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Es ist Weltdiabetestag und ich wünsch mir was!

Diabetes

Es ist Weltdiabetestag und ich wünsch mir was!

Heute ist Weltdiabetestag und meine eigene Diabetes-Typ-2-Diagnose wird dazu auch fast genau 4 Jahre alt.

Mir ist gerade neulich aufgefallen, dass meine eigene Diabetes-Diagnose und der Weltdiabetestag nicht weit entfernt voneinander liegen. Vor genau 4 Jahren hockte ich nämlich in einer Rehaklinik um mich von einem Burnout zu erholen, als mich die “Zufallsdiagnose” Diabetes umhaute. Seitdem hat sich mein Leben komplett verändert. Und der Weltdiabetestag, den ich früher nicht bewusst wahrgenommen habe, bringt mich jedes Jahr erneut zum Nachdenken.

Wo stehe ich, was kann ich besser machen? Wo habe ich vielleicht angefangen nachzulassen, weil es mir manchmal zu unbequem ist oder ich mich zu sicher fühle?

Diabetes hat ja kein Ende, wo man ankommt und dann ist juchuuu, fertig und geschafft. Nein, Diabetes ist ein dauerhafter Sparringspartner, der einen täglich neu fordert. Deshalb ist der Weltdiabetestag ein guter Termin um sich an das zu erinnern, was es mir ermöglicht hat, seit inzwischen 3 Jahren frei von allen blutzuckersenkenden Medikamenten zu sein:

  • weniger Kohlenhydrate auf dem Teller
  • eine bessere Nährstoffversorgung durch eine gesündere Lebensmittelauswahl
  • viele Kilos weniger auf den Rippen
  • regelmäßige Bewegung
  • mehr Sonne und Sauerstoff in meinem Leben
  • besser auf die eigenen Bedürfnisse achten, was Ruhe und Pausen angeht
  • Schlafen nicht als Zeiträuber, sondern als Energietankstelle sehen und nutzen
  • Nein sagen, wenn ich etwas nicht will, auch wenn andere mich deshalb blöd finden
  • positiv denken, egal wie hoch ich im Mist stehe.

Warum ist der Weltdiabetestag im November?

Kann man sich schließlich schon mal fragen. Entschuldigung, aber im grauesten Monat überhaupt, eingepfercht zwischen Feiertagen, die den Tod als Thema haben, finde ich den Termin nicht sehr motivierend gewählt. Diabetiker brauchen Schwung und Energie um sich neuen Themen wie gesunder Ernährung und regelmäßiger Bewegung zu widmen. Vielleicht bin ich da etwas mimimi, aber im November rufen im Supermarkt bereits die Lebkuchen von den Regalen und die größte Fressphase des Jahres steht kurz bevor. Dazu ist das Wetter in Deutschland so bescheiden, dass man nicht raus will um sich zu bewegen und selbst wenn man will, ist es zu schnell wieder dunkel. So zackig kann sich ja niemand die Laufschuhe schnüren.

Irgendwie fühlt sich das für mich falsch an und ich würde gerne tauschen. Was denkst du vom 20. April als zukünftigen Weltdiabetestag? Da sind die Säfte im Ansteigen und der Frühling liegt in der Luft. An dem Tag ist aktuell der “Internationale Kiffertag”. Ich will niemanden diskriminieren, aber ich glaube, es kifft sich auch ganz gut im November. Also ich bin für einen Tausch, zumindest in unseren Breitengraden.

Du auch?

Da hätten wir schon den ersten Wunsch, den ich heute auf der Agenda habe. Aber es geht noch weiter, denn wenn es um das Thema Typ-2-Diabetes geht, haben sich so einige Wünsche aufgestaut, die ich gerne loswerden will.

