Ein Jahr zum Überspringen

Ein Jahr zum Überspringen

Thank God, das vermaledeite Jahr 2020 ist fast vorüber….

Was für ein irres Jahr. Vor einem Jahr saßen wir alle frohen Mutes vor der Silvesternacht und freuten uns auf ein schönes neues Jahr. Da wusste ja noch niemand von uns, dass uns ein kleines Virus das neue Jahr so vermiesen würde und besonders traurig, viele Menschen in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion zu Tode kommen würden.

2020 wurde ein Krisenjahr. Ein Jahr der Pandemie und ein Jahr, was uns allen lange im Gedächtnis bleiben wird. Aber nicht alles war schlecht. Denn ich habe viel Hilfsbereitschaft von Menschen gesehen, die sich um ihre Mitmenschen gekümmert haben. Geschäftsleute, die tolle Ideen hervorzauberten und das manchmal Undenkbare möglich machen. Dann war da der große Willen der meisten Menschen, es gemeinsam mit gegenseitiger Aufmerksamkeit und Respekt durch diese Krise zu schaffen.

Unser Wohlstand hat es dazu möglich gemacht, dass vielen Menschen finanziell geholfen werden konnte, die schwere Zeit zu überstehen. Natürlich gelingt das nicht umfänglich und nicht jeder wird damit happy geworden sein. Aber sind wir doch mal ehrlich. Wenn eine solche Naturkatastrophe, wie diese Pandemie, die Welt überrollt, dann lebt es sich doch in Deutschland relativ gut und sicher. Allen Meckerern zum Trotze, die daheim im warmen trockenen Bett mit gut gefülltem Bauch unbehelligt schlafen dürfen. Die medizinische Versorgung weit über dem weltweiten Durchschnitt und dazu nicht nur reichen Menschen vorbehalten. Eine soziale Absicherung, die durch Kurzarbeitergeld und Hartz IV zumindest niemanden verhungern lässt. Ja, das ist alles momentan nicht schön und es hat viele Menschen hart getroffen, aber es wird auch eine Welt nach Corona geben und wir werden uns wieder aufrappeln. Keiner der Politiker hat Corona bestellt, davon können wir ausgehen. Und jetzt den Regierungshut aufzuhaben, ist ein wahrlich undankbarer Job. Wer denkt, er kann es besser, der soll es halt auch machen. Jeder kann sich bei uns politisch engagieren und kann dann ganz praktisch mitbestimmen. Es jammert sich nur dann schlechter, wenn man kann kapiert hat, dass die Welt nicht so eindimensional ist, wie in der eigenen Gedankenschublade gedacht.

Querdenken kann man nur, wenn zwischen den Ohren nichts ist….

Etwas bedenklich konnte einem in diesem Jahr werden, wenn man sich eine kleine Gruppe von Menschen anschaut, die es geschafft haben, eine ganze Menge Krach um ihr eigenes kleines Ego herum zu machen. Wer sich in Deutschland durch eine Maske zum Schutz vor Corona in der eigenen Freiheit beschnitten fühlt, bei dem läuft da im Kopf wirklich einiges quer. Warum demonstrieren diese Menschen eigentlich nicht gegen Ampeln oder beschrankte Bahnübergänge, wo man sie doch auch in ihrer Freiheit ausbremst? Also es wurde eine Reihe von Leuten unangenehm auffällig und gerade auf Social Media wurde so manche Hirngrütze offen zur Schau gestellt. Eine gute Zeit, um die „Freundesliste“ auf Facebook auszudünnen und gelegentlich auch mal knackig Stellung zu beziehen. Und wer hier in Deutschland eine Diktatur des „Nicht-mehr-sagen-dürfens“ ausruft, hat nicht kapiert, dass alleine, dass er dämliche Schilder bei fragwürdigen Demonstrationen hochhält, schon die Meinungsfreiheit dokumentiert und er in Diktaturen bereits lange im Knast sitzen würde. So ist das halt, wenn der Horizont nur bis zur eigenen unbedeckten Nasenspitze reicht.

