besten geben. Aber Corona ist uns entgegengekommen und hat sich abgeschwächt und gleichzeitig haben wir die Möglichkeit uns zum Eigenschutz vor schweren Verläufen impfen zu lassen. Ich bin inzwischen 4-fach geimpft und es geht mir gut damit. Das ist für mich vollkommen ausreichend und jeder kann ja nun für sich entscheiden, wie er damit umgehen will. Und wer das Gefühl hat, nur weil ihm nach einer Impfung ein Hammer auf den Fuß fällt, dass daran sicher die Impfung schuld ist, soll das gerne weiterhin glauben. Wir bewegen uns immer in einem Raum, wo es nicht nur schwarz und weiß gibt und wir uns die Grautöne langsam wissenschaftlich erarbeiten müssen. Es gibt sicher Menschen mit Impfreaktionen und es gibt sehr viel mehr Menschen, die keinerlei Nebenwirkungen entwickelt haben. Die Gründe dafür zu erforschen braucht Zeit und dazu müssen wir damit leben, dass wir trotz aller Gemeinsamkeiten eben doch ein individuell zusammengesetztes menschliches Puzzle sind. Das wird gerade in der Medizin deutlich und auch bei der Ernährung. Die Zukunft der Medizin und der Ernährung wird genbasiert sein. Nein, wir müssen da keine Angst haben, denn es geht ja darum zu verstehen, warum bei dem einen ein Medikament wirkt und beim anderen nicht. Warum bei dem einen gesättigtes Fett das Cholesterin hochtreibt und warum bei der anderen Person nicht. Und die individuelle Genetik beantwortet diese Fragen zumindest teilweise, aber dann kommen natürlich noch der Lebensstil und die Umgebungseinflüsse dazu. Alles hat wohl seine guten Gründe, nur verstehen wir die zu einem guten Teil leider heute noch nicht. Aber die Entschlüsselung macht riesige Fortschritte und ist inzwischen selbst für normale Menschen zugänglich.

Wozu sind Kriege da?

Nach der fast beendeten Corona-Krise waren wir zack in der nächsten Krise. Der Februar hat unsere Welt erneut durcheinandergewirbelt. Der Angriff von Putin auf Russland hat etwas wahr gemacht, was ich mir nicht habe vorstellen können. Ein Krieg in Europa, nur so weit entfernt, wie ein kurzer Urlaubsflug. Putin hat unsere Zivilisation in den Rückwärtsgang geschossen. Ich komme aus einer Jugend des Kalten Krieges, wo Abrüstung ein großes Thema war und ich habe Frieden und die Lernfähigkeit aus der Vergangenheit immer als Errungenschaft angesehen und wurde nun eines besseren belehrt. Nein, es gibt sie noch, die imperialistischen Herrscher, die ein Welt- und Menschenbild von 1850 verinnerlicht haben. Es ist schrecklich, was da in der Ukraine passiert und was die Menschen erleiden müssen. Aber ich bin auch beeindruckt, was die Ukraine da an Gegenwehr leistet mit Unterstützung des Westens. Hätte Putin Deutschland angegriffen, hätten unsere Soldaten in löchrigen Socken aus kaputten Panzern blöd rausgeschaut und wir wären voll auf unsere Nato-Partner angewiesen gewesen. Mehr als eine Gulaschkanone wäre bei uns wohl nicht in Einsatz gekommen. Aber es wummst ja jetzt bei der Bundeswehr und mal sehen, ob nach 100 Milliarden Sondervermögen, eine elegante Umschreibung für ungeplante Neuschulden, dann endlich was fährt und bei Schießübungen nicht noch weiterhin „Peng“ gerufen werden muss. Das Budget war ja früher auch nicht klein und ist trotzdem scheinbar jedes Jahr unwirksam verpufft. Geldhaufen verbrennen, das können wir hier in Deutschland ja besonders gut. Eine extrem teure Form zu heizen, sollte denen vielleicht in Berlin mal jemand sagen.