Natürlich will ich noch schnell klugscheißern und erklären, weshalb der Weltdiabetestag immer am 14. November ist. Denn man hat den Tag ausgewählt, an dem Frederick G. Banting geboren wurde, der gemeinsam mit Charles Herbert Best, im Jahr 1921 das lebenswichtige Insulin entdeckte. Also wenn es schon keinen Datumswechsel geben kann, sollte es zumindest in Deutschland im April noch einen zusätzlichen Diabetes-Aktionstag geben. Das wäre doch eine tolle Sache und das wünsch ich mir jetzt einfach mal so!

Betti in Denkerpose

Die Dunkelziffer an unerkannten Diabetikern muss weg.

Irgendwo da draußen in Deutschland schwirren etwa 2 Millionen Typ-2-Diabetiker herum, die noch keine Ahnung davon haben, was sich gerade im eigenen Körper abspielt. Und die schlechteste, und ungesündeste Art mit Diabetes umzugehen ist die, es nicht zu wissen und somit nichts zu machen. Es sind da also verdammt viele Menschen unterwegs, die haben zu hohe Blutzuckerwerte und schaden sich genau in diesem Moment damit. Du kennst bestimmt jemanden, wo das so ist. Ich war ja auch eine von denen, die dazu selbst nicht hinsehen wollte und verdrängt hat, was das Zeug hält, bis ich in der Rehaklinik beim allgemeinen Gesundheitscheck aufgefallen bin.

Bitte nutzt die Vorsorgemöglichkeiten, die es gibt und motiviert Menschen um euch herum, dies auch zu tun. Diabetes tut nicht weh, und wenn es weh tut, ist der Schaden meist nicht mehr umkehrbar. Also ran an den Pikser und lasst euch testen.

Übrigens bieten auch viele Apotheken ganz unkompliziert einen Blutzuckertest an. Das ist nicht mal teuer. Mein Besuch in der hiesigen Apotheke hat ergeben, dass es gerade mal 1 Euro kostet, den Blutzucker testen zu lassen. Also geht hin und schleppt Vater, Mutter, Tanten und Onkels gleich mit. Vorzugsweise mit leerem Bauch am frühen Morgen. Der Nüchternwert ist sicher noch keine amtliche Diagnose, aber gibt einen Hinweis, ob es notwendig ist den Hausarzt aufzusuchen um den Langzeitwert prüfen zu lassen. Alle Infos und den gemessen Wert beurteilen, macht die Apotheke. Ihr seid da also nicht alleingelassen. Entweder ihr geht hinterher beruhigt raus oder ihr rettet mit 1 Euro vielleicht die eigene Gesundheit oder die Gesundheit der Menschen, die euch wichtig sind.

Typ-2-Diabetiker verbündet euch untereinander.

Wenn ich in den letzten Monaten eines bemerkt habe, dann dass Typ-2-Diabetiker häufig die Krankheit mit sich ausmachen und nicht wirklich gut untereinander vernetzt sind. Schau dir die Typ-1-Diabetiker an, wo es eine riesige Community, unzählige Blogs und einen tollen Zusammenhalt und Austausch gibt. Bei den Typ-2-Diabetikern ist das bei weitem nicht so ausgeprägt. Die geringere Vernetzung der Typ-2-Diabetiker hat sicher verschiedene Gründe. Zum einen sind wir deutlich älter und kommunizieren auf anderen Wegen, als das die jüngeren Leute heute tun. Zum anderen ist es so, dass es nach meinem Empfinden viele Diabetiker gibt, denen die eigene Erkrankung unangenehm ist und dazu die Bereitschaft, sich über die Notwendigkeiten der Behandlung hinaus mit der Krankheit zu befassen, wesentlich geringer ist im Vergleich zu den Typ-1-Diabetikern.