Spruch-des-Jahres

All die selbsternannten Wirrologen, die alles besser wissen und am Ende doch keine Ahnung haben und nur verunsichert und ängstlich in die Tastatur heulen. Schade ist nur, dass durch die Demonstranten, Maskenverweigerer und andere Ignoranten gerade im Herbst das Pandemiegeschehen aus dem Ruder gelaufen ist und an deren Dummheit am Ende eben unnötig verstorbene Menschen kleben. Dass sich Menschlichkeit und Empathie mal an einem Stück Stoff im Gesicht festmachen würde, hätte ich zuvor nicht für möglich gehalten. Spätestens seit der Meta-Studie, die im Lancet veröffentlicht wurde war amtlich, dass auch Alltagsmasken schützen. Nicht zu 100%, aber wenn man Infektionen darüber zumindest halbiert werden kann, dann ist das in Zeiten einer Jahrhundertpandemie eben gewaltig, was die weitere Verbreitung angeht. Aber diskutiere nie mit Menschen, die für gesetzt halten, dass 2 plus 2 eine glatte 5 ergeben. Verdaddelte Lebenszeit und Energie.

Und es ist für mich eben nicht OK, wenn Leute über 80 Jahren die Daseinsberechtigung abgesprochen bekommen und im Austausch gegen wirtschaftliche Interessen geopfert werden sollen. Jeder Tag im Leben zählt gleichwertig und hey, wer 80 ist, kann schließlich auch 90 oder älter werden, wenn da nicht Corona um die Ecke kommt und das Lebenslicht auslöscht. Keiner will gerne vorzeitig aus dem Spiel des Lebens genommen werden, nur weil einige der Spieler sich nicht an einfache Regeln halten können oder wollen. Daher habe ich für das Menschenbild und die persönliche Haltung dieser Wirrulanten auch nur Verachtung übrig und keine Worte mehr.

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Gemeinsam mit Achtsamkeit und Verantwortungsbewusstsein bekommen wir das hin. Dank der Impfstoffe gibt es Licht am Ende des Tunnels und wir werden im Laufe des nächsten Jahres große Fortschritte machen. Bitte etwas mehr Zuversicht und Mut, sonst mündet das hier in einer kollektiven Depression und das haben wir für 2021 nicht verdient. 2021 wird jeden Monat besser und jeder kann schon heute seinen Teil dazu beitragen.

Die flächendeckende Impfung macht Hoffnung für das neue Jahr.

Hoffen wir auf schnelle Impfungen und auf eine hohe Impfbeteiligung, denn nur dann können wir das Virus zurückdrängen. Spätestens im zweiten Quartal wird wahrscheinlich wesentlich mehr Impfstoff zur Verfügung stehen und es wird schneller vorangehen. Wenn dann Impfzentren und Hausärzte gleichzeitig impfen, dann beschleunigt sich der Prozess sicher deutlich. Ich werde mich auf jeden Fall impfen lassen, aber ich bin gegen eine Impfpflicht. Am Ende sollte jeder für sich das eine gegen das andere Risiko abwägen dürfen. So wie es aktuell aussieht, ist der potentielle Nutzen der Impfung größer als die potentiellen Risiken. Aber jede Impfung hat auch immer ein Risiko und nichts ist 100% sicher. Nur je mehr Impfverweigerer es gibt, desto größer wird das Risiko für die Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. Das sind meist auch Personen, die mit einem schweren Infektionsverlauf rechnen müssen wegen Vorerkrankungen oder Allergiker, die gegen Bestandteile des Impfstoffs allergisch sind.

Hoffen wir nun erst mal, dass sich bald abzeichnet, dass man nach der Impfung auch nach Kontakt mit Corona ohne zu erkranken keine weiteren Menschen anstecken kann, denn sonst bleibt Corona trotz Massenimpfung eine Gefahr für Impfverweigerer und eben die schwächsten Menschen in der Reihe, die aus medizinischen Grünen nicht geimpft werden können. Es bleibt spannend und ich bin ehrlich gesagt froh, wenn meine Eltern geimpft sind und ich dann hoffentlich im Laufe des nächsten Jahres auch meinen Pieks, oder auch zwei, erhalte.