Waffen liefern in einen Krieg ist harter Tobak, aber ich bin da ehrlich und würde mein Nachbar über meine Grundstücksgrenze steigen und unter Anwendung von körperlicher Gewalt behaupten, die Fläche gehört jetzt ihm, dann würde ich ihm nach ausgiebigen Gesprächsversuchen und wenn er mich tätlich angreift, eben auch mit einem breiten Knüppel auf den Kopf schlagen. Und sich auf halbem Weg zu treffen und eine neue Grenze zu ziehen, wäre für mich dann ehrlich gesagt auch kein Verhandlungsansatz.

Angriff und Verteidigung sind zwei paar Schuhe und selbst, wenn es vielleicht schon länger Zwist gab und auch beide Seiten Dreck am Stecken haben, ist das, was Putin da vom Zaun gebrochen hat, ein Unding und er gehört mit vereinten Kräften in die Schranken gewiesen. Auch hier kann man sicher über die Maßnahmen diskutieren, gerade weil nur ein Teil der Welt diesen Krieg sanktioniert und es auf dem Weg Profiteure gibt und eben Verlierer, die nun unter den extrem gestiegenen Energiekosten und den hohen Lebensmittelpreisen leiden.

Nicht jede unserer Sanktionsmaßnahmen war da wirklich intelligent, aber der größte Verlierer ist momentan jedoch die Ukraine, die mit Blut einen noch höheren Preis bezahlt. So viel Leid und Zerstörung. Kinderseelen, die ein Leben lang gezeichnet sein werden. Hoffentlich fällt die hässliche Kröte Putin richtig auf die Nase und es kommt nicht ein noch verrückterer Irrer nach. Keine Ahnung, was die da in Russland noch für Freaks aus dem Köcher zaubern können. Wahrscheinlich schon als Säugling in Wodka gebadet.

Keiner bleibt außen vor und die Preise steigen.

Der aktuelle Krisenreigen macht vor niemandem halt. Du hast es wahrscheinlich auch gemerkt, das Leben ist teurer geworden. Heizen, Strom, die Lebensmittel und fast jeder Artikel des täglichen Bedarfs. Selbst meine Happy-Carb-Bücher wurden in diesem Jahr teurer. Als der Preis von 12 Euro im Jahr 2016 kalkuliert wurde, war natürlich nicht absehbar, dass sich die Produktionskosten so stark erhöhen würden. Und so kam es nach 6 Jahren ohne Preiserhöhung zu einem neuen Preis von 14 Euro pro Buch. Kann man doof finden, aber als der Verlag auf mich zukam in der Angelegenheit, musste auch ich erkennen, dass es eben nicht mehr zu dem alten Preis geht. Aber vergleiche ich, was andere Bücher heute kosten, die oftmals mit weniger Liebe zum Detail gestaltet werden, ist meiner Meinung nach das Preis-Leistungs-Verhältnis immer noch supergut.

Die massiven Preissteigerungen ab Mitte des Jahres haben dann auch dazu geführt, dass die Menschen angefangen haben zu sparen und meine Buchverkäufe waren schnell sehr rückläufig. Gleichzeitig sind die Spendeneinnahmen auf Happy Carb fast komplett eingebrochen und erst zu Weihnachten kamen wieder vereinzelt kleine Spenden. Ich verstehe das, denn jeder kann sein Geld nur einmal ausgeben und die Prioritäten haben sich verschoben. Aber beides hat nun wiederum zur Folge, dass ich mich im kommenden Jahr beruflich neu aufstellen muss, um meinen Lebensunterhalt wieder ausreichend sichern zu können. Die Krise wird morgen nicht vorbei sein und darauf muss auch ich reagieren. Schließlich laufen für den Betrieb monatlich Kosten für Hosting und Co auf und wir können nicht einfach aufhören unsere Rechnungen zu bezahlen, nur weil die Einnahmen wegbrechen. Diese Unausgewogenheit hat mir in den letzten Monaten große Sorgen und Kopfzerbrechen bereitet. Stand heute, habe ich dazu auch keinen Vertrag für ein weiteres Happy-Carb-Buch vorliegen und so lange mein neues Gemüsebuch noch auf Käufer wartet, ist auch die Option eines weiteren eigenen selbstverlegten Buches kein realistisches Szenario. Ich gehe bei so einem eigenen Buch ja mit sehr viel Geld für Grafik und Druck in Vorlage, was natürlich immer ein hohes Risiko bedeutet. So stecke ich am Ende wegen eines durchgeknallten Russens auf einmal beruflich und finanziell in einer Sackgasse und muss nun zusehen, ob und wie alles weitergeht. Hatte ich mir 2022 so vorgestellt? Nööö, aber du sicher auch nicht und wir müssen es jetzt nehmen, wie es ist.

