Treulose Tomate oder Liebesapfel?

Treulose Tomate oder Liebesapfel?

Sommerzeit ist eindeutig Tomatenzeit!

Denke ich an meine Kindheit zurück, dann erinnere ich mich ganz nostalgisch an den aromatischen Geschmack der herrlichen roten Tomaten aus dem familieneigenen Garten. Ein Geschmack, den man bei gekauften Tomaten leider über viele Jahre kaum mehr finden konnte und den ich fast vergessen hatte. Aber nun, nach unzähligen der wässrigen und geschmacklosen Holland-Tomaten, kehrt erfreulicherweise auch wieder das Tomatenaroma in die gekauften Früchte zurück.

Nicht immer, aber immer öfter.

Juchuuuu…

Es hilft ja nichts, wenn die  Tomaten zwar aussehen wie von van Gogh gemalt, aber dabei vollkommen langweilig und geschmacksneutral den Gaumen nur wenig erfreuen.

Und dabei ist gerade die Tomate ein Gemüse – Entschuldigung, ich meine natürlich eine Frucht – die ich für mich nicht wirklich als „Grünzeug“ empfinde. Wenn ich in meinen Rezepten wie gewohnt prüfe, ob auch ja genügend Gemüse enthalten ist, ignoriere ich komischerweise meistens hartnäckig die Tomate.

An der unauffälligen Farbe kann das ja eigentlich nicht liegen?

Egal warum. Heute will ich dir auf jeden Fall die wunderbare Tomate ans Herz legen…

Oder bist du eine treulose Tomate und willst davon gar nichts hören?

Übrigens, die Redewendung von der treulosen Tomate stammt aus dem Ersten Weltkrieg. Damals wendeten sich die  für den Tomatenkonsum schon früher bekannten Italiener gegen ihren Verbündeten Deutschland. Und wegen dieses gemeinen Verrats wurden die Italiener einst als „treulose Tomaten“ bezeichnet.

Und auch der Name Liebesapfel lässt sich wieder den tomatenverrückten Italienern zuordnen. Die nennen die Früchte nämlich ganz zärtlich Pomodoro, also Liebesapfel (von pomo d’Amore). Wahrscheinlich hat die liebe Julia im italienischen Verona, den ach so erregten Romeo nicht mit verbalen Liebesschwüren vom Balkon verzaubert, sondern hat ihn als wahren Liebesbeweis ganz einfach mit Tomaten beworfen.

Und du kannst mir glauben, die besten Tomaten kommen auch tatsächlich aus Italien. Das glaubst du nicht?

Sag das nicht, bevor du eine echte San-Marzano-Tomate gegessen hast, die am Fuße des Vesuv auf fruchtbarem Vulkanboden unter der intensiven italienischen Sonne herangewachsen ist und dabei all die gesunden Stoffe entwickelt hat, die in der Tomate in großer Fülle enthalten sind. Diese wunderbaren Tomaten bekommst du bei uns übrigens als Dosentomaten zu kaufen. Und kaum eine der frischen Tomaten die ich bisher gegessen habe, kommt an das unglaubliche Aroma dieser italienischen konservierten Tomaten ran.

Das nenne ich doch einen verliebten Tomaten-Sing-Sang…

In Deutschland kennt man Tomaten übrigens auch als Goldäpfel und in Österreich sagt man Paradeiser.

Die Tomate stammt ursprünglich aus Südamerika und hatte es nicht leicht den europäischen Kontinent zu erobern. Man hielt die Tomate lange für giftig und ungenießbar. Erst als man gemerkt hat, dass die Früchte rot werden müssen, hat sich das Blatt zu Gunsten der Tomate gedreht. Wie gut, dass man damals so schlau war.

Heute frönen wir hemmungslos der Tomatenlust und verzehren pro Kopf etwa 23 kg im Jahr. Naja, Statistiken halt wieder die keiner braucht, weil sie eigentlich nichts aussagen…

Warum Tomaten so toll sind, will ich dir gerne erzählen.

Tomaten machen dich schön, denn sie sind reich an Biotin, was für Haut, Haare und Nägel wichtig ist. Außerdem beeinflusst das Biotin noch den Blutzuckerspiegel positiv. Daneben enthalten Tomaten viel Vitamin B3 und auch Vitamin C. Ganz wichtig ist die in den Tomaten befindliche Folsäure, die schützend auf unser Herz- und Kreislaufsystem wirkt. Dazu bietet uns die Tomate noch Vitamin E und steigert damit unsere Vitalität. Kalium und  Zink runden die Vitaminbombe Tomate ab.

Ein echter Jungbrunnen also, so ein kleines Tomätchen…

Aber das echte Highlight habe ich bis zum Schluss aufgespart.