Etwas schräg finde ich es nur, wenn Leute, die beispielsweise zum Klangschalentrommeln nach Bhutan fliegen und dafür X Impfungen klaglos akzeptieren, sich dann aber bei der Corona-Impfung ins Höschen machen. Versteh einer die Leut und ihre Gedankengänge. Muss ich zum Glück ja nicht, aber man darf sich über deren Logik wundern.

Nein, ich habe auch keine Angst, dass mir Bill Gates da mit dem Impfstoff etwas einpflanzt und mich anschließend missbraucht um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Was macht Bill Gates eigentlich jetzt mit den Massen an über 80-jährigen, in Pflegeheimen lebenden Menschen? Reiht er Rollator an Rollator auf und lässt die Senioren weltweit die Regierungsgebäude stürmen? Es war ein wirklich abstruses Jahr, wo leider auch die Medienlandschaft den ganzen Irrsinn vergnüglich verbreitet und multipliziert hat.

Wer Verantwortung hat, macht auch Fehler.

Und mitnichten denke ich, dass alles super gelaufen ist. Wahrlich nicht. Mehr als einmal habe ich den Kopf geschüttelt und gedacht, das hätte man anders machen können und vielleicht auch schon viel früher reagieren müssen. Aber Fehler werden gemacht und wir sind ja nun alle keine Pandemieprofis. Nur wurde eben auch sichtbar, dass Föderalismus Vorteile und auch Nachteile hat. Dass unsere Behörden, besonders gerade die Gesundheitsämter und Schulen in Sachen Digitalisierung weit hinten hängen und die Probleme sich im Laufe des Jahres trotz Corona sich nicht gravierend verbessert haben. Der Sommer wurde nicht gut genutzt und im Herbst dann festgestellt, dass Personal in den Ämtern fehlt, immer noch per Fax Daten von A nach B geleiert werden müssen, Fenster in Klassenräumen nicht aufgehen und immer noch keine Laptops für Lehrer und Schüler vorhanden sind um Wechselunterricht im Herbst auch wirklich umzusetzen. Diese Bräsigkeit ist ja schon seit Jahren überall zu sehen und Corona ist wie ein Mikroskop und ein Teilchenbeschleuniger, was Schwachstellen hart sichtbar und vor allen Dingen spürbar macht für die Bevölkerung. Von daher kann ich viel der Kritik an der Politik auch nachvollziehen und es ist wichtig, all das konstruktiv zu thematisieren. Nur anschließend sollte man die Erkenntnisse auch mal in die Tat umsetzen und sich nicht wieder wohlwollend auf die Schulter schlagen und es toll finden, dass man ein Problem erkannt hat und am Ende wieder nur drüber geredet hat. Aber ich bin ehrlich skeptisch, denn das Problem lässt sich nicht mit Geld alleine lösen, was aber häufig gedacht wird. Einen Haufen Geld hinkippen zaubert nämlich keine IT-Fachkräfte herbei, die den Rückstand aufarbeiten können.

Probleme verschwinden häufig nicht alleine vom Quatschen.

Hüh und hott und alles in einem bunten Bundeslandmischmasch machte die Orientierung schwer. Ich wohne nah an der Grenze zu Bayern und Baden-Württemberg und musste da dann beim Besuch von Freunden aus Bayern erst mal schauen, ob das überhaupt zulässig ist. In den Schulen wird auf Abstand geachtet und im Bus wird fast aufeinandergehockt. Das Beherbergungsverbot hatte was von Sommerlochlückenwitz und rüttelte kräftig an dem Glauben an die Politikkompetenz.

So ein wenig Wahnsinn begleitete uns durch das komplette Jahr. Da bin ich wirklich froh, dass der Brexit und die politische Fönwelle in den USA bald die Showbühne verlassen und zumindest da etwas mehr Ruhe reinkommt.