Wenn es mal nicht läuft, kommen noch persönliche Probleme dazu.

Aber zu all den Sorgen kamen dann im Herbst auch noch gesundheitliche Probleme bei meinem Mann hinzu. Er hatte in der ersten Oktoberwoche auf einmal starke Rückenschmerzen und nachdem verschiedene Arztbesuche und Behandlungen nicht fruchteten, musste ein MRT gemacht werden. Es war ein großer Bandscheibenvorfall, der heftig auf den Ischiasnerv drückte und nach 6 Wochen war immer noch keine Schmerzlinderung oder Verbesserung der neurologischen Symptome sichtbar. Also ging die Reise weiter zu einem Neurochirurgen, den wir hier natürlich im Odenwald nicht haben. Es zog uns Richtung Bayern und dort wurde dann dringend empfohlen, dass Carsten operiert wird. Die Operation erfolgte dann auch schon nach einer Woche und endlich wurde dort die Ursache für die großen Schmerzen entfernt. Natürlich war mein Mann der Hauptbetroffene, aber ich habe doch schon sehr mit seinen Schmerzen mitgelitten und es was sehr schwierig für mich, weil so kein Prozess der Besserung zu sehen war. Erst nach der OP wurde es besser, wenn auch die neurologischen Probleme noch teilweise vorhanden sind. Nach einer kurzen Stippvisite daheim ging die Reise für meinen Mann dann weiter zur Anschlussheilbehandlung, wo er sich zu allem Unglück noch Corona einfangen hat und für 9 Tage in der Quarantäne-Station isoliert wurde. Ich habe ja geschrieben, wenn es mal nicht läuft, dann kommen auch noch persönliche Widrigkeiten dazu. Jetzt zu Weihnachten waren wir endlich wieder vereint hier daheim, aber ich bin nach all der Aufregung, in Kombination mit all den anderen Sorgen, erst mal platt.

Ich mag das Jahr nicht mehr.

Mir reicht es und ich weine diesem Jahr keine Träne nach. Keine Ahnung, was das neue Jahr bringen wird, aber ich habe zumindest die leise Hoffnung, dass der Krieg in der Ukraine irgendwann im nächsten Jahr sein Ende finden wird. Kein Krieg dauert ewig. Die Preissteigerungen werden sich verlangsamen, aber der Preissprung, denn wir 2022 und 2023 erleben, wird bleiben. Das tägliche Leben wird also teuerer sein und das ist schlecht für viele Menschen in diesem Land. Unsere Politiker können schließlich nicht ständig das Geld rauswummsen und noch und nöcher Schulden machen. Die Zinsen steigen weltweit und das wird auch Deutschland bereits im nächsten Jahr deutlich spüren. In der Politik kommt das noch nicht ganz so an, dass die Musik bald leiser wird und sich in wenigen Jahren größere Probleme auftun werden. Die auflaufenden Zinsen, der Berg an zu zahlenden Beamtenpensionen werden uns noch große Schwierigkeiten machen. Aber Politiker haben einen sehr gut funktionierenden Verdrängungsmechanismus und das schon seit vielen Jahren. Wir handeln einfach weiter nach dem Motto, was kostet die Welt und meistens kommt unter dem Strich nicht viel raus. Irgendwer wird es irgendwann schon bezahlen, bloß bitte heute nicht daran denken und lösbare Probleme lieber mit neuen Schulden zuschütten.