Wir sind hier auf meinem Blog ja auch ein kleines Diabetes-Netzwerk, aber natürlich erreiche ich überwiegend Diabetiker, die affin sind für die kohlenhydratreduzierte Ernährung. Es gibt jedoch noch viel mehr Typ-2-Diabetiker, die ganz anders mit der Krankheit umgehen. Ich wünsche mir, dass es da in Zukunft mehr Angebote zur Vernetzung geben wird. Erfahrungsaustausch und gegenseitige Hilfe ist das Ziel und Spaß macht eine starke Gemeinschaft doch auch.

Typ-2-Diabetiker nicht pauschal für doof halten.

Das Image der Typ-2-Erkrankung ist nicht wirklich nett. Als “Dickenkrankheit” eingeordnet, hängen an der Erkrankung alle negativen Eigenschaften, die man Menschen mit Problemen mit dem Gewicht zuordnet. Mir gehen die Diskriminierung von dicken Menschen und die Übertragung auf Menschen mit Typ 2 gehörig auf die Nerven. Ich habe es selbst ja schon erlebt. Wer dick ist oder war und sich mit Diabetes-Typ-2 outet, muss gelegentlich mit Häme und der Aussage “selbst schuld”, was immer auch zu doof impliziert, auseinandersetzen. Das ist nicht angenehm, verletzt und entwertet die Diabetes-Patienten. Den Blick hinter die Kulissen und warum vielleicht die Dinge so sind, wie sie sind, will von den Pauschalverurteilern ja keiner hören. Eine gesunde Lebensweise und nicht mit dem Gewicht kämpfen zu müssen, fällt nicht jedem Menschen gleich leicht. Ich bin ja auch eine von denen, die sich immer wieder aktiv bemühen muss. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Von der genetischen Grundausstattung, der Erziehung und den gemachten Erfahrungen, wie auch den finanziellen Möglichkeiten. Dumm sind höchstens die Leute, die pauschal verurteilen und dabei jede gute Kinderstube vergessen. Da wünsche ich mir, dass ich diese Menschen ganz einfach per Rakete auf den Mond schießen kann und die Welt damit ein wenig schöner und toleranter wird.

Diabetes Typ 2 – nicht mit mir!

Einheitliche und umfassende Informationen für Diabetiker.

Eine Sache, die mir seit ich meinen Blog schreibe, aufstößt, ist, dass ich unwahrscheinlich viele Mails bekomme von neu diagnostizierten Diabetikern, die mir wahre Horrorgeschichten erzählen von resignierten Ärzten, bocksbeinigen Diabetesberatern und echt schrägen Diabetes-Schulungen. Von Blutzuckerwert zu hoch und ohne irgendwelche weiteren Informationen mit Tabletten heimgeschickt worden bis hin zu Diabetesberatern, die ernsthaft behaupten, es müsse zwingend bei jeder Mahlzeit eine Scheibe Brot gegessen werden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Diagnose Diabetes ein stückweit bedeutet, in einen Lotterietopf geworfen zu werden und je nachdem, in welches Körbchen man dann reinfällt, bekommt man dies oder das erzählt. Du kannst es ganz toll treffen, aber es kann auch schwer in die Hose gehen. Ich weiß, es gibt Standards und Vorgaben, aber scheinbar funktionieren die nicht flächendeckend und ich würde mir wünschen, dass jeder neue Patient gleich gut abgeholt wird. Ich hatte Glück im Unglück. Meine Diagnose traf mich in einer Klinik, die neben einem psychosomatischen Teil auch eine Abteilung für Stoffwechselerkrankungen hatte. Nach meinem Schock hatte ich direkt psychologische Hilfe und saß schon eine Woche später in der Diabetesschulung und lernte, womit ich es zu tun habe. Da ich sowieso für 6 Wochen dort war, startete ich direkt in ein bewegteres Leben und beschäftigte mich intensiv mit Ernährungsfragen.