Urlaub gab es bei uns in diesem Jahr keinen und ich muss sagen, der Odenwald ist auch sehr schön und die Tage im Freibad waren angenehm, stressfrei und überhaupt nicht überfüllt. So ein wenig ist in der Pandemie der Wohlstandsüberhang sichtbar geworden, in einem reichen Land wie Deutschland. Es ist scheinbar die größte Sorge der Bürger, nicht in Urlaub zu fahren zu können oder eben kein Klopapier mehr zu bekommen. Und wenn diese „existenziellen“ Dinge in Gefahr sind, dann kann der Deutsche schon mal zum Tier werden und seine Pfründe energisch verteidigen. Der Kampf am Klopapierregal und um die knappen Parkplätzen an der Nordseeküste waren eröffnet. So lernt man sich und die Mitbürger einmal mehr ganz neu kennen und ich fand das teilweise wirklich sehr wundersam. Man muss nur die letzten Tage anschauen, wo eine Vielzahl an Menschen dichtgedrängt in ihren Blechkarossen Richtung Schnee gefahren sind.

Wie sagte Einstein einst so schön: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Hirnzelle-Tango

Genug Corona, denn auch wenn es das alles überlappende Thema war, ging das normale Leben ja irgendwie noch weiter und ich für meinen Teil bin eigentlich froh, dass ich mich mit Corona soweit arrangiert habe, dass ich den Zustand nicht mehr als Belastung empfinde und die Zeit bis zum Frühling und zur Impfung gehen jetzt auch noch rum. Ich achte auf mich und darauf, dass ich mich nicht anstecke, und bin gewarnt, dass es eben auch Leute gibt, für die das keine Priorität hat und denen meine Gesundheit egal ist. Ich kann die Ignoranten nicht ändern, aber kann auf mich aufpassen, so gut es geht und das minimiert das Risiko für mich und andere schon deutlich.

2020 – Das Jahr der vier Bücher.

Hammer, ich habe in diesem Jahr insgesamt vier Bücher veröffentlicht und war also sehr fleissig. Los ging es mit „Vegetarisch Low Carb“ am Anfang des Jahres. Im Herbst kamen dann „Powergemüse Kürbis„, das „Anti-Diabestes-Programm“ und zu guter Letzt noch mein „Ofengerichte Low Carb„. Ein strammes Pensum. Wobei ich dazu sagen muss, dass die Bücher natürlich einen Zeitversatz haben und schon im Jahr zuvor weitestgehend gekocht und geschrieben wurden. Es liegen zwischen Manuskript und Erscheinung meist mindestens 9 Monate, denn die Buchentstehung geht nicht so hoppla hopp. Leider muss ich sagen, dass die Verkaufszahlen nicht wirklich zufriedenstellend waren, aber das ist denke ich auch dem Thema Corona geschuldet. Ehrlich gesagt hatte jeder seinen Schaff mit sich und der neuen Situation, da war das Interesse an Low Carb und gesunder Ernährung überschaubar. Dazu waren/sind die Buchläden geschlossen, was es nicht viel besser machte. Aber ich will mich nicht zu sehr grämen und hatte für mich ja schon vor dem besonderen 2020 beschlossen, dass ich auf jeden Fall nochmal die nächsten 2 Jahre als Autorin mein Glück versuchen will. Was danach kommt, wird man sehen und ich bin selber gespannt, was das Leben noch so für mich bereithält.

Neue Bücher braucht das Land…

Für 2021 plane ich zwei Bücher zu veröffentlichen. Es hat gesundheitliche Gründe, dass ich in diesem Jahr weniger arbeiten konnte und dadurch weniger Material entstanden ist. Los geht es im Januar mit „Einfach lecker Low Carb – 55 unkomplizierte Rezepte, die sich fast von alleine kochen.„ Vorbestellbar ist das Buch auch schon und du kannst dir alle Infos, mit Blick ins Buch und Rezeptübersicht, auf meiner Buchseite anschauen. Natürlich trommele ich gegen den Veröffentlichungstermin hin nochmal kräftig für mein Buch. Ich hoffe, du freust dich jetzt schon auf mein neuestes Happy-Carb-Werk.

Schau mal, so sieht es aus…

Einfach lecker Low Carb: 55 unkomplizierte Rezepte, die sich fast von alleine kochen
Einfach lecker Low Carb: 55 unkomplizierte Rezepte, die sich fast von alleine kochen
Buchformat: 128 Seiten, 14,8 x 21 cm, gebundenes Buch
ISBN: 978-3-95814-313-5, Systemed Verlag als Imprint der Münchner Verlagsgruppe/Riva
Preis (inkl. MwSt.): 12,00 Euro (eBook 9,49 Euro)
Das Buch erscheint am 26.01.2021.