Und das knappe Geld in der ganzen Welt umzuverteilen, sollte auch vernünftige Grenzen haben. Natürlich ist es wichtig, dass wir uns beteiligen und als reiches Land an anderer Stelle helfen. Aber manchmal glaube ich, dass sich Deutschland die Zuneigung auf der ganzen Welt erkaufen will. Und das funktioniert offensichtlich nicht. Klappt ja nicht mal in Europa, schaue ich mir die Ergebnisse des tollen Musikwettbewerbs an oder die Schadenfreude des Auslands, wenn bei uns was nicht klappt. Auf jeder Geberkonferenz holen wir die Geldkanone raus und an jedem Tag wacht ein anderer Staat auf, der von uns Geld fordert, weil er für sonstwas entschädigt werden will. Im Gegenzug warten im Ahrtal die Menschen immer noch auf Gelder und Aufbau, weil Bürokratismus und Handwerkermangel bremst. Wenn das Geld dorthin so schnell fließen würde, wie ins Ausland, wäre vielen geholfen. Hier werden Schwimmbäder und andere öffentliche Einrichtungen geschlossen und da finde ich es befremdend, wenn wir in die EU in nur einem Jahr 25,1 Milliarden als Nettozahler schieben, um zum Beispiel die Vetternwirtschaft in Ungarn zu finanzieren und deren Luxus, alle Flüchtlinge jenseits der Ukrainer abzulehnen. Aber das EU-Parlament hat ja nun ganz neue Probleme, denn offensichtlich gibt es auch da eine Affinität für Geldsäcke in der heimatlichen Wohnung. Also es gibt Probleme offensichtlich nicht nur in Deutschland. Wahrscheinlich bin ich einfach nur zu doof um das zu verstehen und dann auch noch gut zu finden.

Aber ich denke, wir laufen hier auf schwierige Zeiten zu und ich muss ehrlich sagen, dass ich diesen Zustand eigentlich erst in 10 Jahren habe kommen sehen. Dann, wenn die bevölkerungsstarken Jahrgänge zu großen Teilen in Rente sind und es richtig eng wird. Fachkräftemangel ist ja auch ein Thema des Jahres gewesen. Selbst als normaler Bürger wird einem an allen Ecken und Enden klar, dass wir zwar ein Bürokratiemonster sind, aber nicht mehr viel zusammenläuft, um den Bürger in seinem Leben effizient zu unterstützten.

Das Leben in Deutschland wird mühsamer.

Ich glaube, inzwischen merkt jeder einige der Probleme, die wir in Deutschland haben. Von der Suche nach einem Kitaplatz bis zum Pflegeheimplatz für die Eltern. Früher oder später hängen wir alle irgendwo in dem wahnwitzigen fehlgesteuerten System fest oder haben mit dem Ergebnis jahrelanger Fehlsteuerung zu kämpfen. Ob in den Bereichen Bildung, Digitalisierung, Energiewirtschaft, Verkehrsinfrastruktur, Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Wohnungsbau, Militär, Umweltschutz. Eigentlich gibt es keinen Zweig, in den die öffentliche Hand irgendwie hineinpfuschelt, wo ich sagen würde, es läuft richtig gut. Und nein, ich will das nicht unserer neuen Regierung alleine anlasten, denn wenn der Karren schon seit Jahren im Morast festsitzt, dann fällt es kaum noch auf, wenn man die Sache noch schlimmer macht. Fachkräftemangel zeigt sich in der Politik doch recht deutlich. Da muss ich nur an unseren strubbeligen Wirtschaftsminister denken und seinen Krampf den Begriff Insolvenz zu erklären. Politiker geht in Deutschland scheinbar immer, auch wenn man nix gelernt hat und sich bisher von echter Arbeit ferngehalten hat.