Jeder Diabetiker hat eine optimale Betreuung – gerade nach der Diagnose – verdient und wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Patienten ihren Weg mit ein paar Tabletten in der Hand schon alleine finden werden. Es braucht Anleitung, Inspiration und Motivation um sich der Krankheit zu stellen und um zu lernen, gut mit ihr umzugehen. Das können Arztpraxen mit dem schmalen Zeitbudget in dem Umfang sicher nicht leisten und es muss andere Wege geben, um Typ-2-Diabetiker gerade nach der Neu-Diagnose länger zu begleiten, als das im Moment der Fall ist. Die Diagnose Diabetes bedeutet eben mehr, als individuell auf Medikamente eingestellt zu werden und quartalsweise den Langzeit-Blutzucker zu erheben. Da schließt sich auch wieder der Kreis zum Thema von oben, dass sich Typ-2-Diabetiker besser verbinden sollen. Ob digital oder in Fleisch und Blut in Selbsthilfegruppen. Gemeinsam kommen wir voran und können uns gegenseitig unterstützen.

Vorfahrt für Low Carb als Angebot für Diabetiker

Die Ernährungswelt ist im Wandel. Vielleicht hast du es mitbekommen, aber die Ergebnisse der PURE-Studie in diesem Jahr hatte zur Folge, dass Empfehlungen, die über Jahrzehnte Bestand hatten, in Frage gestellt und angepasst wurden. Selbst Institutionen, die lange dem folgten, was eigentlich das Ergebnis des größten Wissenschaftsbetrugs unserer Zeit war (Ancel Keys und seine gefakten Studienveröffentlichungen zum Thema Fett und Herz-Kreislauferkrankungen), kommen endlich in Bewegung. Aus einer für die Gesundheit der Menschen verhängnisvollen Starre, wurden erste kleine Tippelschritte weg von der Fettvermeidung, hin zu einem moderat entspannteren Umgang mit dem Fett auf unserem Teller. Das Ergebnis der Studie: Mehr Fett und weniger Kohlenhydrate können die Sterblichkeit reduzieren. Daraufhin wurden die Ernährungsempfehlungen für uns Deutsche etwas gelockert. Fettarme Milchprodukte sind jetzt offiziell Schnee von gestern. Vor gesättigten Fettsäuren wird nicht mehr gewarnt und die frühere Mäßigung beim Verzehr von Eiern ist obsolet. Klar, da geht zumindest aus meiner Perspektive noch mehr, aber ich freue mich über jeden kleinen Schritt in die richtige Richtung. Ich denke, es ist auch nicht einfach, wenn man 40 Jahre erzählt hat, der Himmel ist rot, dann zu sagen, der Himmel ist jetzt blau. Jeder normale Mensch würde so einen Laden für farbenblind halten. Da braucht es erst mal einige lila Schattierungen. Aber der Himmel wird blauer und das ist gerade für uns Diabetiker so wichtig und richtig.

Denn im Sturm der PURE-Studie und den gelockerten DGE-Empfehlungen hat der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) hat eine Broschüre für Diabetesberaterinnen und -assistentinnen herausgegeben, die für Diabetiker Low Carb empfiehlt. Was für eine Revolution und ich wünsche mir jetzt, dass sich diese brandneue Entwicklung rasant unter den Diabetesberaterinnen und -assistentinnen herumspricht und diese dann als Multiplikatoren Low Carb für Diabetiker endlich flächendeckend salonfähig machen.

Wenn du selbst in einer Diabetesschulung sitzt und da noch erzählt wird, dass Low Carb schlecht für Diabetiker sei, dann nimm doch die ausgedruckte Broschüre mit und leiste direkt Entwicklungshilfe. Ab sofort lohnt es sich zu intervenieren, denn der Wind hat sich gedreht.

Ein Low-Carb-Ruck soll durch die Diabeteswelt gehen und vielen Menschen das ermöglichen, was ich geschafft habe. Dass man “trotz” Low Carb superlecker essen kann, dafür bin ich dann ja da mit meinen bunten Happy-Carb-Rezepten. Bitte schickt die interessierten Diabetiker einfach auf meine Seite und sie werden bestimmt happy.