Für den Herbst plane ich ein weiteres selbst verlegtes Kochbuch, aber den Titel verrate ich noch nicht, denn ich muss für das Buch erst noch fleißig kochen, und muss es dann auch noch schreiben. Das fällt mir momentan leider aus gesundheitlichen Gründen nicht ganz so leicht, dazu komme ich jetzt aber gleich.

Wenn die Mastzellen ein crazy Eigenleben führen.

In den vergangenen zwei Jahren haben sich so verschiedene gesundheitliche Problemchen bei mir eingeschlichen. Erst hatte ich Probleme beim Sitzen, weil mir der Hintern schmerzte und die Muskulatur am Allerwertesten kasperte, dann hatte ich im Jahr darauf einen Tennisellenbogen und habe längere Zeit gebraucht, bis diese unangenehme Schmerzen wieder verschwunden waren.

In diesem Jahr ging es im Januar los, dass ich Probleme mit den Zähnen bekam. Irgendwie komisch, entzündlich und ich konnte nicht so genau sagen, welcher Zahn eigentlich der Problemherd ist. Es gab zwei Runden Antibiotika und es wurde besser, aber richtig weg ging der Schmerz nie. Dann dehnte sich der Schmerzbereich aus Richtung Kiefer und Schulter und es wurde ungemütlich. Es gab dann eine Beißschiene, manuelle Therapie und die Erkenntnis, dass all das zwar lindernd wirkte, aber meine Schmerzprobleme nicht endgültig löste.

Schon im Mai, als ich meinen Standardarzttermin hatte in Sachen Blutzucker, äußerte mein Hausarzt und Diabetologe den Hinweis, dass meine Leukozyten erhöht sind. Also die kleinen Kerle, die eine Entzündung im Blut anzeigen. Ich habe ihn damals beruhigt mit dem Hinweis, dass ich gerade wegen einer Zahnentzündung Antibiotika genommen hatte und das vielleicht mit dieser Zahnentzündung zusammenhängt. Neben den Leukozyten waren interessanterweise auch die Cholesterinwerte erhöht, womit ich eigentlich seit meiner Low-Carb-Ernährung keine Probleme mehr hatte. Mein Arzt hat das mit leichtem Kopfschütteln akzeptiert, also vereinbarten wir, dass wir das Blut im September beim nächsten Termin nochmal umfassend checken und dann gegebenenfalls reagieren.

Und dann wurde Herbst und es wurde erneut Blut abgenommen und meine Leukozyten und einige andere Blutwerte waren erhöht. Auch am Cholesterin hatte sich nichts verändert. Das was er da sah, gefiel meinem Hausarzt nicht und er hat mich zur Überprüfung zu einer Hämatologin/Onkologin geschickt. Da bekommt man schon mal ein komisches Gefühl, wenn man auf einen Termin in einer Praxis wartet, die voller Krebspatienten sitzt.

OK, es musste ein größeres Blutbild gemacht werden und weil die vorhandenen Werte auf Lymphdrüsenkrebs hinweisen könnten, wurden auch da gleich entsprechende molekulargenetische Tests angeleiert. Du kannst dir vorstellen, dass ich mich auf dem Weg aus der Praxis gefühlt habe, als hätte man mir mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen. Ich war ja nicht mit so einem Gedanken in die Praxis gegangen, dass ich mir auf dem Rückweg solche schwerwiegenden Sorgen machen muss. Diese Blutuntersuchungen sind komplexer und es dauert ganze zwei Wochen, bis es den nächsten Termin gibt. Zwei Wochen voller Sorgen, in denen ich mich natürlich thematisch auch etwas eingelesen habe, um meine aus der Norm geratenen Blutwerte besser zu verstehen.

Gute Nachricht beim nächsten Termin war, dass der Verdacht auf Lymphdrüsenkrebs sich nicht erhärtet hat, aber der Professor von dem Labor bittet um weitere Tests, da anhand des nun vorliegenden Differenzialblutbildes der Verdacht auf Knochenmarkskrebs/Leukämie besteht. Insbesondere mein auffällig hoher Tryptasewert, sei da ein weiterer ernstzunehmender Indikator.