Es ist beunruhigend, wie viele Baustellen es bei uns gibt, wo dringend Handlungsbedarf besteht. Eine Herausforderung, besonders für die junge Generation, will diese nicht irgendwann in Wohlstandsschulden ersaufen. Hoffen wir also auf die Generation Work-Life-Balance, die mit den Pausen, Sabbaticals und Teilzeitarbeit direkt nach der Schule oder dem Studium anfängt, oder sich gleich auf der Straße festklebt, um theatralisch das Versprechen zu heulen, dass sie die letzte Generation ist. Wenn ihr die Welt ändern wollt, dann macht Erfindungen, die ihren Teil dazu leisten, denn mit dem Wunsch, zurück in die Steinzeit, werdet ihr jenseits von Deutschland nirgends punkten. Natürlich ist es notwendig, dass Dinge sich ändern und Naturschutz, Vermüllung und CO2-Ausstoß bekämpft werden, aber ein Großteil dessen wird über Technologie passieren müssen, weil sonst der in Kopfzahlen größte Teil der Welt nicht mitmachen wird. Und es gibt ja auch Chancen, gerade für Deutschland, dem Land der Ingenieure und Tüftler. Die jungen Klimakleber erleben vielleicht noch Energie, die aus Kernfusion entsteht und dann werden sie wahrscheinlich verwundert und kopfschüttelnd auf unsere Windkraftparks schauen, die wir heute aus dem Boden zaubern. So weit sind wir noch nicht, aber es gibt wirklich schlaue Menschen, die arbeiten in diesem Moment an unserer Zukunft und die werden mit ihrer Forschungsarbeit mehr erreichen, als die Klimakleber, die nur dumm auf der Straße hocken und plärren.

Fachkräfte braucht das Land.

Eigentlich brauchen wir in Deutschland eine kontinuierliche Fachkräftezuwanderung. Aber die Realität ist, dass wir in Deutschland eine Fachkräfteabwanderung erleben, denn Auswandern ist sehr angesagt und gut ausgebildete deutsche Fachkräfte sind in der ganzen Welt gefragt. Und die Zuwanderung, die wir haben, das sind nun mal nicht die große Anzahl an Ingenieuren, Informatikern, Handwerkern und Pflegekräften, die wir dringend bräuchten. Warum sollten die auch zu uns kommen?

Ich habe vor 20 Jahren in der IT-Branche gearbeitet und damals zu Zeiten des Neuen Marktes war es auch schon ein großes Thema in der Politik, dass viele Inder und andere Nationalitäten kommen sollten, um uns in Deutschland in der Software-Branche zu helfen. Damals gab extra die Green Card, um die Zuwanderung für IT-ler zu vereinfachen. Aber schon im Jahr 2000 haben wir bei den Kontakten gespürt, dass, wenn Kandidaten in der ganzen Welt arbeiten können, die High-Potentials eben nicht dort leben und arbeiten wollen, wo die Steuer- und Sozialabgaben extrem hoch sind. Leistungsträger schauen da genau hin und wollen sich nicht die Hälfte des Einkommens abknöpfen lassen für einen bräsigen Verwaltungsapparat, der extrem ineffektiv arbeitet, wo scheinbar das Faxgerät die neueste Technik ist, wie wir während Corona gelernt haben. Und hey, andere Länder bieten sogar noch besseres Wetter und meist eine Sprache, die einfacher zu erlernen ist als Deutsch. Ach ja, vor 20 Jahren war es schon schwer internationale Fachkräfte anzuheuern und damals war Deutschland irgendwie noch positiv in der Welt bekannt im Gegensatz zu heute, wo man sich nicht mal mehr auf das Thema Fußball verlassen kann. Früher wurdest du auf der ganzen Welt auf den deutschen Fußball und Beckenbauer angesprochen, heute zieht man bei dem Thema lieber den Kopf ein und schwelgt maximal noch in den guten alten Zeiten. Also realistisch gesehen werden die richtig guten Leute, wenn nicht gerade Geldwäsche oder Juwelenraub deren Haupttätigkeit ist, einen großen Bogen um Deutschland machen.