Puuuh, was für eine lange Wunschliste und keine Ende in Sicht.

So viele Wünsche und ich könnte noch eine ganze Reihe anschließen. Von dem Wunsch, dass “Gesunde Lebensführung” ein Schulfach wird, zu dem Wunsch, dass Transfette und Isoglukose (Fruktosesirup) sofort verboten werden, bis hin zu dem Wunsch, mein geliebtes “Gemüse, Gemüse, Gemüse” zukünftig umsatzsteuerbefreit zu verkaufen. Bezahlte Messtreifen auch für nicht insulinpflichtige Diabetiker und eine gute Versorgung aller Patienten – wo es nicht anders geht – mit den neuesten Medikamenten, Pumpen und Co. Und und und…

Wünsche über Wünsche. Mir würde noch viel einfallen. Wie immer, will ich alles und am liebsten sofort.

Wahrscheinlich lassen sich meine Wünsche nicht oder nur teilweise umsetzen, aber über den einen oder anderen Wunsch nachzudenken und den Gedanken in sich reifen lassen, bringt uns doch auch schon alle weiter. Und genau dafür ist doch der Weltdiabetestag da! Träumen wir uns eine bessere Diabeteswelt und machen uns dann an die Umsetzung. Wir sind ein großer Haufen betroffener Leute und können da wirklich gemeinsam etwas bewirken.

Dich frage ich jetzt, was du darüber hinaus noch für Wünsche hast, die ich in meiner total subjektiven Auflistung vergessen habe. Heilung habe ich übrigens absichtlich nicht aufgenommen, weil ich zumindest nach heutigem Stand “realistisch” bleiben wollte. Die Wiederbelebung toter Betazellen ist eine Sache der Wissenschaft und der Forschung, die an dem Thema aber sicher intensiv arbeiten.

Lass mal hören. Welche Wünsche hast du? Ich bin gespannt.

Natürlich will ich die Gelegenheit nutzen, um auf mein Diabetesbuch und auch mein neuestes Kochbuch hinzuweisen. Mir war schon ohne die PURE-Studie klar, dass ich mit meinem Konzept auf dem richtigen Dampfer unterwegs bin und freue mich jetzt über die offizielle Bestätigung.

Es geht übrigens auf Weihnachten zu und da hat Wünschen ja wieder Saison. Wünsch du dir doch meine Bücher oder verschenke sie an liebe Menschen, egal ob mit oder ohne Diabetes, denn lecker und gesund essen tun wir doch alle gerne. Für mehr Infos zu den Büchern, einfach aufs Cover klicken und du landest auf der jeweiligen Buchseite.

Diabetes Typ 2 - nicht mit mir! von Bettina Meiselbach
Mehr Low-Carb-Lieblingsrezepte von Bettina Meiselbach

Einen nachdenklichen Weltdiabetestag wünsche ich dir. Deine Betti

PS. Wenn du jetzt noch etwas Zerstreuung suchst, dann lies doch noch meinen Bericht über die Diabetes-Charity-Gala in Berlin, wo ich vor 2 Wochen über den roten Teppich gestolpert bin. Gute Unterhaltung ist garantiert. Viel Spaß dabei.

Diabetes Charity Gala 2017

Diabetes Charity Gala 2017

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16 Kommentare auf "Es ist Weltdiabetestag und ich wünsch mir was!"