Gleiches Spiel. Wieder wurde mir Blut abgenommen und ich musste zwei Wochen warten auf die Ergebnisse. Hölle, Hölle, Hölle sage ich dir. Auf glühenden Kohlen saß ich da in der Praxis und wartete auf die Ergebnisse. Aber auch hier, gleiches Ergebnis, denn zum Glück besitze ich nicht die Gendefekte, die man bei einer solchen lebensbedrohlichen Krankheit in der Regel wohl hat.

Aber natürlich ist der Drops damit nicht gelutscht gewesen, denn die sonderbaren Blutwerte waren ja noch da und ich muss auch gestehen, dass es mir das ganze Jahr nicht so wirklich gut ging. Immer müde und erschöpft, energielos, mehr Probleme als sonst mit meinen kleinen Allergien, ich war reizbar, schlecht drauf etc.. Kreislaufprobleme, Muskelschmerzen und Gelenkprobleme waren meine Begleiter. Ich hatte das alles auf den Corona-Stress und die Wechseljahre geschoben, denn natürlich hat mich die Pandemie ordentlich durchgeschüttelt mit entsprechenden Existenzängsten und mit 51 Jahren klopfen auch bei mir die Wechseljahrbeschwerden an.

Halb-so-schlecht

Also ging es weiter. Tryptase ist ein Stoff, der in unseren körpereigenen Mastzellen entsteht und der, wenn die Mastzellen dazu aufgefordert werden, davon freigibt. Mastzellen haben dabei nicht nur Tryptase, sondern um die 200 Stoffe, auch Mediatoren genannt, wozu z. B. auch Histamin oder Heparin gehören.

Es gibt eine Krankheit, die nennt sich Mastozytose, wo sich diese Mastzellen im Knochenmark und an anderer Stelle im Körper krankhaft vermehren und dann zu viele der Mediatoren abgeben. Das verursacht gesundheitliche Probleme, die sehr vielfältig sind, denn diese von der Mastzelle abgegebenen Stoffe sind zu einem großen Teil entzündungsfördernd, erzeugen Allergiesymptome, Neuro-Probleme, Magen-Darm-Probleme, Kreislaufbeschwerden, Hautausschlag und jede Menge andere Sachen, die echt kein Mensch will.

Um zu testen, oh ich an Mastozytose erkrankt bin, musste also wieder ein molekulargenetischer Test gemacht werden, denn die Krankheit geht mit einer Genmutation einher. Ich sage dir, ich habe in diesem Jahr wieder mal verdammt viel gelernt. Leider geht dies Genmutation wohl auch mit einem erhöhten Risiko für Knochenmarkkrebs einher, daher war ich wieder supersensibilisiert und durfte wieder 2 Wochen angespannt auf das Ergebnis warten. Ehrlich, an produktives und kreatives Schreiben war in dieser Zeit überhaupt nicht zu denken und so musste ich ein Buchprojekt, dass ich in diesem Jahr eigentlich schreiben wollte, erst mal auf unbestimmte Zeit verschieben. Ich war einfach nicht in der Lage so zu arbeiten, wie es dafür notwendig gewesen wäre. Einmal nicht im Vollbesitz meiner Kräfte und dazu geistig in Beschlag genommen mit den Krankheitssorgen. Keine angenehme Situation.

Unsägliche zwei Wochen später konnten wir zum Glück die klonale Vermehrung meiner Mastzellen ausschließen, und es wurde endlich eine Diagnose gestellt, mit der ich mich nun erst mal anfreunden muss. Es gibt nämlich ein Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS), bei dem die vorhanden Mastzellen daueraktiviert sind und dadurch ständig oder wenn sie durch diverse, individuell unterschiedliche Trigger gereizt werden, jede Menge Mastzellmediatoren rauspusten. Mastzelldegranulation nennt man das. In schwächerer Form habe ich das wahrscheinlich schon immer und wenn ich so zurückdenke, kann ich mich an die ersten Krankheitssymptome auch schon als Kind und Jugendliche erinnern. Wahrscheinlich gibt es auch hier ein entsprechender genetischer Fehler, nur der wurde von der Wissenschaft bisher nicht lokalisiert, kann also nicht so „einfach“ getestet werden.