Im Gegenzug haben wir hier in Deutschland etwa 2,5 Millionen unbeschäftigte Menschen, die „angeblich“ Arbeit suchen, aber wir finden nicht mal Personal für  „Anlernberufe“, wo sich mit gutem Willen und etwas Fleiß reinzufuchsen wäre. Wie zum Beispiel am Flughafen die Koffer von A nach B zu karren, denn das kann ja keine Raketentechnik sein, für die es spezielle Fachkräfte braucht. Zupacken muss man können und nicht auf den Kopf gefallen, aber das scheint heute schon zu viel Anforderung zu sein, schaue ich mir wieder die aktuellen Bilder vom Chaos an den Flughäfen wegen des Weihnachtsurlaubes an.

Da ist richtig was aus dem Ruder gelaufen und der arbeitende Durchschnittsbürger ist der Dumme, der die ganze Party finanziert und dann am besten noch 50 Arbeitsjahre, bis er 70 Jahre alt ist, ackern soll. Du merkst es, ich bin der Politikerkaste und deren Entscheidungen und lustigen Ideen überdrüssig und kann das auch an keiner Partei festmachen. Übergreifend muss man sagen, dass scheinbar der Kontakt der Politik mit den normalen Leuten und ihren Nöten verloren gegangen ist. Einzig das Finanzamt scheint in Deutschland noch gut zu funktionieren, denn die wollen zuverlässig und regelmäßig ihr Geld von mir.

Viel Gejammer und wenig wird sich ändern.

Vielleicht hältst du mich jetzt für eine Jammerliese auf verwöhntem Level, was auch stimmt, so im weltweiten Vergleich. Aber nach einem Jahr, in dem mein Mann und ich uns mehrfach in unserem Gesundheitswesen mit Schmerzen blockiert fühlten, wir es schwer hatten geeignete Handwerker zu finden, die auch verlässlich kommen und gute Arbeit leisten, Medikamente, die ich gebraucht hätte, nicht zu bekommen waren, der Paketbote wegen mangelnder Lesefähigkeit offensichtlich gescheitert ist und die Deutsche Bahn uns mit der ihr eigenen Willkür aus der Bahn geworfen hat, kann das alles kein einzelnes Pech mehr sein. Der erste Versuch der neuen Grundsteuererklärung scheiterte an der Technik und für den zweiten Versuch ist mir momentan immer noch die Lust vergangen. Aber wie schön, nie hatten wir mehr teuer und gut versorgte Bundestagsabgeordnete und mehr „Beauftragte“, die für viel Geld sich jeden Monat darum kümmern können, dass einzelne Individuen nicht spezifizierter Art ein eigenes Pinkelpalästchen bekommen. Sorry, das war nicht ladylike, aber zum Glück bin ich hier ja keine Nachrichtenseite, sondern lasse gerade mal meinen persönlichen Frust raus. Meinungsfreiheit, da stehe ich doch drauf. Wie immer kannst du das alles ganz anders sehen, denn du hast ja auch deine eigenen Erfahrungen.