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Krümelkekskoch
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Hi Betti, hier schreibt dir ein Alt-Diabetiker, der deine „Diabetes-Karriere“ aufmerksam und bisweilen schmunzelnd verfolgt (du schreibst so schön von der Leber weg, da fühlt man sich schon manchmal bei seinen eigenen kleinen „Sünden“ ertappt). Meine Stunde Null war in einer Klinik bei einer Routineuntersuchung. Nachdem die Schwester die nette Zahl 240 auf dem Display verinnerlicht hatte, schleifte sie mich gleich erst mal zum Doktor (ich hatte aber eher das Gefühl, zu meiner Erschießung zu gehen). Der aber musste irgendwie den Rebell in mir gewittert haben, denn nach dem Gespräch entschied er sich für die harte Tour: keine Tabletten, sondern rauf aufs Ergometer und runter mit den Kalorien. Und dann hat er einen Schalter umgelegt, wofür ich ihm heute noch unendlich dankbar bin: „Was haben Sie denn in Ihrer Jugend gerne gemacht?“ „Öhmm, bin ziemlich viel Rad gefahren.“ „Aha. Und warum machen Sie das heute nicht mehr?“ „???“ „Bleiben Sie dran, und ich garantiere Ihnen, Sie werden wieder jede Menge Spaß daran haben.“ Spaß, hat der gesagt, SPASS!!! Ich hab ihn beim Wort genommen.

Das war vor gut elf Jahren. Nach einem Monat „kalorienreduzierter gesunder Mischkost“ hatte ich die ersten zehn Kilo runter, nach drei Monaten war ich „Uhu“, und nach einem Jahr hatte ich mich fast halbiert. Inzwischen bin ich ein weiteres Mal um die Erde geradelt und habe mein Hobby sogar zum Beruf gemacht. Nur mein Gewicht kletterte langsam aber stetig immer weiter nach oben und mit ihm das mulmige Gefühl: Wann geht es wieder los? Es wurde immer brenzliger; ich suchte nach der Reißleine und fand sie nicht.

Die Rettung kam vor elf Monaten in Form von vier Buchstaben: LCHF. Dass Kohlenhydrate sehr wohl was mit dem Gewicht zu tun haben, hatte ich schon nach dem Absetzen meiner täglichen Tonic-Ration kapiert. Aber Fett essen? FETT??? Das konnte ich nicht so stehen lassen, also rein in die Wikipedia und durchgeklickt bis früh um vier. Dann hatte ich es schwarz auf weiß: Kohlenhydrate sind genauso ein Gift wie Alkohol, nur viel heimtückischer, weil sie nicht besoffen machen. Und Fett ist ein wertvoller Baustoff und Energieträger und macht überhaupt nicht fett – solange das Insulin nicht Achterbahn fährt.

Ich habe wieder die harte Tour gewählt: Brot weg, Kartoffeln weg, Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte … Den Convenience-Fraß hab ich der Tafel gespendet (war fies, ich weiß *g*), und dann bin ich einkaufen gegangen. Ketogrippe durchlitten, Frühstück gegen eine halbe Stunde Schlaf getauscht (Radfahren in Ketose ist der Hammer, das hab ich früher selbst mit Energieriegeln nicht hingekriegt) und nochmal neu Kochen gelernt. Mein Nüchternzucker ist jetzt konstant knapp über 60, und ich hoffe, dass beim HbA1c bald eine Vier vorne steht.

Was habe ich gemacht, was nicht jeder andere genauso hätte machen können? Nichts! Im Grunde waren es nur zwei Dinge: Ich habe mich nicht mit der Diagnose abgefunden, sondern einen Weg gesucht, den Diabetes wieder loszuwerden. Und ich habe mir klargemacht, dass es nur einen einzigen Menschen auf der Welt gibt, der mich aus dem Loch wieder rausholen kann. Dass niemand anderes für mein Leben verantwortlich ist als ich selber. Und das ist der springende Punkt: Wir kämpfen um Verbote und dass die Regierung dieses und jenes machen soll. Wir delegieren unser Problem zu Leuten, die ganz andere Sorgen haben als unsere Gesundheit, und sind frustriert, dass sie unser Anliegen nicht zur Chefsache machen. Warum machen wir uns von denen abhängig? Wir brauchen diese Leute doch gar nicht! Von mir aus können sie den Zucker kostenlos machen, ich würde trotzdem keinen essen. Und was die DGE empfiehlt, ist mir sowas von schnurzegal, ich habe meine Hausaufgaben gemacht und weiß selber, was gut für mich ist. Und wenn wir Verbraucher uns besinnen und den Giftmüll nicht mehr kaufen, dann wird sich die Industrie von ganz allein der neuen Situation anpassen, dazu braucht es weder Kampagnen noch Gesetze.