Warum zur Hölle jetzt so ein Mist?

Es kam wohl in den vergangenen zwei bis drei Jahren nun zu einem Schub und meine Mastzellaktivität hat zugenommen. Ursächlich können die Hormonumstellungen in den Wechseljahren sein oder auch einfach zu viel Stress. Interessanterweise begann es schlechter zu werden, als mein Arzt und ich meinen Beta-Blocker abgesetzt haben und dadurch der Pegel an Stresshormonen im Körper höher wurde. Unter Umständen für mich keine optimale Entscheidung, da dieser Blutdrucksenker eventuell eine gewisse schützende Wirkung auf meine empfindlichen Mastzellen hatte und der Wegfall eine ungünstige Entwicklung in Gang gesetzt hat. Aber genau kann man das leider jetzt nicht sagen.

Auf jeden Fall erklären sich viele Dinge nun mit der Erkenntnis, dass ich eine MCAS-Patientin bin. Der kaum zu bändigende Puls, Blutdruckschwankungen, Herzrasen, Weißkittel-Hochdruck, Flush-Reaktionen bei Stress und Alkohol, Unverträglichkeit von Weizen (ATI), Reaktion auf Narkosen, Kontrastmittel und lokalen Betäubungsmitteln, Muskel-und Gelenkschmerzen, Zahnprobleme, hohe Cholesterinwerte und und und. Die Liste dessen, was überaktive Mastzellen im Körper anrichten, ist ziemlich lange und geht von Kopf bis Fuß und von Innen nach Außen.

Gut zu wissen und was nun?

Für mich endet das alte Jahr mit dem Wissen, dass ich erst mal an keiner Krankheit leide, die unmittelbar lebensbedrohlich ist. Darüber freue ich mich und ich bin dankbar, dass dem so ist.

Nichtsdestotrotz muss es jetzt darum gehen meine übermunteren Mastzellen wieder einzubremsen, damit diese nicht ständig Entzündungsbotenstoffe im Körper verteilen, die mir diverse Probleme machen. Übrigens schubsen diese Racker auch die Produktion der Leukozyten an, wodurch es am Ende eben zu der Auffälligkeit in meinem kleinen Blutbild kam, auf die mein Hausarzt reagiert hat. Für mich bedeutet das, dass ich momentan den Versuch mache, meine Mastzellen mit einem mastzellstabilisierenden Medikament zu bremsen. Dazu nehme ich verschiedene mastzellstabilisierende Ernährungsergänzungen und weitere Nährstoffe ein, da diese Krankheit mit deutlichem oxidativen Stress und auch mit einem erhöhten Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen einhergeht. So wundert mich jetzt auch nicht, woher die Erschöpfung und das Gefühl, permanent durch die Mühle gedreht worden zu sein, in diesem Jahr gekommen ist.

Momentan habe ich erst mal unter den Nebenwirkungen des Medikaments zu leiden, da dieses sehr müde macht. Fühlt sich an, als würde ich morgens und abends eine Schlaftablette nehmen, und versuche dann aber wach zu bleiben. An den Symptomen/Schmerzen kann ich noch keine Verbesserung feststellen, aber das dauert wohl noch einige Wochen und ich will nicht zu schnell aufgeben. Ich behelfe mir da, wo notwendig, hin und wieder mit einer Schmerztablette. So wenig wie möglich und so viel wie nötig. Dazu mussten wir am Cholesterinspiegel mit einem Medikament eingreifen, da die Situation, die die Mastzellen im Körper momentan anrichten, ein zu großes Risiko für die Blutgefäße sind. Ich finde einen Cholesterinsenker nicht gut, aber man muss immer die individuelle Situation betrachten und es ist eben keine ernährungsbedingte Erhöhung, sondern eine durch die Krankheit verursachte Baustelle.

Da bin ich fast schon froh, dass wenigstens der Blutzucker von den Werten her durch meine Ernährung so stabil ist, dass kein Handlungsbedarf besteht.