Ja, wir sind hier in Deutschland im Rückwärtsgang, viele Rankings bestätigen das. Es würde uns gut stehen, auch mal dahin zu schauen, wo es besser läuft, wo manche Probleme bereits geschickter gelöst wurden und sollten nicht in der ganzen Welt so zu tun, als hätten wir die Weisheit mit Löffeln gefressen und wären Moralweltmeister. Wobei, wenn es sonst schon nicht zum Weltmeistertitel reicht, dann glänzen wir halt mit Besserwissertum. Wie lächerlich. Wenn ein Land ohne Not die Kernenergie abschaltet und nicht bereit ist selbst Gas aus dem Boden zu holen, dann sollte man auch beides nicht von anderen Ländern importieren. Das ist eine verlogene Grütze, denn wir kaufen Energie ein, die im Ausland teilweise unter schmutzigeren Bedingungen erzeugt wurde, als wir das könnten. Im Gegenzug leisten wir uns 800 Millionen Euro an Windparkbetreiber zu zahlen, deren Strom nicht genutzt werden kann, weil es keine Stromtrassen gibt, um den Strom zu den Verbrauchern zu transportieren. Gleichzeitig ist der Strompreis für uns Verbraucher verrückt hoch, weil für die Berechnung des Strompreises die Herstellung von Strom auf Basis von Gas angesetzt wird. Natürlich ist das total durchgeknallt und statt diesen Mechanismus einfach zu kippen, hauen wir lieber den Doppel-Wumms an neuen Steuerschulden raus. Warum einfach und effizient für ganz Europa regeln, wenn es auch kompliziert und teuer geht? Wie wenig Hirnzellen können sich eigentlich in einem Politikergehirn befinden? Es ist wie im Irrenhaus und die ganze Nation schaut zu und zahlt für nix.

Vielleicht konzentrieren wir uns mal wieder auf uns und kramen das raus, was uns über viele Jahre Wohlstand generiert hat. Erfindertum, Fleiß und die Bereitschaft, sich auch mal für ein Ziel zu quälen. Denn, wenn wir weitermachen wie die letzten 10 Jahre, dann wird der Geldfluss dünner und wir werden mehr CO2 einsparen, als uns lieb ist. Deindustrialisierung und Armut ist sehr CO2 freundlich. Dann sind wir nämlich auf dem direkten Weg ein Schwellenland zu werden und werden vielleicht mal noch selbst Bittsteller werden bei Ländern, über deren Systeme wir heute noch überheblich urteilen. Die Welt ist im Wandel und es ist kein Gesetz, dass das fette Deutschland immer oben auf der Suppe schwimmt. Unsere Ausbeutungsvorteile der letzten 150 Jahre schwinden und wo unser Platz in der zukünftigen Welt sein wird, wird von uns selbst abhängen. Wir haben eine sehr gute Basis und dürfen das jetzt nicht leichtfertig verspielen. Und nein, mit Gendern werden wir keine internationalen Wettbewerbsvorteile erzeugen, nur um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen.

Ja, in vielen Teilen der Welt herrschen andere, teilweise auch religiös geprägte Wertesysteme und das ist oft schräg und schwer auszuhalten. Aber Veränderung muss aus den Ländern selbst kommen und muss sich entwickeln. Schau mal 100 oder auch nur 50 Jahre zurück, da durften Frauen hier in Deutschland noch nicht mal ohne Erlaubnis ihrer Männer arbeiten. Da kann man sich vorstellen, wie weit der Weg einer gesellschaftlichen Entwicklung ist und wie steinig er in manchen Ländern noch sein wird. Da müssen wir nur mal in den Iran schauen. Der Mut der Menschen dort, insbesondere der Frauen, hat meine größte Bewunderung und sie sind auch ein Zeichen der Hoffnung, dass Veränderung irgendwann möglich wird. Die Saat ist gesät und die Pflanze der Freiheit wird sich hoffentlich ausbreiten.

Es ist viel passiert, jetzt ist auch mal gut 2022.

Was kommt, kann ich jetzt nicht sagen, denn ich bin leer in der Birne und eins haben wir doch in den vergangenen Jahren gelernt: Es kommt eh anders, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Von daher wünsche ich dir einen gesunden Rutsch ins neue Jahr und freue mich wie immer, dass du meinen langen Beitrag bis zum Ende durchgelesen hast. Ich bin hier zwar in erster Linie ein Foodblog, aber manchmal geht eben die Tastatur mit mir durch, denn ich bin mehr als „nur“ Rezepte.

Falls du mein tolles Gemüsekochbuch «Total geniales Gemüse – 88 kreative Lieblingsrezepte für die Extraportion Gemüse jeden Tag» tatsächlich noch nicht daheim hast, dann solltest du es ganz schnell kaufen und bitte auch eine Bewertung auf Amazon oder Co hinterlassen, denn davon hängt die Sichtbarkeit meines Buches ab. Ohne deine Hilfe geht es leider nicht und ich bedanke mich für deine Unterstützung.