Doch leider – und das war eine bittere Erfahrung – gibt es nur sehr wenige Menschen, die sich ihrer Verantwortung wirklich bewusst sind und auch den Mut aufbringen, aus ihrer Komfortzone auszubrechen. Sich auf die Socken zu machen, um eine faszinierende neue Welt zu entdecken und zu erobern. Aus meinem Bekanntenkreis war bis jetzt niemand dabei. Man hat es sich in seinem Leben gemütlich gemacht, wozu also etwas daran ändern? Diabetes? Na und, gibt doch Insulin. Hypos? Gehören halt dazu, muss man durch. Fuß ab, Licht aus, Dialyse? Trifft nur die anderen, mir geht’s doch gut.

Siehst du, Betti, ich habe nur einen Wunsch: dass irgendwer mal bei denen da draußen das Licht anknipst, so wie es der kleine Doktor vor elf Jahren bei mir getan hatte. Dann würden wir auf der Welt noch ganz andere Probleme gewuppt kriegen als „nur“ den Diabetes, da kannst du Gift drauf nehmen (aber bitte keine Kohlenhydrate!).

Maja
Maja

Liebe Betti,
vielen Dank für deinen informativen und sehr unterhaltsamen Bericht. Ich habe keinen Diabetes, aber deine Beiträge lohnen es immer, bis zum Ende gelesen zu werden!
Mein Wunsch wäre, dass die “Low-carb-Fraktion” endlich auch eine Lobby bekommt. Damit würde das Interesse der Hersteller erwachen, passende Produkte im Sinne von: “kein Gluten, kein Zucker” zu entwickeln.

Viele Grüße, Maja

Christina
Christina

Neeeeeeein, bitte nicht den November tauschen, liebe Betti. Das ist mein absoluter Lieblingsmonat. Wenn es draußen grau und neblig ist, liebe ich es, in der Natur herumzustapfen. Ich mag die düstere Stimmung sehr. Nichts gegen Frühling und Sommer, aber ich bin viel lieber draußen, wenn die meisten drin bleiben. Es ist alles nicht so überlaufen und macht mir persönlich viel mehr Spaß.

Als Typ II Diabetikerin, die vor fünfJahren noch ganz im Anfangsstadium ihre Diagnose bekam (mit einem HbA1c von 6,5) und zum Glück noch nie Medikamente nehmen musste, hätte ich mit mehr Bewegung im Frühjahr oder Sommer nie begonnen. Der Herbst war da genau richtig. Meine Ärztin sagte übrigens damals zu mir, ich solle mir in Ruhe alles an Wissen aneignen zu Logi und Low Carb, was ich finden kann und einen großen Bogen machen um die Infoseiten der Deutschen Diabetes Gesellschaft und vor allem der ärztlichen Diabetes Schulungen. Ich danke ihr bis heute dafür. Für mich war es die richtige Entscheidung. Mit einem stabile Wert zwischen 5,0 und 5,5, den ich nur noch halbjährlich kontrollieren lasse, war ihre Devise für mich perfekt. Wenig Kohlenhydrate, ausreichend Eiweiß und hochwertiges Fett und vor allem so selten wie möglich Zwischendurchessen. Mehr braucht es nicht.

Wenn es ums Wünsche geht, so wünsche ich mir mehr Menschen, die bei Diagnosen nicht sofort in Schockstarre verfallen, sondern über den Tellerrand schauen und sich auch mal gegen die Standards stellen, wenn es denn begründbar und sinnvoll ist. Es gibt zunehmend mehr Ärzte, die das auch anstoßen, meine ist da nicht allein. Und man hat (nicht immer, aber meistens) auch zumindest ein Quartal lang Zeit, um sich zu sortieren und auszuprobieren. Auch und gerade gegen die Leitlinien.