Trommelwirbel…

Denn der wichtigste Stoff in der Tomate ist der rote Farbstoff, das Bioflavonoid Lycopin aus der Gruppe der Carotinoide. Und Lycopin ist einer der effektivsten Radikalfänger den es gibt und schützt unseren Körper vor Umweltschadstoffen und körpereigenem Stoffwechselabfall. Dabei ist Lycopin so stark, dass es sogar bereits vorhandene Zellschäden reparieren kann.

Tomaten für ALLE! Ich schmeiße direkt eine Runde…

In amerikanischen Studien ging hervor, dass die Schutzwirkung des Lycopin sogar eine risikosenkende Wirkung für verschiedene Krebsarten entwickelt. In Harvard hat man nachgewiesen, dass eine Mahlzeit pro Tag mit gekochten Tomaten das Risiko für Prostata-Krebs um 20% verringert. Gut, das interessiert zumindest die Eigentümer einer Prostata…

An der Universität von North Carolina wurde außerdem nachgewiesen, dass das Lycopin aus der Tomate Herz und Kreislauf stärkt und die Entwicklung von Arteriosklerose bremst. Das tut es, indem Lycopin das „schlechte“ Cholesterin LDL senkt und die Resistenz von LDL gegenüber einer eventuellen Oxidation verbessert.

Es wird jedoch vermutet, dass der gesundheitliche Wert der Tomate nicht nur alleine auf das Lycopin zurückzuführen ist, sondern ein Wechselspiel aus den enthaltenen Pflanzenstoffen (Lycopin und Beta-Carotin) und den Vitaminen ist.

Dazu macht es einen Unterschied, in welcher Form wir die Tomaten zu uns nehmen. Denn die biologische Verfügbarkeit von Lycopin erhöht sich mit der Verarbeitung der Tomate. Ursache ist, dass erst beim Erwärmen der Tomaten die Zellen platzen und das Lycopin so freigesetzt wird. Deshalb auch der Vorsprung der Dosentomaten in Sachen Lycopin gegenüber den frischen Tomaten.

Zusätzlich ist wichtig zu wissen, dass  Lycopin und Beta-Carotin fettlösliche Pflanzenstoffe sind. Daher brauchen sie, genau wie die Möhren auch, etwas Fett um vom Körper aufgenommen werden zu können.

Die Italiener wissen also schon was gut ist, wenn sie so reichlich Tomatensoße mit Olivenöl verzehren.

Und schon höre ich im Geist wieder die Melodie von Mama Miracoli.

Freeeeedericoooo……Lalalallalalalllalalala….

Ich glaube ich bin vollkommen traumatisiert. Dabei gab es in meiner Kindheit nie Miracoli.

Einen kleinen Blick werfen wir auf die Nährwerte:

Tomaten in der frischen Variante haben auf 100g:
18 Kalorien
1 g Eiweiß
4 g Kohlenhydrate
0 g Fett

Tomaten schmecken vollreif in Zimmertemperatur am besten. Den Kühlschrank mögen sie leider nicht so gerne, auch wenn sich die Haltbarkeit dort verlängert. Aber den Aufenthalt im Kalten quittieren die Tomaten mit einer beleidigten Geschmacksreduzierung.

Bei fertigen Tomatenprodukten, die sehr gerne verzehrt werden können, bitte unbedingt auf die Zutatenliste schauen. Gerne wird der Tomatengeschmack mit Zuckerzusätzen angehoben oder andere unerwünschte Stoffe hinzugefügt. Aber gerade Dosentomaten oder das konzentrierte Tomatenmark aus südlichen Gefilden, sind in guter aromatischer Qualität tolle Lebensmittel und sehr vielseitig einsetzbar.

Klassenbester was den Lycopingehalt der Tomatenprodukte angeht ist übrigens das Tomatenmark.

Wir merken uns:

  • Wenn wir die Vitamine und Mineralstoffe aus der Tomate nutzen wollen, dann essen wir sie frisch und roh
  • Wollen wir die Vorteile des Lycopin und des Beta-Carotins für uns nutzen, dann funktioniert das am besten, wenn die Tomaten erhitzt wurden und mit etwas Fett daherkommen

Also jetzt auf den Wochenmärkten zugreifen oder noch besser, im eigenen Garten aromatische Tomaten ernten. Selbst auf der kleinsten Terrasse ist Platz für mindestens einen Kübel mit einer Tomatenpflanze.

Und bis zur eigenen Ernte gibt es eben jede Menge gesunder Dosentomaten.

Rezepte mit Tomaten findest du bei mir auf jeden Fall reichlich. Schau doch mal hier…

Tomaten 034