Total geniales Gemüse von Bettina Meiselbach
Total geniales Gemüse – 88 kreative Lieblingsrezepte für die Extraportion Gemüse jeden Tag
Buchformat: 160 Seiten, 17 x 24 cm, gebundenes Buch, Hardcover
ISBN: 978-3-98595-210-6, als Selfpublisher, Vertrieb durch Nova MD
Preis (inkl. MwSt.): 22,00 Euro

 

Falls du wie ich an Weihnachten zu viel gegessen hast, so will ich auf meinen neuestes Happy-Carb-Buch hinweisen. Es geht in dem neuen Buch nur um das Thema Abnehmen und dazu braucht es ein paar Kalorien weniger auf dem Teller. Die passenden Rezepte findest du im brandneuen Buch «Low Carb Low Calories – 55 Schlankmacher-Rezepte mit maximal 400 Kalorien». Die offizielle Buchvorstellung kommt dann kommendes Wochenende.

Low Carb Low Calories von Bettina Meiselbach
Low Carb Low Calories – 55 Schlankmacher-Rezepte mit maximal 400 Kalorien
Buchformat: 144 Seiten, 14,8 x 21 cm, gebundenes Buch, Hardcover
ISBN: 978-3-95814-338-8, Systemed Verlag als Imprint der Münchner Verlagsgruppe/Riva
Preis (inkl. MwSt.): 14,00 Euro (eBook: 11,99 Euro)

Und wenn du sagst, Bücher sind total doof und altmodisch, aber ich will die Arbeit von Betti und Carsten hier unterstützen, dann bin ich auch einer Spende nicht abgeneigt. Du kennst ja unsere Option, Happy Carb per Paypal zu unterstützen. Tausend Dank für die Hilfe, gerade in diesen besonderen Zeiten.

 

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Gerne habe ich in meinem Jahresendbeitrag etwas Musik dabei, denn Musik macht mir immer ein gutes Gefühl. Und in diesem Jahr ehre ich einen Künstler, der mich über 30 Jahre immer wieder mit seiner besonderen Musik berührt hat. Bereits im Januar 2022 verstarb Meat Loaf, dessen Hits unvergessen bleiben. Bei der Recherche habe ich dann auch gelesen, dass sein Songwriter Jim Steinman, der auch für Bonnie Tyler, Sisters of Mercy etc. Hits schrieb, bereits im April 2021 verstarb. Ich bin mir sicher, die beiden lassen es da oben richtig krachen. Einer der ruhigen Titel aus der Feder von Steinman und gesungen von Meat Loaf ist „Heaven can wait“, hier in einer Live-Version von 2016. Jetzt konnte der Himmel doch nicht auf Michael Lee Aday warten. RIP!

Jetzt wünsche ich uns ein gesundes und positives neues Jahr und vor allen Dingen Frieden in der Welt. Wenn wir mit Harmonie und Ruhe um uns herum anfangen, haben wir ja schon mal einen großen Schritt getan, um unsere direkte Umwelt und das Zusammenleben schöner zu machen. Bei aller Kritik bin ich dankbar, dass wir nicht täglich um unser Leben fürchten müssen und wir satt in einer warmen und hellen Wohnung sitzen. Aber 2022 hat uns gezeigt, dass sich alles schnell ändern kann und nichts als selbstverständlich wahrgenommen werden sollte.

Die Kommentarfunktion öffnet sich erst wieder im neuen Jahr. Ich brauche nach all dem Trubel die vergangenen Wochen nochmal 2-3 Tage Pause für mich. Dann geht es hier auch wieder um gesunde Gemüserezepte, in alter Frische und mit neuer Energie.

Ganz liebe Grüße und einen gesunden Rutsch nach 2023 wünscht, deine Betti

 

 


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