Wer Bücher lesen will, soll solche nehmen, die auf dem Cover und am Inhaltsverzeichnis erkennen lassen, dass es nicht darum geht, sich mit Massen an Kohlenhydraten zuzuschütten. Deins ist da schon mal ganz vorne dabei, wenn ich mir die Beschreibung anschaue. 🙂

Liebe Grüße
Christina

Susanne B
Susanne B

Liebe Betti,

ich habe gerade gestern wieder Deine Seite empfohlen und Deine Bücher gepriesen :-). Und ich freue mich darüber, in letzter Zeit wieder mehr von Deinen kurzweiligen Tagebucheinträgen zu lesen.

Mein Wunsch wäre, dass auch Firmen-Kantinen sich mit dem Thema LowCarb auseinandersetzen und tägliche geeignete Komponenten anbieten.

Liebe Grüße,
Susanne B

Marianne
Marianne

Liebe Betti, danke für den guten Bericht, auch deinen über die *Roter-Teppich-Stolperei” ;), wo ich beim Lesen so oft gelacht habe.
Ich wünsche mir , dass alle Ärzte und Ernährungsberater endlich offen für die kohlenhydratreduzierte Ernährung werden und ihre Diabetiker/innen auf diesem Weg unterstützen. Weiter apelliere ich an die Politik, sich umgehend für ein Verbot der schädlichen Düngemitteln einzusetzen, die Massentierhaltung zu unterbinden, die ökologische dafür zu fördern (Nachhaltigkeit), damit wir alle gesündere Lebensmittel kaufen und essen können. Nur mit Genuss macht das Essen Spaß.
Mir liegt wie dir am Herzen, dass sich unsere Regierung für ein sofortiges Verbot des jetzt grenzenlos einsetzbaren Süßungsmittels Isoglucose sowie den Einsatz von Transfetten in der Lebensmittelindustrie stark macht. Desweiteren wäre es sinnvoll, bereits in der Schule über gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung aufzuklären. Kostengünstige oder -lose Angebote für Bewegungskurse fände ich auch gut.
Es fallen mir sicher weitere Wünsche ein, werde in mich gehen :).

Ich habe noch eine andere Frage an dich, liebe Betti. Seit einigen Wochen plage ich mich mit Magen/Verdauungsproblemen herum, bin zum Glück auf dem Weg der Besserung. Das brachte mich an Grenzen, was die Ernährung betrifft. Keinerlei Apettit auf tierische Fette, außer wenig gute Butter, begleiteten mich täglich, auch Milchprodukte waren für mich nicht zu essen. Vorwiegend ernährte ich mich von Hafer (morgens) und Gemüse, Gemüse…den Rest des Tages. Pflanzliche Öle wie Kokosöl, Leinöl und Hanföl konnte ich im Laufe der Zeit mit einbauen. Bei Gemüse gab es auch Einschränkungen, denn Kohlgemüse war tabu außer Blumenkohl, Kohlrabi und Brokkoli in kleinen Mengen.
Eine Woche kann man so eine Störung mal kompensieren, aber wenn es länger dauert, stellt sich die Frage: Was esse ich nun? Zwieback, was anfangs das einzige war, worauf ich überhaupt Apettit hatte, wollte ich auch nicht zu oft essen wegen der Kohlenhydrate.
Daher die Frage, wie ernähre ich mich als Diabetiker in so einer Situation, ohne negative Folgen für den Blutzucker?
Evtl. ging es anderen Mitlesern auch schon mal so. Für Tipps bin ich gerne offen.

Mit lieben Grüßen beende ich jetzt meinen *Roman* 😉
Marianne

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