Puh, das Jahr hatte es wahrlich in sich. Im Allgemeinen und im Speziellen für mich.

Du merkst schon, ich bin wirklich bedient und einfach froh, wenn das alte Jahr rum ist und ein neues Jahr beginnt. Trotz allem bin ich optimistisch und bin mir sicher, dass ich meine aktuellen Herausforderungen bewältigen kann und wir alle gemeinsam Corona in den Arsch treten werden.

Wenn ich mit meiner Mastzellaktivierungsstörung dann etwas weiter bin, werde ich dazu auch mal einen Beitrag machen. In moderateren Formen sind kaspernde Mastzellen nämlich nicht so selten. Je nach Forscherteam soll es zwischen 5-17% betroffene Menschen geben. Personen, die an Reizdarm, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Dauerschnupfen, verschleimter Hals, Hochsensibilität, Kreislaufproblemen, Histamin-Intoleranz, Glutensensitivität usw. leiden, haben als gemeinsame Ursache vermutlich häufig eine Mastzellaktivierungsstörung. Aber zum Glück sind die Mastzellen nicht immer so durchgeknallt wie bei mir.

Also wieder mal total spannend und eine Erkrankung, von der viele Hausärzte nichts wissen und wo dann an den unterschiedlichen Symptomen rumgedoktert wird, und so richtig kommt nie was dabei raus und rum.

Ich hatte meine Mastzellen übrigens schon seit langem im Visier, weil meine Symptome mit der Histamin-Unverträglichkeit und den diffusen Gesundheitsproblemen in die Richtung gehen, aber hatte bisher nie einen Arzt, wo ich das hinadressieren konnte. Erst jetzt, in einem stärkeren Schub und mit richtig aus der Bahn geratenen Blutwerten, bin ich da bei einer Ärztin gelandet, die sich sogar damit schon fachlich in einer Klinik beschäftigt hat. Glück im Unglück und wer weiß, vielleicht schreibe ich in einigen Jahren sogar mal noch ein Buch zu dem Thema.

Wenn du mich in den vergangenen Jahren gut kennengelernt hast, dann wird dich das wahrscheinlich nicht wundern. Warten wir ab, was passiert und bleiben bis dahin gut gelaunt und essen weiterhin gut. Gerade die nährstoffreiche Küche hat mir da sicher in den letzten Jahren sehr geholfen und alles, was ich nicht so gut vertrage, wird wie bisher entweder reduziert oder ersetzt.

Ich wünsche dir nun einen ruhigen Rutsch und einen wunderbaren Start in ein schönes und gesundes Jahr 2021.

Danke an all die treuen Leser/innen, die sich wieder bis zum Ende meines Textes durchgeboxt haben. Außerdem ein dickes Dankeschön, für die Spenden, die mich zu Weihnachten und zum Jahreswechsel erreicht haben. Ich freue mich immer total, wenn ich sehe, dass an mich gedacht wurde und auch anerkannt wird, dass mein Happy-Carb-Blog zwar kostenfrei zur Verfügung steht, aber uns durchaus für den Betrieb monatlich Geld kostet. Danke für die Unterstützung und wer noch will, kann natürlich gerne noch etwas beisteuern. Dankeschön!

Pass du gut auf dich auf und triff die für dich richtigen Entscheidungen. Lass sich nicht verunsichern von Hampelmännern, mache dir immer dein eigenes Bild und schalte den Verstand ein.

Wie immer gibt es am Ende des Jahres ein wenig musikalische Untermalung. Das Lied Control von Zoe Wees hat mich in den letzten Monaten häufig begleitet. Ich denke, Kontrollverlust war für mich ein großes Thema in diesem Jahr, denn Corona und die gesundheitlichen Sorgen haben mir die Kontrolle entrissen, was für mich Kontrollfreak, der immer gerne alles um jeden Preis unter Kontrolle hat, schwer zu ertragen ist. Viel Spaß beim Relaxen mit dem schönen Song. Hier geht es zum Youtube-Video.

Ein gesundes neues Jahr für dich und deine Lieben. Ich umarme dich.

Happy Grüße, Betti